Kultur im Konjunktiv

Das Wochenende brachte zwar immerhin den Monatswechsel, und das ist nicht nichts, sondern im Falle des ersten Quartals eher ein Kennzeichen der Hoffnung, aber es lieferte mir auch eine weitere Variante des saisontypischen Gefühls, gleich krank zu werden. In einer Stunde vielleicht, in zwei, drei … es zog schon im Hals, in den Gliedern, es gab schon diese allgemeine Verelendung und ein Gefühl von: „You may now serve the usual drugs.“ Es zog sich dann aber immer weiter so hin.

Weswegen mir die Kälte da draußen mit diesen absurden, stark zur Übertreibung neigenden Real-Feel-Graden weit im zweistelligen Minusbereich gleich noch viel kälter vorkam. So kalt sogar, dass mir alle Lust verging, mich ihr auch nur kurz auszusetzen. Spaziergänge hin oder her, man kann auch nicht jeden Tag gewinnen. Nicht einmal als Mensch mit Prinzipien.

Den eigentlich vorgesehenen Kulturtipp kann ich daher nur im Konjunktiv notieren. Unter anderen Umständen hätte ich am Sonnabend ins Theater gehen können, und Mama Odessa in den Kammerspielen wäre das Stück der Wahl gewesen. Ich glaube, es ist gut, und sehen Sie mal, es gibt sogar Stadtteilrundgänge passend zum Stück. Da ich dort um die Ecke einmal gewohnt habe und sie dabei also durch meine alte Heimat laufen, wobei sie über die alte Heimat anderer reden, ist das für mich eine ziemlich gute Idee.

Na, das Stück läuft noch bis Ende Februar. Vielleicht gibt es noch Hoffnung im zweiten oder dritten Anlauf oder wenn ich mich wieder an den alten Titel von Bernd Begemann halte: „Gib mir eine zwölfte Chance.“

Am Sonntag habe ich mich doch kurz aufgerafft, denn der Mensch, auch der sich wehleidig gebende, muss zwischendurch gelüftet werden. Mit anderen Freizeitakiven im Pinguingang watschelte ich lustlos über die vereisten Wege in Planten & Blomen. Der Park sah mir noch entschieden zu winterlich aus, der Fernsehturm ragte als Gewächs der Taiga in die Höhe.

Planten un Blomen, verschneit und vereist

An sämtlichen Gewässern dort hat man viele warnende Schilder aufgehängt, dass das Betreten wegen Lebensgefahr verboten sei, rote Schrift und Ausrufezeichen. Dahinter dann jeweils die Fußspuren auf der Eisdecke.

Planten un Blomen, verschneit und vereist

Aus Bonn wurden mir währenddessen vorgezogene Frühlingseinzugsbilder aufs Smartphone geschickt, blühende Krokusse auf grünen Wiesen, herumtollende Lämmer. Die sind da doch weiter im Süden, als es mir im letzten Jahr auf meiner Reise dorthin aufgefallen ist. Die lange, lange Fahrzeit von über sieben Stunden lag am Ende gar nicht nur an den Fehlleistungen der Deutschen Bahn.

Man sollte immer mehrere Optionen für möglich halten.

Planten un Blomen, verschneit und vereist

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