Der 31. Mai. Dann erleben wir, wenn uns nicht heute noch der Himmel auf den Kopf fallen sollte, morgen den 1. Juni. Was sich, wie auch schon in den letzten etwa zehn Jahren, leicht surreal anfühlt. Weil der gefühlte Monat dann abweichen wird, weil der Mai auf eine seltsame Art zu kurz war, der Frühling überhaupt. Verschlankt wie ein Februar kam er daher, dieser Mai, in einem Augenblick war er schon vorbei. „One minute you‘re here, one minute you‘re gone“, wie es Bruce Springsteen für uns gesungen hat.
Allerdings ist das aus einem ausdrücklichen Herbstlied („I lay my penny down on the rails as the summer wind sings its last song”) und passt also zu dieser Monatswende nicht recht. Nur den Songtitel kann ich zur Verdeutlichung der aktuellen Zeitangaben verwenden. In Melodie und Text ist es aber ein verdammt gutes Herbstlied, man kann es sich vielleicht schon einmal vormerken für den September oder Oktober (YouTube-Link).
Zu den nächsten Wochen habe ich merkwürdigerweise spontan nur einen Song im Kopf, der diesen Monat im Titel trägt. Es ist ein Klassiker, den wir alle mitsingen können, es ist Rio Reisers Lied vom Junimond. Wenn man bei der verlinkten Wikipedia nachliest, stößt man (vielleicht unvermutet) auf deutsche Geschichte, auf eine bekannte Politikerin. Und man findet auch etliche Cover-Versionen, die man sich sämtlich anhören könnte. Aber natürlich nicht muss.
„Die Welt schaut rauf
Zu meinem Fenster …“
So fängt es bekanntlich an. Ich aber stehe am Küchenfenster und sehe hinunter, während ich in aller Dezenz diese eingängige Melodie mitsumme. Für mich kommt diese Zeile nicht hin, kein Mensch guckt hier zu mir hoch. Sehr selten kommt das nur vor, dass jemand mich am Fenster wahrnimmt, dass ein Blick mich streift. Ein Blick, der vielleicht nach einem brummenden Hubschrauber am Himmel sucht oder nach einer schreienden Möwe. Wenn dieser suchende Blick einem Kind gehört, dann winke ich freundlich. Und dann winkt das Kind meist auch zurück. So viel Bullerbü darf es hier geben.
Ich stehe also am Küchenfenster und sehe hinunter auf die Welt. Manchmal, es kommt auf die Stimmung an, sehe ich auch auf sie hinab, aber das gibt sich dann schnell wieder. Hüte dich vor der Hybris, man sollte sich an seine Regeln halten.
„Hallo Freunde, ich bin der Beobachter.“ Das kommt als Textzeile für mich viel besser hin, wenn es um mein Stehen am Fenster geht, um mein Hinaussehen, das beschreibt die Situation treffender. Aber das ist nicht von Rio Reiser, das ist aus einem Lied von Rocko Schamoni.
Wissen Sie noch?
Ansonsten kommt der Juni, wie mir noch einfällt, bei Simon & Garfunkel vor. In dem Lied „April, come she will“, in dem die Liebe eines Mädchens oder einer Frau sich mit den Monaten verändert: „June, she’ll change her tune“.
Seit einer gefühlten Ewigkeit kenne ich dieses Lied schon, kenne ich auch diesen simplen Text. Den ich selbst als Schüler schon verstehen konnte. Aber nie habe ich mich gefragt, was das eigentlich heißen soll, dass sie im Juni ihre Melodie ändert. Jetzt erst sehe ich (Wikipedia), dass Paul Simon da eine Variation zu einem englischen Kinderreim geschrieben hat. Ein Kinderreim, der das Verhalten des Kuckucks beschreibt, der im Juni tatsächlich seinen Gesang ändert (Wikipedia).
Was ich nicht gewusst habe. Da kann man einmal sehen, wie nützlich solche Kinderreime sind. Dann weiß man nämlich Bescheid, wenn man das alles so aufsagen kann. Dann weiß man auch, dass der Kuckuck im August wieder nach Afrika abreist („August – die she must“, heißt es bei Paul Simon).
Immer alles nachlesen, ich sage es ja.
Aber apropos abreisen. „Nothing I do is gonna make the difference,
so I’m taking the time.” Das wiederum singt Chris Rea. Und ich wiederum sang es, gerade in beruflicher Hinsicht, vielleicht einen Tick zu engagiert mit in der letzten Woche, ich fühlte mich ein wenig zu sehr verbraucht. Daher sehe ich morgen nach der Arbeit doch einmal nach, was es mit mir und dem Meer gerade auf sich hat. Es gibt immerhin Lebensthemen, bei denen schadet ein regelmäßiges Update nicht.
So zwei, drei Tage lang werde ich dem nachgehen, um mir für die nächste Zeit wieder sicher werden zu können. Und ungeachtet des eher grausigen Wetterberichts gehe ich dem nach, denn am Strand liegen möchte ich eh nicht. Unter einem Regenschirm auf einer Mole – das bildet mich ohnehin besser ab, wie man heute sagt.


Ich bin noch nicht sicher, ob ich bei diesem Kontrollbesuch, bei dieser kleinen, in der zeitlichen Erstreckung recht bescheiden ausfallenden Auszeit auch bloggen werde. Falls nicht, geht es hier am nächsten Wochenende weiter. Aber vermutlich kann ich es doch wieder nicht lassen, Sie kennen das.
Und es gibt Süchte, die gehen klar, denke ich.
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