Eine Dankespostkarte

Rückseite

Ich habe zu danken für die Zusendung der gesammelten Lyrics von John Prine, wunderbar, sehr erfreulich ist das. Da ich unlängst auch schon die gesammelten Texte von Brassens erhalten habe, muss ich eigentlich ein neues Regal anfangen, Liedtexte, aber so etwas endet dann vermutlich wieder im Umbau der ganzen Wohnung, Sie kennen das. Ich zögere also noch etwas. Vielen Dank jedenfalls!

Vorderseite

Ein Bild aus dem ÖPNV, mit dem ich gerade deutlich mehr Zeit verbringe als in den letzten zwei Jahren, und ich habe viel Spaß dabei. Man muss sich nur hinsetzen und notieren, es passiert dauernd etwas, es laufen unentwegt Menschen durchs Bild, die irgendwie agieren, mit denen man aber meistens nicht interagieren muss, es ist ganz wunderbar. Eine kleine, eine winzige Szene nur aus dem Hamburger Hauptbahnhof, ein Sekundenclip, wie auf diesen Karten, die eine gif-artige Bewegung zeigen, wenn man sie hin- und herdreht.

Ein kleines Mädchen, noch vor dem Grundschulalter ist sie vermutlich, höchstens in der ersten Klasse wird sie sein. Sie steht neben ihrer Mutter, die gerade Brötchen kauft, sie steht auch neben ihrem kleinen Bruder, der den Daumen noch im Mund und die Augen geschlossen hat, der ist gar nicht ganz da. Eine Taube fliegt auf die kleine Gruppe zu. Es ist eine ausgesprochen tief fliegende Taube, wie es sie in diesem Bahnhof oft gibt. Es empfiehlt sich manchmal, lieber in Deckung zu gehen, besonders rund um die Bäckereien, in die sie hinein und hinaus fliegen. Über die Jahrzehnte haben sie es in der Wandelhalle gelernt und können es jetzt sehr gut, es kommt aber doch gelegentlich noch zu Kollisionen mit diesen Menschen, die da auf dem Boden überall herumlaufen, wo das ganze Essen bereitliegt. Diese Taube also rast auf die Familie zu, schnurgerade wie ein Geschoss, auch Tauben können ein wenig segeln und sehen dann sogar halbwegs elegant aus, flotter Flug, starke Beschleunigung. Das Mädchen aber geht nicht in Deckung. Das Mädchen sieht die Taube auf sich zukommen und macht einen kleinen Karate-Move. Einen Arm schiebt sie dabei als Block nach vorne, der andere geht im gleichen Moment nach hinten und die Faust holt mit Schwung aus. Gekonnt sieht das aus, sie wird Unterricht haben, und sinnlos ist der absolut nicht. Sie hat diese Bewegung verinnerlicht, das sieht man. Sollte die Taube nicht sofort abdrehen, die würde dermaßen auf den Schnabel bekommen. Die Bewegung geht aber noch weiter, es wird noch besser, denn als die Taube knapp über den Kindern wegzieht, schiebt sie in wahrhaft großer Geste mit dem rechten Arm, mit dem sie dann doch nicht zuschlagen musste, ihren kleinen Bruder hinter sich. Kein Held aus einem Actionfilm könnte Schwächere lässiger in die Sicherheit hinter seinem Rücken überführen, so gekonnt sieht das aus, so selbstverständlich, so stark. Und sie sieht der Taube ernst nach, die Gefahr im Blick behaltend.

Der Bruder aber lutscht Daumen und merkt nichts. Er muss auch gar nichts merken, er hat ja diese Schwester.

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Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel. Merci!

3 Kommentare

  1. Jetz‘ hab‘ ich doch echt datt Pipi inne Augen – Dankeschön, Herr Buddenbohm, für diese unverhoffte kleine Superheldin! Bin ich doch selbst die große Schwester von einem sehr viel kleineren Bruder … herrje! :‘-)

  2. Zauberhaft. Große Schwestern bleiben übrigens auch mit Mitte Achtzig noch große Schwestern für ihre kleinen, ein Jahr jüngeren Brüder. Gerade erst wieder in der Familie beobachtet. <3

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