Safety Joe

Der Übergang von der Urlaubswoche zum nächsten Brotjobzyklus fiel mir schwer, noch deutlich schwerer als sonst. Ich ging daher morgens zu ungewohnter Uhrzeit spontan noch einmal runter zur Alster und eine Stunde durch die Gegend. Quasi auf der Flucht, aber natürlich chancenlos. Es geht bei mir auch gar nicht darum, dass der Job so furchtbar wäre, andere Menschen machen fraglos Schlimmeres durch. Es ging eher darum, dass ich mit mir und meiner Freizeit so hervorragend klarkomme.

Spiegelung von Lichtern im Wasser der Alster

Ich habe keine Variante von FOMO, die mich seelisch benagen würde. Ich habe etliche Interessen, ich kann mich sehr gut selbst beschäftigen, und meist will ich das auch. Wenn ich das aber einmal nicht will, kann ich auch problemlos die vielsagenden Raufaserbetrachtungen dort fortsetzen, wo ich beim letzten Mal aufgehört habe. Und auch das ist gut so.

Nein, nicht der Horror des Büros ist das Problem. Es geht eher darum, dass mich diese Berufstätigkeit viel zu viel Zeit kostet. Nämlich entschieden mehr, als ich ihr an Bedeutung zumessen kann. Das mag bei manchen Traumberufen anders sein, wie ich neidlos zugestehen möchte, ich aber habe einfach nur einen Job und kann ihn kaum als Herzenswunscherfüllung betrachten. Oder nur zu eher geringen Anteilen.

Spiegelung von Lichtern im Wasser der Alster

Spiegelung von Lichtern im Wasser der Alster

Spiegelung von Lichtern im Wasser der Alster

Nach diesem Job sind jedenfalls erschreckend wenig Stunden des Tages übrig für so essentiell wichtige Dinge wie etwa Spaziergänge, Mittagsschlaf, Schreiben, Lesen und Denken. Es kommt mir seit Jahren schon unpassend vor, wie diese Sache mit der Berufstätigkeit den Alltag rücksichtslos dominiert – und dabei ist es in meinem Fall schon Teilzeit, seit vielen Jahren sogar. Problem.

Im Urlaub aber habe ich mich ganz wie geplant etwas bewegt, und zwar zunächst innerlich. Das Problem an Binsenweisheiten, das wirklich Unangenehme und tendenziell wieder Demütigende an ihnen ist bekanntlich, dass sie eine hohe Trefferquote bezüglich ihres Wahrheitsgehaltes haben. Das gilt selbstverständlich auch für Fragen der Lebensführung. Wenn man etwa zur großen Überraschung des Freundeskreises Overthinking auch nach Monaten nicht einmal Ansätze von Lösungen für den Clusterfuck seines problembeladenen Alltags findet, dann kann man das mit dem Herumdenken auch einmal etwas gründlicher herunterfahren und vielleicht lieber mehr im Draußen machen.

Dort Anteil nehmen und teilnehmen. Szenen, Dinge und Umstände außerhalb von einem wieder mehr beachten, Neues bemerken, andere Menschen auch, so etwas.

Man will schließlich nicht enden wie Safety Joe, von dem John Prine hier so sympathisch lachend singt.

In diesem Sinne bin ich jedenfalls vergleichsweise zufrieden mit mir und der letzten Woche, und ich habe gerade in einem Personalgespräch mit mir selbst meine Bemühungen immerhin freundlich gewürdigt.

Und dieses Immerhin ist gar nicht so klein, denn so oft würdige ich meine Bemühungen nicht. Mehr so harter Hund, was das angeht, wenn schon sonst nicht.

Okay. Im Oktober die nächste Urlaubswoche. Weiter üben, der Mensch braucht Ziele.

Spiegelung von Lichtern im Wasser der Alster

Spiegelung von Lichtern im Wasser der Alster

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