
Am Mittag sah ich bei der Pausenrunde um den Block in der Hafencity beim Edeka die neulich beworbenen Notfallrucksäcke. Mit Kurbelradio, Solar-Powerbank, Esbit-Kocher und Gott weiß was. Zwei Exemplare davon standen da noch im Regal herum. Der mich begleitende Kollege konnte für sich jeden Bedarf verneinen. Er habe das alles eh schon zu Hause, hörte ich dann etwas staunend. Vielleicht hat er auch das Wort „längst“ verwendet.
Ich dagegen habe nur ein Erste-Hilfe-Set. Irgendwo haben wir es jedenfalls. Über dessen Verräumungsort müsste ich allerdings definitiv auch länger nachdenken, als es beim Verwendungszweck passend erscheinen kann. Aber das ist ein weiterer dieser Gedanken und eher vagen To-Dos, die ich unter S wie „Später, vielleicht, irgendwann“ abgelegt habe. Mich in dieser Hinsicht um irgendeine Prophylaxe zu kümmern, sehe ich prinzipiell ein. Aber was sieht man nicht alles prinzipiell ein, ohne daraus spontane Aktionen abzuleiten.
Man könnte ja zumindest Kerzen und Streichhölzer einmal auf Vorrätigkeit überprüfen, ohne es ansonsten bei dem unerfreulichen Thema gleich zu übertreiben. Dachte ich mir noch so.

Das war, wie gesagt, etwa mittags. Zwei Stunden später ging ich nach Hause, immer noch von nicht unerheblichen Rückenschmerzen belästigt. Gegen die aber anzugehen war, denn Gehen war bei mir bisher zumindest als Therapie vergleichsweise häufig erfolgreich. Es ist aber in jedem Fall anstrengend, mit lädiertem Rücken zu gehen, und da auch die Temperatur am frühen Nachmittag noch einmal stieg und der rettend kühlende Wind plötzlich nachließ, fiel der Weg nach Hause, den ich sonst schon wegen der zahlreichen Postkartenmotive auf der Strecke eher genieße, diesmal sportlich herausfordernd aus.
Ich war schon nach kurzer Zeit unangenehm durchweicht, wie es all die Menschen kennen, die am Abend um die Alster traben.
Ich ging dann aber, wiederum getrieben von einem energischen „Dennoch!“, sogar noch weiter als sonst, denn ich wollte auch gleich die Einkäufe erledigen, um danach an diesem Tag nichts mehr tun zu müssen. Den Supermarkt bei uns im kleinen Bahnhofsviertel erreichte ich mit Müh und Not, doch im Geschäft die Technik war tot.
Es war keine Kartenzahlung möglich, und zwar, wie ich dem aufgeregten Gerede von Kundschaft und Personal entnahm, nicht nur in diesem Laden, sondern wohl überall. Wobei ich dann bemerkte, dass erstaunlich viele Menschen gar kein Bargeld mehr dabei haben. Auch nicht die zehn, zwanzig Euro, die ich immer bei mir trage, für alle Fälle. Dies war aber ein anderer Fall, denn ich brauchte deutlich mehr, als ich für einen kleinen Schein bekommen hätte. Ich ging also unverrichteter Dinge nach Hause, wo es nun nichts Essbares geben würde, also zumindest nicht das, was ich im Sinn hatte.
Aber eine Dusche, die immerhin würde es geben, dachte ich noch, während schon die Meldungen von Katwarn und Nina kamen: Störungen in der Wasserversorgung. Rohrbrüche an Hauptleitungen, und zwar, es war etwas irritierend, gleich mehrere, verteilt im Stadtgebiet.
Es kam dann auch tatsächlich kein Wasser aus den Hähnen. Es war auch tatsächlich vergleichsweise wenig Ess- und Trinkbares im Haus. Und ich saß da also verblüfft in meiner Küche, unangemessen verschwitzt, überhitzt, erschöpft, derangiert und hungrig. Mit einer plötzlich wilden Lust auf kaltes, klares Wasser aus dem Hahn.
Wer auch immer das inszeniert hat: Respekt, das war deutlich.
Ich werde mich also wohl tatsächlich etwas mehr um Prophylaxe für Versorgungsengpässe kümmern, echtjetztmal. Zumindest, aber eben wirklich, später, vielleicht und irgendwann.
Unter S kann man immerhin auch „Spontan“ ablegen.

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