Kurze Auftritte, Kreidekreise und Kreuze

Ich habe einen größeren Teil des Sonnabends damit verbracht, mir eine neue Playlist nur mit Soundtracks zusammenzustellen. Die Radiosendung über Truffaut neulich wirkt immer noch fort bei mir. Hauptsächlich Stücke aus französischen und italienischen Filmen der 50er, 60er und 70er habe ich da gesammelt, wenige Ausnahmen. Die Musik irgendwo zwischen Jazz und Swing, mit vereinzelten, dezenten Anklängen von Funk auch, dazu viel Cocktail-Lounge und Easy-Listening. Es ist Spaziergangsmusik, andere würden bei einigen Stücken sicher auch von Fahrstuhlmusik reden.

Die Spiegelungen in den großen Schaufenstern werden mit Filmmusikschnipseln manchmal ein wenig interessanter. Ach guck, diese Figur wieder, die kenne ich doch von zuhause. Hier spielt er jetzt also auch mit. Na, immerhin ein kurzer Auftritt, das haben andere Regisseure bekanntlich auch so gemacht. Und dann in genau zum Takt passender Geschwindigkeit aus dem Bild gehen, wenigstens seinen eigenen Abgang gut und stimmig finden. Self-Care für Anfänger.


Ansonsten habe ich noch Schlaf nachgeholt, auch tagsüber, und vergleichsweise hemmungslos. Es bestand weiterer Bedarf.

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Im kleinen Bahnhofsviertel war jemand fleißig und hat alle Stolpersteine, von denen es hier nicht eben wenige gibt, einige neue wurden auch gerade erst gesetzt, mit Kreide umkreist und in bunten Farben jeweils groß „FUCK AFD“ danebengeschrieben. Er oder sie wird damit eine Weile beschäftigt gewesen sein.

Gleichzeitig klebt ein anderer Mensch bedruckte Zettel an Stromkästen, auf denen Pamphlete gegen die „linke Ampeldiktatur“ stehen, die Schuld „an Mannheim“ hat. Und es wird auch weiter und täglich gegen Israel und auch gegen die Hamas geklebt und gesprüht und geschrieben und, wenn es denn genehmigt wird, auch demonstriert.

Die urbanen Meinungsäußerungen der öffentlichen Art werden hier gerade schärfer und öfter, direkt neben den Wahlplakaten, die allerdings durchweg vergleichsweise inhaltsarm daherkommen. Was vielleicht auch einiges erklärt, wenn man lange genug darüber nachdenkt.

Dann eine Demo am Hauptbahnhof, jemand schreit, brüllt und tobt in ein Megaphon, aggressiv, fordernd, aufrührend. Wir verstehen kein Wort. Es ist zwar laut, und der Wind trägt die Parolen bis zu unserem Haus und zur offenen Balkontür herein, aber die Satzfetzen kommen unklar und wie verwirbelt hier an. Ich bin nicht einmal sicher, welche Sprache das da ist, eventuell sind es auch mehrere. Nach einer friedlichen Veranstaltung, so viel steht fest, klingt es eher nicht.

Am Tag davor gab es noch einmal eine große Demo gegen Rechtsextremismus, bei der ich allerdings die Ankündigung verpasst habe. Wenn man nicht dauernd aufpasst! Alles Politische hier ist im Moment etwas anstrengend.

Zur Wahl zu gehen allerdings, das wiederum ist leicht. Elf Kreuze sind zu machen, denn in Hamburg sind auch Bezirksversammlungswahlen, und elf Kreuze, das kann man schaffen. Den Rest des Tages habe ich dann frei. Okay.

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Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel.

3 Kommentare

  1. Hallo
    Die Playlist klingt so als ob ich auch daran gefallen hätte, ist sie eventuell auch öffentlich verfügbar?
    Herzliche Grüße
    Eetje

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