Reinlesen, Behalten und Weggeben (9)

Aus dem öffentlichen Bücherschrank nahm ich neulich einen Band von W. Somerset Maugham mit: „Die halbe Wahrheit – Keine Autobiografie“. Deutsch von Matthias Fienbork. Im englischen Original erschien das Buch mit dem deutlich anderen Titel: „The summing up“, der besser passt.

"Die halbe Wahrheit"

Das Buch ist bei Diogenes noch lieferbar. Auf der Verlagsseite wird die NZZ mit einer Rezension zitiert: „Brillant-lakonische Beschreibungen, spitzzüngige (Selbst-)Ironie und trockener Humor machen ›Die halbe Wahrheit‹ zum ganzen Lesevergnügen.“

Dem kann ich mich gerne anschließen. Und die Bescheidenheit in der Selbstdarstellung kann man dem Autor wohl abnehmen, die wird vermutlich keine gekonnte Inszenierung sein. Die gelegentlichen Abweichungen davon nimmt man außerdem amüsiert zur Kenntnis. Wenn er z. B. doch nicht ganz umhinkann, seine besonders auffällige Sprachbegabung zu erwähnen. Und dabei etwa wie nebenbei erzählt, wie er einmal Russisch gelernt habe – aber nicht viel und nicht allzu intensiv: Nur gerade genug, um Tschechow zu lesen. Okay …

Wenn man dann noch weiß, dass er das Buch im Alter von 64 Jahren geschrieben hat, ergibt sich für das Werk auch die passende Geschenkzielgruppe. Nämlich all jene in diesem Land so überaus zahlreichen Menschen kurz vor dem Ruhestand, nach Möglichkeit mit Interesse an Kultur und Literatur. Und vielleicht auch etwas an Philosophie, die besonders gegen Ende des Buches angemessen viel Raum einnimmt.

Aber es bleibt auch bei philosophischen Resümees immer weiter eindeutig Somerset Maugham, der hier schreibt. Da kommen dann selbst die schwersten Themen in gut genießbarer Ausführung daher, denn er kann einfach nicht anders: Er schreibt immer gut lesbar.

An einem der vielen Hitzetage habe ich es mit großem Vergnügen gelesen und dann gleich wieder durch den knappen Schatten des frühen Nachmittags in den Schrank zurückgetragen.

Damit es weitere freundliche Aufnahme bei anderen findet.

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