… lese ich weiter in der Goethe-Biografie von Thomas Steinfeld und bin sehr angetan. Ein wahres Lesevergnügen ist es, keinen Moment denke ich an die über 700 Seiten und dass da also etwas zu leisten ist. Im Gegenteil, ich freue mich, dass noch herrlich viel übrig ist, und so soll es auch sein.
Natürlich gibt es nicht gerade einen Mangel an Goethe-Biografien, es sind schon ein paar Regalmeter solcher Arbeiten erschienen. Es ist auch nicht die erste Variante, die ich hier gerade konsumiere. Und es kommt mir ein wenig so vor, als habe der Herr Steinfeld, der dieses Bild aber vielleicht vollkommen falsch finden könnte, mit einer angenehm entspannten Lässigkeit vor der überwältigenden Fülle der Fachliteratur gestanden. Um dann nach stattgehabtem Studium sympathisch, souverän und mit beträchtlicher Flughöhe zusammenzufassen, abzugleichen und auszuwerten. Und, versteht sich, auch einiges richtigzustellen, was lange Zeit bestenfalls halbwahr oder schlicht falsch dargestellt, vielleicht auch abgenudelt wurde.

In der Reihe „Lesenswerte und auch gut lesbare Sachbücher“ bekommt das Buch bei mir jedenfalls einen prominenten Platz. Falls Sie einmal Menschen beschenken wollen, die noch Freude an kanonisierter Klassik, bürgerlichem Bildungsballast, Germanistikgeröllhalden und dergleichen haben, dann liegen Sie mit diesem Werk sicher nicht verkehrt. Deutliche Empfehlung.

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… wurde ein weiterer Mietvertrag für eine Wohnung in Hamburg unterschrieben. Was erstens fast ein Wunder ist, wie alle wissen, die den Hamburger Wohnungsmarkt kennen. Und womit zweitens der erste Sohn offiziell als flügge zu gelten hat.
Und womit ich nach, nun, geradezu unanständig vielen Jahren endlich wieder ein eigenes Zimmer habe. A room of one’s own. Vielleicht ist es aber auch ein klarer Fall von „Reduce to the Max“. Ein Werbeslogan, der mich immer schon ungewöhnlich direkt angesprochen hat. Aus naheliegenden Gründen: Immerhin komme ich darin vor, mit einer der vielen Varianten meines Namens.
Menschen mit Interesse an Werbepsychologie oder Werbeforschung, ich grüße an dieser Stelle die geschätzten Kolleginnen, möchten eventuell amüsiert zur Kenntnis nehmen, dass ich das Jahr des Erscheinens dieses Slogans gerade einerseits noch recht gut einordnen konnte, dass ich andererseits aber nicht mehr sicher war, um welches Produkt es damals (1998) eigentlich ging, also abgesehen von mir. Und dass ich auch nach dem Nachlesen keine rechte Erinnerung an das Produkt oder die Kampagne habe, vom Hauptslogan einmal abgesehen.
Es sieht also nicht allzu gut aus mit der Werbeerinnerung.

Ein eigenes Zimmer also. Ein weiteres Thema, bei dem ich nun entscheiden kann, muss oder will, was ich eigentlich möchte. Und wie ich so bin. „Get to know me!“, wie es in einem alten und berühmten Saturday-Night-Sketch hieß.
Was mir, wie neulich beim Text über das Bild, schon in Anfängen gelang. Aber es ist, wie wir im Büro sagen, definitiv noch work in progress. Es gibt Spiegel in diesem Zimmer, sogar komfortabel neben dem Schreibtisch. Ich kann beim Tippen also ab und zu ohne Verrenkungen hoch- und dort hineinsehen, es ist ein wenig, als würde ich neben mir sitzen. Und dann kann ich, wenn ich mich da neben mir erblicke, je nach Stimmung und Lage erst einmal zwischen zwei naheliegenden Sätzen wählen, um in den Dialog mit mir zu kommen.
Denn ich kann, wenn ich mir selbst wieder einmal zerforschend nachspüre, etwa mit einer Frage beginnen, während ich grübelnd in den Spiegel sehe: „Was bist du denn für einer?“
Ich kann aber auch, wenn ich gerade in eher munterem Schwung bin und etwa an der Tastatur zu wissen meine, was ich da und warum eigentlich mache, wenn ich das vielleicht sogar gut finde, was ich da so treibe, mit einem munteren Statement anfangen, während ich kurz zur Seite sehe und mich dort wahrnehme: „So einer bist du also!“
Bei all dem habe ich natürlich Delphi, Apollon und auch Kant im Kopf, apropos bürgerlicher Bildungsballast, nicht wahr:
Aber wie auch immer.
Ich mache jedenfalls gründlich und oft die Tür hinter mir zu, und es ist mir ein Fest. Jedes Mal! Was vermutlich in dieser Ausprägung nur diejenigen Menschen wirklich verstehen können, die das Thema Familie lange und intensiv genug in einer viel zu kleinen Wohnung durchgespielt haben.
Sohn I aber zieht in das nächste Kapitel, nicht ohne mit weisen Werten begleitet zu werden, wie sich gewiss von selbst versteht.
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