Unzusammenhängendes

Zunächst zwei Bemerknisse vom Wochenende, die nichts miteinander zu tun haben. Erstens sah ich beim Flanieren an der Binnenalster, genauer am Jungfernstieg, zwei jener Menschen, nach denen man die Straße einst benannt hat. Als dort noch unverheiratete Töchter ausgeführt bzw. eher zur Schau gestellt wurden. Zwei in diesem Alter, in denen man es sich auch als Vexierbild denken kann, ob man sie auf den ersten Blick erzählerisch eher als Mädchen oder als Frauen vorstellen sollte.

Es ist beides möglich, es liegt auch an Gesichtsausdruck und Haltung, was da gerade überwiegt. Aber wie auch immer sie sich halten, wie auch immer sie gerade gucken, verlässlich bleibt, dass die sie begleitenden Jungs definitiv eben das sind: Jungs. Die, es ist leider oft unvermeidlich in dem Alter, auch kleine Brüder sein könnten. So deutlich sieht man den Unterschied im Reifegrad.

Die Binnenalster mit Fontäne vom Jungfernstieg aus

Die beiden Mädchen, Frauen, was auch immer, sind einer Stadtmode gemäß mit hellen Trenchcoats und schwarzen Stiefeln ausgestattet. Was man hier gerade bei dieser Altersgruppe so häufig sieht, dass es auch eine Schuluniform der oberen Jahrgänge sein könnte. Die Gesichter aus der Sicht meiner Generation seltsam makellos und so wirkend, als seien sie in diesem jugendlichen Alter schon unter Permanent-Make-Up für die Ewigkeit gestaltet. Und zwar, keine Frage, professionell gestaltet.

Die beiden haben sich, was viele dort machen, Imbiss-Essen geholt. Sie setzen gerade an, die Styroporschalen zurechtzulegen, zu öffnen und zu sortieren. Da machen sie noch eben etwas, was ich hier notiere, weil ich sicher bin, es noch nie gesehen zu haben: Sie streifen sich routiniert wirkend Latexhandschuhe über, bevor sie die Pommes und etwas, das dönerartig aussieht, anfassen.

Das Dampfboot Sank Georg am Anlager Junfernstieg

Warum Pommesgabeln keine Option mehr sind, das weiß ich nicht, aber ich sehe jedenfalls staunend diese neuen Essmanieren. Und denke nebenbei noch, dass die begleitenden Jungs, welche nach alter und also roher Art enthemmt mit bloßen Händen Pommes in sich hineinschaufeln, vielleicht auch deswegen so bedröppelt gucken, weil die althergebrachte Annäherungsform der fortgeschritten flirtenden Art, der Angebeteten hilfreich nach dem Mahl die fettigen Finger abzulecken, nun auch nicht mehr zur Wahl steht.

Oder doch, sie steht natürlich noch zur Wahl, sie fällt unter diesen Bedingungen aber etwas seltsamer als früher aus. Zeiten, Sitten, dies und das.

Jungfernstiegufer an der Binnenalster

Jungfernstieg an der Binnenalster im Abendlicht

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Aus einem anderen Kontext, der leider ohne jede Komik daherkommt und mit der ersten Szene nur in Verbindung steht, weil man eine zeitliche und örtliche Nähe feststellen kann. Ich sehe auf dem Weg zum Bäcker wie immer diese eine Stelle an einer Straßenecke, an der ziemlich verlässlich ein, zwei Obdachlose lagern. Unter einem schmalen Vordach, eher unzureichend regengeschützt, aber besser als unter freiem Himmel.

Ich sehe dort aber nicht ein, zwei Obdachlose, ich sehe vierzehn Menschen, die dort sitzen, liegen, kauern, hocken oder stehen. Und vierzehn Menschen wirken doch deutlich anders als ein, zwei Personen, sie sind auf eine vollkommen andere Art auffällig.

Was ich nur notiere, um die langsame, aber unerbittlich stetige Dimensionsverschiebung des sozialen Elends hier zumindest nebenbei mitzuführen. Denn es gehört zum Leben im Stadtteil dazu. Und ist, das merke ich immer wieder, für Menschen, die das hier nicht kennen, manchmal nicht recht glaubhaft.

Gelegentlich sehe ich das Staunen der Touristen, je nachdem, wo ich sie antreffe und wohin sie gerade sehen. Gelegentlich merke ich über diese Spiegelung wieder, wie es hier manchmal aussieht und wirkt: schockierend.

Man muss nur weit genug weg wohnen, um es wieder so wahrzunehmen.

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Außerdem, es sind die kleinen Freuden, finde ich es ungemein erheiternd, dass die übersetzende KI aus dem Bundeskanzler nach wie vor merkelbedingt mit größter Selbstverständlichkeit eine Bundeskanzlerin macht. Weil der Job nun so heißt, ne.

Hier ein aktuelles Beispiel aus dem englischen Guardian.

Bundeskanzlerin Merz

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Eleni Mandell hatte vor Jahren bereits einen Song, der etwas verfrüht war, denn der globale Offline-Trend ist doch in diesem Jahr erst richtig großgeworden und ein allgemeines, sogar weltweites Thema. Aber wie auch immer, sie singt hier von alten Dingen, Handlungen und Szenen, sie ist eben oldfashioned.

Und wenn Sie Kontakt zu jungen Menschen haben, manche haben ja welche im Haushalt, dann können Sie beim Zuhören eben mitüberlegen, was davon eigentlich noch bekannt ist, noch nachvollziehbar, was noch gefühlt werden kann. Und dann ist man, finde ich, im Handumdrehen wieder beim Thema Epochenbruch.


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Ein Kommentar

  1. Zu den Handschuhen: Ich war kürzlich im Westen Chinas unterwegs. Dort haben wir neben der obligatorischen Packung Taschentücher zum Essen auch oft kleine verschweißte Päckchen bekommen ungefähr in der Größe einer Kondompackung. Die Haptik der Verpackung war jedoch gänzlich anders, da jeweils ein Plastikhandschuh ähnlich jenen an der Tanke enthalten war. Dort ist es also schon üblich.
    (Ich habe diese Handschuh-Päckchen in das onboard-Wekzeug fürs Gravelbike überführt: keine Dreckpfoten bei Kettenproblemen.)

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