Mus und Motivation

Ein Office-Office-Tag. Ich gehe wegen des Bahnstreiks zu Fuß runter nach Hammerbrook. Die nächste Rutschpartie über vereiste Wege also. Vermutlich sind auch diese glatten Wege ein Zeichen der Zeit, denn da, wo es um öffentliche Strecken geht, versagt die staatliche Infrastruktur, und da, wo es um private Zuständigkeiten geht, geht es um das ausdrückliche Verneinen jeglicher Zuständigkeit für die Allgemeinheit. Eine egozentrische Steigerung des alten Spruchs: „Ein jeder kehre vor seiner Tür“, wir sind jetzt schon bei „Ein jeder kehre vor keiner Tür.“ Und auch das ist ein Stück Sozialgeschichte, wie es dazu kommen konnte.

Yüksel Mus würde das sicher nicht gefallen, wie sich das alles entwickelt hat. Den Herren kennen Sie vermutlich nicht, aber in Hamburg wurde vor einigen Jahren ein Platz nach ihm benannt, eine kleine Fläche an der Binnenalster, gleich neben dem Jungfernstieg. Es steht da ein Schild zur Erinnerung an ihn, ich zitiere mal, falls man das auf dem Bild nicht gut erkennen kann:

Yüksel Mus (15. August 1964 – 20. Mai 2015) war ein Mitarbeiter der Stadtreinigung Hamburg. Als Leiter eines Reinigungsteams war für ihn jederzeit eine saubere und gepflegte Stadt eine Aufgabe, der er sich voll und ganz verschrieben hatte. Mit beispiellosem Einsatz und unermüdlicher Tatkraft sorgte Yüksel Mus mit Besen, Schaufel und Kehrmaschine für Sauberkeit in seinem Lieblingsrevier am Jungfernstieg und auf den angrenzenden Straßen und Wegen der Hamburger Innenstadt.“

Das Hinweis-Schild auf den Yüksel-Mus-Platz, der Text wird im Blogartikel zitiert.

Ich finde es schön und angemessen, dass es da diesen kleinen Platz dort gibt.

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In der Wetter-App steht allerdings nur das schwache „Glatteis geringfügig“, man muss gleich an Heinz Erhardt denken: „Gerade Gewürzgurke gegessen.“

Es kommt in den nächsten Tagen wieder Schnee auf uns zu, das Licht und die Luft in der Stadt verändern sich bereits, es wird diesiger, nasser, nebliger. Die große Klarheit und das lichte Strahlen sind schon vorbei, waren aber nett und willkommen.

Vor dem Bürohaus in Hammerbrook hat sich jemand übergeben, was mir Anlass gibt, beim Übersteigen des Auswurfs erfreut zu denken: „Na, so schlimm ist es bei mir nun auch wieder nicht.“ Man muss die Motivation nehmen, wo immer man sie nur herbekommen kann. Und dann gleich munter losarbeiten.

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Gesehen: Dean Martin, King of Cool, eine Doku auf arte.

Gelesen: Anke verweist auf die FAZ, es geht um die Gesamtausgabe von Marlen Haushofer. Was mich daran erinnert, dass es noch ein, zwei von mir ungelesene Werke von dieser Autorin gibt, und das muss ja nicht so bleiben.

Und während es Meldungen über den deportation masterplan der deutschen Nazis auch in die Auslandspresse schaffen (hier noch Le Monde), kümmere ich mich um Weiterbildung in anderer Richtung und höre auf dem Heimweg: Agnes Heller – Du hast immer die Wahl. Von ihr vielleicht auch etwas lesen, das mal vormerken.

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Im Tagesbild die Billerhuder Insel im Winterlicht.

Blick über das Bille-Ufer von der Braunen Brücke aus, winterliches, blauweißes Licht

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4 Kommentare

  1. Wunderbar!! Ein Platz nach einem Straßenreiniger zu benennen, das finde ich toll. Das sollte Schule machen.

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