Gesehen:
Unerwartet gut fand ich die Serie „Das letzte Wort“, von und mit Thorsten Merten und mit einer herausragenden Anke Engelke, die aber ohnehin, das weiß man längst, alles kann. Aber auch bis in die Nebenrollen war die Produktion ungewöhnlich gut besetzt.
Auf der verlinkten Wikipedia-Seite werden die meist positiven Rezensionen zitiert, ich stimme denen zu. Es wird nicht nur mir so gehen, dass ich bei deutschen Produktionen eine etwas unheilvolle Klamauk- und Klischee-Erwartung habe, umso erfreulicher, wenn dann etwas anderes geboten wird. Eine fast versöhnliche Erfahrung.
Dazu passend gab es noch einen deutschen Spielfilm, bei dem aber schon wegen Katharina Thalbach und Axel Prahl nicht viel schiefgehen konnte: „Du bist nicht allein“ aus dem Jahr 2007.
Serie und Film zusammen waren geradezu eine Glückssträhne, so dass man hinterher eine Weile nichts mehr anmachen möchte, es kann ja nur schlechter werden.
Aber es nützt ja nichts.
Ich sah dann in „Pure“ hinein, eine Serie auf arte über eine junge Frau mit einer Zwangsstörung, sie hat unkontrollierbare sexuelle Gedanken der überwältigenden Art. Ein gutes Thema, das auch nicht schlecht umgesetzt wurde, eine gute Hauptdarstellerin gab es auch, aber insgesamt war es nicht mein Fall und vermutlich war das Ganze, nun ja, zu jung für mich. Wohlwollendes Durchwinken, Sie kennen das.
Wo ich aber schon bei psychischen Störungen war, sah ich doch noch einen US-Film, nämlich „Silver Linings Playbook“. Eine Romanverfilmung, die Vorlage dazu schrieb der mir unbekannte Matthew Quick. Mit Jennifer Lawrence, Bradley Cooper, Robert De Niro, kein Mangel an bekannten Gesichtern also. Es geht um bipolare Störungen und andere psychische Auffälligkeiten, ich fand es erstaunlich gut umgesetzt und besonders sympathisch in Szene gesetzt.
Wenn man sich für Macken aller Art interessiert, ist dieser Film auf jeden Fall vorzumerken.
Es war kein Plan von mir, aber die Woche ergab sich als Film-Festival der Macken, Abweichungen und Besonderheiten, und wo ich schon einmal dabei war, sah ich noch den ebenfalls sympathischen Film „Falling into Place“ von Aylin Tezel. Darin spielen Depressionen eine wichtige Rolle, es ist aber auch ein bildschöner Film, der an interessanten Orten spielt.
Regelmäßige Fernsehkonsumenten kennen Aylin Tezel, nehme ich an. Durch meine lange Abstinenz sind mir aber nahezu alle unbekannt, überall frische Gesichter und großartige Entdeckungen, das hat auch seinen Vorteil.
Ja, so war das, mit den seelisch Verbogenen in Film und Fernsehen in dieser Woche. „Ich sing für die Verrückten“, hieß es einst bei Hanns Dieter Hüsch.
„Ich sing für die Verrückten
Die seitlich Umgeknickten
Die eines Tags nach vorne fallen
Und, unbemerkt von allen.
An ihren Küchentischen sitzen
Und keiner Weltanschauung nützen.“
YouTube-Link zum Lied.

Gelesen:
Die Liste der 100 besten Romane, die im Guardian veröffentlicht wurde. Wie immer bei solchen Spielen, denn etwas anderes kann es doch kaum sein, las ich das Ranking lediglich mit dem Interesse, auf weitere Bücher zu stoßen, die ich dringend einmal lesen müsste. Weil sie ein gewisses Verlangen wecken, aus keinem anderen Grund. Sicher jedenfalls nicht, weil irgendwer sagt, sie seien bedeutend.
Ein kurzes Interview mit Hans-Ulrich Treichel über seinen neuen Roman „Das Karussell“ (Verlagslink). Treichel habe ich immer gerne gelesen, vermutlich sogar fast alles von ihm. Diesen Roman werde ich sicherlich auch bald auf den Stapel legen.
Bei Frau Novemberregen gibt es eine sehr lehrreiche Geschichte. (Niemand wird etwas aus ihr lernen, ich weiß.)
Den Artikel von Berit Glanz bei 54books: „Zwischen Bestseller und Brainrot – Wie der Markt die Literatur sortiert“. Und es war ein bloßer Zufall, dass ich direkt nach diesem Artikel in der Goethe-Biografie von Thomas Steinfeld weiterlas, in der es dann gerade darum ging, dass es zu Goethes Zeiten kaum Autoren gab, Autorinnen schon gar nicht, die von ihrer Kunst leben konnten. Goethe war finanziell eine Ausnahme, aber keineswegs nur durch sein Schreiben. „Wo er war, gab es Champagner.“ Das hat sich dann später bei Thomas Mann wiederholt, und ich nehme an, man könnte lange, lange überlegen, welche Frau wohl in diese Reihe passen könnte.
Franziska über den „Mythos Blogosphäre“.
Weitere interessante Links drüben bei Heike.

Gehört:
Ein Zeitzeichen: „Poet, Player, Provokateur: Wie Heine mit Deutschland haderte“, 14 Min.
Beim Deutschlandfunk eine Sendung über das Potenzial obsoleter Stadträume (29 Min.). Klingt sehr abstrakt, ist aber eine greifbare Angelegenheit, denn es geht um die Umnutzungen von z. B. Bürobauten, die wegen des Home-Office-Trends nicht mehr gebraucht werden, oder von Kirchen, die nicht mehr besucht werden, von Friedhöfen, die man wegen der Urnenbestattungen verkleinern kann etc. Es geht also um Potenziale, die man in jeder Stadt finden kann.
Im Podcast „Nice & Nötig“ von Übermedien gab es eine Folge (43 Min.) mit Philip Banse von der Lage der Nation, über das Nachrichtenpodcasten als „Gesprächstherapie“.
Ein Zeitzeichen über Erik Satie (15 Min. Ich ging, während ich diese Sendung hörte, an diesem sensationell gut passenden Schriftzug auf dem Pflaster vorbei:

Ein weiteres Zeitzeichen gab es dann noch über Franziska Gräfin zu Reventlow und die Bohème (15 Min.). Ihr Name wird in der Sendung anders betont, als ich ihn immer im Kopf hatte. Nanu.
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