Zum Thema Bargeld versus digitale Zahlung könnte man meinungsstarke Artikel durcharbeiten und akribisch Argumente für diese oder jene Richtung herausarbeiten. Spontan sind mir dabei zwei Aspekte bewusst, und es werden nicht die geistreichsten sein, wie ich gerne zugebe.
Denn zum einen scheint mir das Datenschutzargument logisch und stichhaltig zu sein. Ich glaube denen nicht, die davon ausgehen möchten, dass die Datenspur, die sich aus all unseren Einkäufen ergibt, in keinem Fall gegen uns verwendet werden könnte. Diese Haltung finde ich bemerkenswert naiv.

Zum anderen gehöre ich aber als betont ungeduldiger Mensch selbstverständlich zu denen, die tendenziell innerlich eskalieren, wenn die Menschen an der Kasse vor ihnen anfangen, Centmünzen einzeln abzuzählen und dabei Standard-Smalltak mit dem Personal an der Kasse zu initiieren à la „Ein Euro und achtzig, die Sacht macht sich.“ Unvergesslich die Erinnerung an einen Einkauf in München, es ist schon eine Weile her. Als wir auf einer Reise beim Umstieg vom Mietwagen in den Zug nur wenig Zeit hatten, schnell in einen Supermarkt gingen und dort durch einen eher absurden Zufall alle etwa zwölf Personen vor uns bar bezahlten. Also etwa so, als sei die Kartenzahlung in Bayern verboten, was wohl nicht der Fall ist.
Es war tatsächlich ein Zufall. Aber eben einer von denen, die so sehr nach Sketch aussehen, dass man mit offenem Mund in dieser Sonderform der Wirklichkeit steht und sich nur noch fragt, womit man das nun wieder verdient hat.
Den Zug haben wir dann noch bekommen, mussten aber, um ihn gerade eben noch zu erreichen, mit dem Gepäck laufen, also tatsächlich sprinten. Dies war, glaube ich, die letzte sportliche Großtat, an die ich mich erinnern kann. Kurz vor Hamburg kam ich dann wieder zu Atem.
Bargeld also, das wollte ich nur eben sagen: Auch manchmal schwierig.
Ich habe aber ansonsten bei diesem Thema keine Spur von Leidenschaft und insgesamt kein hohes Interesse. Man kann nicht alle Nachrichten mit Leidenschaft verfolgen und es gibt Sachverhalte im modernen Leben, die mich deutlich mehr bewegen. Ich verfolge das also alles nur am Rande. Die Entwicklung in Ländern wie Norwegen etwa, wo das Bargeld schon unüblich geworden ist. Und auch die Sache mit dem Datenschutz und der Datenspur, wozu es ebenfalls gelegentlich Nachrichten gibt. Die dann meist keine guten sind.

Aber!
Ein Aspekt bewegt mich dann doch, kommt mir unangenehm nahe, regt mich auf. Und zwar der unselige Umstand, dass die Anhänger der Zahlungsmöglichkeitsparteien Bar und Bargeldlos, wenn sie ein Geschäft betreiben, so oft passiv-aggressiv auf den Teil ihrer Kundschaft reagieren, der sich so verhält, als würde er der jeweils anderen Partei angehören.
Wenn ich etwa, wie es mir gerade passiert ist, an einem eher improvisiert wirkenden, winzigen Marktstand etwas Kleinkunsthandwerk im gerade eben noch einstelligen Preisbereich erwerbe, dann reiche ich Münzen oder einen Schein. Was auf Erfahrungswerten beruht. Und bin doch etwas irritiert, wenn mich der verkaufende Mensch dann so pikiert ansieht, als hätte ich mit Muscheln zahlen wollen. Um dann mit kritisch erhobener Augenbraue anzumerken: „Oh, also Bargeld … Nein, das nicht mehr. Bei mir nur mit Karte.“
Ich meine, dies ist Deutschland, dies ist 2026. Man kann als Kunde daher unmöglich ahnen, welcher Händler oder Dienstleister digital wie weit vorgedrungen ist. Dabei irgendetwas vorauszusetzen, es kommt mir vollkommen abwegig vor.
Ich schreibe dies aber nur, weil ich direkt nach dem Erlebnis an diesem Marktstand das erste Eis der Saison kaufte. Es war warm, die Sonne schien, die Wetter-App vermeldete gerade per Pop-Up den Beginn des Vollfrühlings, und was war schon dabei. Ich kam an einer Eisdiele, sagt man das überhaupt noch, an prominenter Stelle und touristisch interessanter Lage in der Innenstadt vorbei. Der Preis der Kugeln lag über zwei Euro, aber das ist ein anderes Thema.
Mittlerweile hatte ich aber nur noch einen Fünfziger im Portemonnaie, das kam mir unpassend für Eis vor. Ich sagte daher, was man dann so sagt: „Mit Karte, bitte.“
Der Eisverkäufer sah mich an, als sei ich ein Kunde aus der Zukunft, mit science-fiction-mäßigem Vokabular der stark überfordernden Art. Als hätte ich etwas gesagt wie: „Ich zahle mit Warp III.“
Der Mann sagte sichtlich irritiert: „Aber hier doch nicht!“ Wörtlich sagte er das. Und ignorierte mein spontan auftretendes Augenzucken, während er weiter ausführte – und mit welcher Anmaßung, Herablassung und Selbstherrlichkeit in der Stimme – dass man dort selbstverständlich nur mit Bargeld zahlen könne. Also wirklich, mit Karte! Und es folgte eine Art wegwerfende Geste, die in mir kurz die Lust aufkommen ließ, auch mein gerade erst empfangenes Eis zu werfen, und zwar in seine Richtung.
Weswegen ich, sicher auch im Namen anderer Kundinnen, kurz anmerken möchte: Wir wissen nicht, was an welcher Kasse in diesem Land möglich ist. Wir können und wollen es auch nicht wissen, wir möchten das nicht listenmäßig auswendig lernen. Weder möchten wir es parat haben, noch möchten wir so etwas kundig erahnen. Wir haben keine Neigung zu irgendeiner vorauseilenden Mitwirkung. Wenn Sie an einer Kasse stehen oder sonst wie Geld einnehmen, dann sparen Sie sich um Gottes willen sämtliche pikierten Blicke bei auf welche Art auch immer zahlungswilligen Kundinnen.
Ja, sparen Sie sich diese Blicke. Und sparen Sie sich auch die hochgezogenen Augenbrauen, erst recht die besserwissenden Anmerkungen und Belehrungen. Einfach jedem Fall.
Sie tun uns damit einen großen Gefallen.

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Ich kann das gerade voll nachempfinden. Das ist mir auch schon oft passiert. Was ich noch viel schlimmer finde, sind Kassierer, die sich aufregen, wenn man nur 3 Artikel aufs Band legt, und ihn daher an die Kasse holt. Ist mir jetzt schon mehrfach passiert. Seit wann muss man alles laut aussprechen? Vor den Kunden? Aber was weiß ich schon. Ist vielleicht heutzutage normal. Liebe Grüße und einen schönen Tag Katrin