Im ehelichen Team diskutierten wir am Wochenende zwei bis drei Stunden lang administrative Komplikationen. Nein, Challenges, wie man heute eher sagt. Das liegt alles nicht im blogbaren Bereich, weist aber einen geradezu lachhaften Komplikationsgrad auf. Was man schon daran erkennen kann, dass mehrere Behörden dabei vorkommen. Die auch noch miteinander kommunizieren und zu einer Einigung kommen müssten. Die dies aber vorerst nicht tun, zumal es auch, um Gottes willen, um einen Sonderfall geht, sondern die beharrlich passiv-aggressive Botschaften an uns richten, mit dem Hinweis, die andere Behörde habe doch schon wieder oder, was aber ebenso schlimm ist, habe eben noch nicht … und da könnten sie dann eben nicht. Und ob wir bitte der anderen Behörde jetzt sagen könnten …

Es ist ein wenig wie mit streitenden Kindern. Eltern könnten das Muster erkennen.
Mir ist da ein für mich goldenes Zitat von Frau Novemberregen in Erinnerung. Es ist ein Satz, den sie in ihrem beruflichen Kontext einmal verwendet hat, es wird mittlerweile schon etliche Jahre her sein, aber er hat sich mir damals fest eingeprägt. Denn es ist ein Satz, den ich mir auch auf ein Kissen sticken lassen könnte. Es ging damals um Verhandlungen mit Zulieferern oder um Ähnliches, jedenfalls sagte sie da am Telefon, was man sich unbedingt merken und gelegentlich auch anbringen sollte, was ich auch hin und wieder tatsächlich bereits verwendet habe:
„Ihre internen Probleme interessieren mich nicht.“
Allerdings unterliegt die Verwendung solcher Zitate gegenüber Behörden gewissen Risiken, wie ich wohl annehmen muss. Und man hat, bevor man das geschickt und auftrumpfend in einer komplizierten Lage gegenüber staatlichen Organen anbringt, den eigenen Michael-Kohlhaas-Faktor und die weitere Eskalationsbereitschaft besonders gut zu bedenken.
Verwickelte Themen also, unübersichtliche Verwaltungsverwirrungen und lauter Sachverhalte, die sich keineswegs von selbst regeln werden. Die aber auch nicht den Eindruck erwecken, überhaupt geregelt werden zu wollen.
„Alles anzünden“, sagten wir irgendwann fast gleichzeitig, denn man ist nach zwei ehelichen Jahrzehnten doch hier und da erstaunlich synchronisiert, und wir sagten es in nicht eben gehobener Stimmung. Aber umgehend assoziierte ich unwillkürlich weiter. Ich sah das Angezündete in späterem Stadium vor mir und hörte im Geiste schon die kafkaesk anmutende staatliche Aufforderung, nach stattgehabtem Großfeuer nun bitte umgehend die Reste zu regeln, sich um die Rückstände zu kümmern und hinterher mittels Formular A38 Vollzug zu melden, nachfolgend Fristsetzung und Strafandrohung in etwas kleinerer Schrift.
„Admin of the ashes“, dachte ich dann, und es klang seltsam gut und sinnvoll.
Es wäre als Songtitel verwendbar, finde ich. Auch als Album-Name oder sogar als Bezeichnung für eine Band im eher trostlosen, etwas härteren Bereich der Popmusiksparten kommt es mir hervorragend geeignet vor. Ich sehe den Merch-Stand schon vor mir.
Zu einem Konzert von „Admin of the Ashes“ gehen bleiche Menschen mit Drogen- und Depressionsproblemen, das hört man doch sofort. Vielleicht trifft man dort aber auch einfach all die Menschen, die an den Komplikationen des Lebens vorerst gescheitert sind und es unfassbar satt haben, sich, ihre Familien sowie die Umstände und Entwicklungen aller Art in Sisyphos-Manier zu verwalten. Und die sich dabei, Camus verfluchend, beim besten Willen nicht als glückliche Menschen sehen können.
Sie kam mir übrigens immer schon äußerst zweifelhaft vor, diese Sache mit Camus, dem sich plagenden Sisyphos und dem Glück, aber das nur am Rande.
Auf einer Visitenkarte würde „Admin of the ashes“ allerdings eher an Bestatter erinnern, fällt mir auf. Das ist etwas schade.
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