Flexibel bleiben und Nüsse kaufen

Mittwoch. Ein Office-Office-Tag, ich fahre morgens mit der Bahn nach Hammerbrook, nur um einmal wieder Bahn zu fahren. Die eine Station lohnt sich kaum, aber wenn man seinen Alltag nur öde und abwechslungsarm genug gestaltet, wird einem auch eine wöchentliche Bahnfahrt von nur etwa drei Minuten Länge zum Event. Also mit etwas Fantasie jedenfalls. Na gut, eher mit recht viel Fantasie.

Mittags zwischendurch schnell raus aus dem Büro, Essen fassen, kurz über den winzigen Wochenmarkt mit seinen nur fünf, sechs Ständen. Es ist so kalt, dass ich friere. Was vollkommen uninteressant wäre, wenn es mir nicht besonders auffallen würde, denn es ist schon so lange her, dass ich draußen gefroren habe. Mehrere Wochen ist es sicher her, und das halte ich nach wie vor für eine eher originelle und auch bedenkliche Feststellung in einem Januar. Doch mal die Jacke zumachen, das gibt es ja heute kaum noch. Es findet nun etwa eine Woche Winter statt, sagt die Wetter-App, mit „Schnee bis in die tiefen Lagen“, was fängt man jetzt mit so etwas noch an. Ignorieren, gar nicht hinsehen. Nicht das Haus verlassen, nicht mitmachen. Stell Dir vor, es ist Winter, und niemand geht hin.

Oder einfach doch noch die gestern erwähnten Spekulatius essen. Flexibel bleiben.

Nach der Arbeit auf einmal eine mühlsteinschwere Müdigkeit, als hätte ich tagelang wahnsinnig angestrengt durchgearbeitet. Ich gehe zu Fuß nach Hause und bekomme Lust, mich zwischendurch kurz irgendwo hinzusetzen, an besten mit geschlossenen Augen. Nur fünf Minuten! So müde. Natürlich setze ich mich nicht hin, es ist ja auch viel zu kalt dafür.

Ich gehe nach Hause und lege Erdnüsse auf den Balkon, weil ich auf Tiktok gesehen habe, dass Raben und Krähen so sehr auf Erdnüsse abfahren, es gibt etliche Filmchen dazu. Das mal probieren, denke ich mir. Eine Handvoll Erdnüsse lege ich in einen Blumentopf, das haben wir bisher noch nicht gemacht. Ich gehe wieder rein, ich mache die Balkontür hinter mir zu, drehe mich um und da ist eine Krähe. Sie holt sich Erdnüsse. Wie geht dieses Timing? Wie ist das denn bloß möglich? Ich stelle mir vor, wie Krähen permanent über der Stadt kreisen und fortwährend prüfen, ob irgendwo wieder ein neuer Mensch die Sache mit den Erdnüssen endlich mitbekommen hat. Und dann – sofortiger Zugriff. Ich bin angemessen beeindruckt.

Ungeheuer smooth landet so eine Krähe, sehr geschickt sortiert sie sich drei, vier Erdnüsse in den Schnabel und hebt dann elegant wieder ab, um sie irgendwo zu knacken. Kommt dann wieder, holt sich nach und nach den Rest, fliegt aber immer zwischendurch damit weg, isst nichts vor Ort, keine einzige Nuss. Bestimmt ein Sicherheitskonzept.

Die Krähe holt die letzte Erdnuss, ich warte etwas ab, dann lege ich noch einmal eine Handvoll nach, was soll der Geiz. Es kommt: Eine Elster. Noch nie war eine Elster auf dem Balkon, jetzt hat sie gesehen, was die Krähe macht. Morgen erwarte ich dann den Eichelhäher.

Ich schreibe Erdnüsse auf den Einkaufszettel. Viele Erdnüsse.

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Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel.

3 Kommentare

  1. Ich rate, künftig sorgsam zu überlegen, was Sie sonst so auf den Balkon stellen. Lebensmittel sollten es nicht mehr sein, die Krähen sehen ab sofort alles dortige als Angebot an. (Musste ich unter Verlust eines gebratenen Hühnerbeins herausfinden.)

  2. Walnüsse werden ebenso gut angenommen :o) Und erwarten Sie ggf auch die Eichhörnchen. Das spricht sich rum!

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