Antreten zum Wochenbeginn

Ich hatte mich neulich in diesem Text mit der Rechtschreibung und vor allem mit fehlenden Bindestrichen befasst, das fand sogar ungewöhnlich viele Leserinnen. Passend dazu hörte ich gerade einen Podcast der Zeit, der Sie dann folgerichtig auch interessieren könnte. Aus der Reihe „Woher weißt Du das?“ nämlich die Folge „Wozu Rechtschreibung, wenn KI jetzt alles korrigiert?“ (47 Min.) Ein Interview mit dem Linguisten Simon Meier-Vieracker, sicher vielen von TikTok, Instagram etc. bestens bekannt.

Darin werden etliche Aspekte rund um die Rechtschreibung angesprochen. Bis hin zu dem seltsamen Umstand, dass die Fehler von Frauen stärker beachtet werden als die von Männern. Fand ich alles hörenswert.

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Falls Sie aufgrund der Nachrichtenlage in den letzten Tagen von diesem Jahr mittlerweile endgültig genug haben, was ich durchaus nachvollziehen könnte, denn wer könnte es nicht: In der Buchhandlung sah ich am Sonnabend ein neu aufgestelltes Hinweisschild: „Die Kalender 2027 sind da.

Mit anderen Worten, dieses Halbjahr geht auch vorbei. Es ist zwar in der Regel und nach aller Erfahrung nicht so, dass mit dem nächsten Jahreswechsel mildernde Umstände oder gar reihenweise Glückslose verbunden sein werden. Aber da sich der Alltagsmythos, ein frisches Jahr habe etwas von „Neues Spiel, neues Glück“ doch hartnäckig hält und vermutlich weiterhin trotz aller Irrationalität als tröstlich und hilfreich empfunden wird, können wir das immerhin zum Vorausdenken im Sinn behalten. Man muss sich in diesem Zusammenhang auch nicht rationaler als der Rest der Welt verhalten, nehme ich an. Wozu sollte es dienen.

Zur Nachrichtenlage schrieb ich ansonsten vor drei Tagen an anderer Stelle, was auch hier noch einmal zitiert werden kann, wegen bleibender Gültigkeit:

„Die Nachrichtenlage weckt wieder aus dem Familienleben bekannte Gefühle: Man möchte das alles am liebsten kurz und ruppig aufräumen. Man möchte einmal flott die nähere Zukunft durchregeln und dann noch ein paar klare Ansagen zur generellen Lage machen.

Wie so ein angefressenes Elternteil, das sich in gebotener Eile durchs Chaos im Kinderzimmer fräst und dabei laut knurrend pädagogisch Wertvolles befindet.“

Denn es war wieder so eine Woche, also die letzte, in der nicht nur ich dermaßen angewidert von diversen Entwicklungen war, dass es geradezu körperlich wehtat. Es reicht einem allmählich mit dieser Wirklichkeit, man möchte sie ob ihres Verhaltens ungewöhnlich scharf verwarnen, und das ist noch milde gedacht und gesagt. Diese erschreckend missratene Wirklichkeit, die sich immer weiter fatal zu entwickeln scheint.

Ein Sticker, von Hand beschriftet: "If only closed minds came with closed mouths."

Wie jemand, der zusehends auf die schiefe Bahn gerät, dabei noch Fahrt aufnimmt und partout keinen guten Rat hören will – man kennt das Verhalten so auch aus Familiengeschichten.

Und man steht mit steil erhobenen Augenbrauen daneben, warnt immer weiter und sieht zu, ein wenig auch wie beim Unfall auf der Autobahn. Man sieht zu und voraus und wehe, wehe … Aber wir trauen uns kaum noch, auf das Ende zu sehen, wenn wir ehrlich sind.

Man sieht nicht recht, wie man noch gegensteuern könnte. Es ist ein wenig wie ein Rätsel, das wir einfach nicht lösen können. Aber egal! Alles dennoch machen. The week 28 expects that every man will do his duty. Frauen sind diesmal mitgemeint, eh klar.

Auch wenn sie es historisch keineswegs waren, damals vor Trafalgar.

Nachtrag: Direkt nach dem Verfassen dieses etwas mindergelaunten Textes griff ich zu einem Buch, hauptsächlich um nicht schon wieder irgendwo versehentlich Nachrichten mitzubekommen. Den „Billy Budd“ von Melville nahm ich mir vom Nachttisch, eine überfällige Bildungslücke zu schließen. Deutsch von Richard Moering, in der Diogenes-Ausgabe versehen mit einem Essay von Albert Camus. Da ahnt man dann schon, heiterer wird einen dieses Buch auch nicht stimmen. Ansonsten wusste ich aber nichts über den Inhalt der Novelle.

Wer aber tritt ebenso prompt wie unerwartet in dem Buch auf? Auf welches Zitat wird wohl gleich in den ersten Kapiteln Bezug genommen? Genau, der olle Nelson, genau, der berühmte Pflichterfüllungssatz von Trafalgar.

Ich halte also noch eben fest: Wohin auch immer die Wirklichkeit sich entwickelt, der sinnstiftende Zufall scheint zuverlässig mitzureisen. Immerhin.

"Billy Budd" als Diogenes-Taschenbuch

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