Ein Highlight, die Haseldorfer Marsch und eine Einkaufsempfehlung

Ein weiteres Highlight gab es, das erneut auf die schwindende Distanz zwischen Satire und Wirklichkeit zu verweisen schien. Und welches wieder belegte, dass wir kollektiv dem Irrsinn zutreiben oder auch längst alle darin ein prima Biotop gefunden haben. Vermutlich geht es mittlerweile bei solchen Fällen eher um die letztgenannte Option, nehme ich an.

Bei einem meiner Versuche jedenfalls, einen der wenigen verfügbaren Arzttermine in dieser Stadt zu bekommen, wurde mir an einem Empfangstresen in einer Praxis eine Terminmöglichkeit am nächsten Tag benannt. Also in spektakulärer zeitlicher Nähe! Es war eine Option, welche ich dann freudig und selbstverständlich sofort bestätigen und buchen wollte – aber nicht konnte. Wie mir das Personal dann mit sparsam eingesetzter Freundlichkeit erklärte, denn dafür, so hieß es dann, müsse ich jetzt erst nach Hause gehen und mir diesen Termin dann online sichern. In der Praxis, so wurde weiter erläutert, ginge das nicht mehr. Oder, versteht sich, mobil übers Handy, das ginge auch, selbstverständlich.

Aber mit dem Handy hatte man wieder keinen Empfang in dem Gebäude und ich hätte mir auch erst die verdammte App … von den Login-Daten ganz zu schweigen.

Wie auch immer, der Nächste bitte.

Da steht man dann in so einer Situation, guckt womöglich etwas dümmlich und überlegt vielleicht, so wie ich, wer hier gerade den Verstand verliert. Ob nur man selbst oder doch vielleicht alle anderen.

Und was jene Menschen in solchen Fällen eigentlich machen sollen, die gar nicht online sind, das kann man sich allerdings auch einen Moment überlegen. Denn ich zumindest habe solche Menschen noch in der Familie. Und so wenige sind es insgesamt auch gar nicht, wir hatten das Thema neulich schon einmal. Es sind immerhin ein paar Millionen in diesem Land, das ist kein so kleiner Anteil der Bevölkerung. Man hat diese Menschen nur oft nicht parat, weil sie uns, haha, online nicht so auffallen.

Ich humpelte nach Hause, was sollte ich auch machen, und buchte mir den so verlockend nahen Termin. Immerhin erfolgreich. Es ist nicht alles schlecht.

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Blick über die Kleine Alster an den Rathausarkaden

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Davon abgesehen rahmte ich mir einen Druck. Stieg ich in wilder Abenteuerlust, vielleicht aber auch, siehe oben, eher schon im wilden Wahn, trotz des kaputten Fußes auf einen Stuhl, hämmerte ich einen Nagel in die Wand und hängte ich mir dann endlich ein Bild auf, das mir an dieser Stelle wirklich zu passen schien. Weil mich mit dem Künstler einiges verbindet, weil das Motiv mir wohlig heimatlich vorkommt und weil mir die Stimmung zusagt, auch Farbe und Wirkung: Die „Haseldorfer Marsch“ von Horst Janssen, aus dem Jahr 1978.

So sieht das Bild aus, und ich mag es sehr.

Ich kenne die Haseldorfer Marsch allerdings gar nicht aus eigener Erfahrung, ich war dort noch nie. Ich sah mir vor dem Kauf des Bildes Fotos aus der Gegend an, ich las auch nach, wo genau sie ist (der Wikipedia-Artikel enthält übrigens den ungeheuren Begriff „Allerkindleinsflut“, man möchte sofort passende Prosa dazu verfassen).

Gegenüber von Stade liegt sie an der Elbe, diese Marsch. Also in der Gegend, in die ich ohnehin demnächst einmal wollte. Und sie sieht, auch auf den online gefundenen Fotos, verbindlich norddeutsch aus, das passt schon.

Da könnte ich, auch genau auf diesem Weg, den Janssen da gekonnt abgebildet hat, entlanggehen und mich im weitesten Sinne wie in meiner Gegend fühlen. Das finde ich gut, das so an meiner Wand zu sehen.

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Blick über die Binnenalster Richtung Jungfernstieg

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Der Dienstag, der ansonsten eher betrüblich und auch unangemessen anstrengend ausfiel, er wurde davon abgesehen deutlich aufgeheitert durch eine freundliche Meldung, welche mir ein Online-Shop auf das Smartphone schickte: „Basierend auf deinem letzten Einkauf glauben wir, dass dir auch Müllbeutel gefallen könnten.“

Alles wissen diese Algorithmen nämlich über mich, einfach alles. Und gut kümmern sie sich um mich. Doch, doch.

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Blick über die Binnenalster am Ballindamm entlang

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Ein Kommentar

  1. Ein Bild von Horst Janssen ist immer eine gute Wahl!
    Und die Haseldorfer Marsch lohnt einen Ausflug. Es ist schon einige Jahre her, dass ich dort zuletzt gewesen bin und nach einem Deichspaziergang mit Kreuzen von Schafherden, an einem kleinen Strandabschnitt gegenüber der Elbinsel Lühesand in der Elbe gebadet habe.
    Leider schon vorbei ist die Hoch-Zeit der dort besonders geschätzten und geschützten Schachbrettblume, für die alljährlich im April das Hetlinger Schachbrettblumenfest veranstaltet wird: ein sehr eindrucksvoller Augenschmaus.

    Was stimmt denn boß mit dem Personal der Praxis nicht? Die hätten doch sicher die Möglichkeit gehabt, Sie an Ort und Stelle ins System zu bringen.

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