Linkwerk zum Brückentag

Gesehen:

Dann habe ich doch noch zwei amerikanische Filme auf Netflix zu Ende gesehen. Weil ich sie schon angebrochen und dann fast wieder vergessen hatte, denn man kommt doch dauernd von allem ab.

Erst gab es „Die Dolmetscherin“ aus dem Jahr 2005. Ein mittelmäßiger Film von Sydney Pollack, mit Nicole Kidman und Sean Penn. Immerhin ein Film gegen diktatorische Umtriebe, es passte daher halbwegs in unsere Gegenwart. Von der Handlung her etwas mühsam verwickelt und allzu durchsichtig in der Auflösung, von der Liebesgeschichte her eher noch drunter und zu belächeln. Interessant aber immerhin, dass erstmals Filmszenen im Gebäude und auch im Sitzungssaal der UN gedreht wurden. Interessant vielleicht auch, dass Nicole Kidman für die Rolle Flöte spielen und Vespa fahren lernen musste, wie ich in der Wikipedia lese.

Es ist doch ein Beruf mit wahrhaft vielfältigen Weiterbildungsmöglichkeiten. Da kommt der gewöhnliche Excel-Aufbaukurs nicht ganz mit.

Vor allem fand ich aber Sean Penn interessant. Der meinetwegen nur sein Gesicht in die Kamera halten muss, denn es ist fast egal, was er dabei aufsagt: Es ist immer ein interessantes Gesicht. Nicole Kidman dagegen wirkte barbiehaft, wächsern und unbewegt, lediglich dekorativ. Letzteres immerhin erfolgreich, werden viele da sagen.

Kulturgeschichtlich am Rande sind noch zwei Aspekte bemerkenswert. Man kann zum einen darauf achten, wie sehr die Büros in diesem Film noch papierlastig sind, mit einem Offline-Schwerpunkt, den man deutlich sehen kann. Und kann dann auch selbst zurückdenken an das Jahr 2005. Wie war denn das, wie hat man da gearbeitet? Und wie unfassbar lange muss das also her sein?

Noch vor dem iPhone war das, das zwei Jahre später erst zur Welt kam. Gemeinsam mit Sohn I, was für mich nach wie vor eine der besten historischen Eselsbrücken ist. Den exakten Beginn des mobilen Zeitalters, den weiß ich nämlich jederzeit, den kenne ich, den kann ich streberhaft präzise benennen.

Zum anderen wirkt es aus heutiger Sicht, 21 Jahre später, doch recht merkwürdig, einen Film über das Schicksal eines afrikanischen Landes zu drehen, bei dem zwei Menschen die Hauptrolle spielen, die mit diesem Kontinent rein gar nichts zu tun haben. Und der Regisseur auch nicht. Sämtliche Figuren mit dunklerer Hautfarbe aber werden in Nebenrollen mit auffällig wenig Text verwiesen …

Das macht man heute eher nicht mehr, und das ist auch gut so.

Zum anderen sah ich „The Birdman“ (gibt es bei diversen Streamingdiensten) von Alejandro González Inárittu. Ein Film (Wikipedia), der diverse Preise völlig zu Recht gewonnen hat, mit einem Michael Keaton, dem man hinterher etwas Sonderapplaus zukommen lassen möchte. Dito Emma Stone. Gutes Drehbuch, starke Handlung, großartige Kamera und die für mich genau richtige Menge an Wirklichkeitsverlust im Alltag. Dazu ein fantastisches, mutiges Ende, ich war sehr angetan. Eine deutliche Empfehlung.

U-Bahnstation Hafencity Universität

Gelesen:

Johannes Kuhn denkt über einige popphilosophische Theorien zur großen Gereiztheit nach.

Das große Reisen beginnt ansonsten auch wieder, und bringt sogar Menschen zum Bloggen, die es länger nicht gemacht haben, aus teils sehr nachvollziehbaren Gründen. Frau Herzbruch ist über mehrere Texte hinweg in der Karibik. Was ich nur so pauschal benenne, um das lästige Sonderzeichen im genauen Reiseziel zu vermeiden, den mein Blog befindet bei diesem und auch bei ähnlichen Sonderzeichen verlässlich, dass es lieber nicht möchte.

Isa ist etwas mehr in der Nähe, nämlich in Split, und sie ist es ebenfalls über mehrere Texte und viele Bilder hinweg.

Der Korrespondent aus Luxemburg dagegen ist in St. Jean de Luz. Daran bin ich immerhin schon einmal vorbeigefahren! Wenn ich mir die Bilder im Blog ansehe, wären Aussteigen und Bleiben auch interessante Optionen gewesen. Aber gut, ich war damals nur Beifahrer, ich bin im Grunde also unschuldig am Verpassten. Auch mal schön.

Warum Männer sich nicht anziehen können“: Matthias Kalle schreibt in der taz über den deutschen Mann und seine Mode (via Kaltmamsell).

U-Bahnstation Hafencity Universität

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Gehört:

Eine Sonderfolge der Lage der Nation zum Thema China (1:49). Wenn Sie nur einem Link folgen wollen, nehmen Sie den, es ist die Hauptempfehlung des Tages. Informativ und erhellend. Wenn Sie vielleicht so wie ich eher wegwollen vom täglichen Nachrichten-Update, hin zu durchdachteren und vor allem ruhigeren Formaten, dann sind genau solche Sendungen das Ziel der Bemühungen, denke ich.

Sehr gut war außerdem die Lange Nacht beim Deutschlandfunk zum Thema „Die Last des Schweigens“, über die Folgen der NS-Zeit (1:59). Vermutlich war es sogar eine der besten Langen Nächte für mich bisher. Und ich könnte bei dem Thema auch Text anlegen, wie die vermutlich meisten Menschen in diesem Land und in meinem Alter. Aber es fehlt gerade leider die Zeit dafür. Vielleicht später noch.

Diese Sendung beim WDR hörte ich auch: „Fernweh – Sehnsucht nach dem Wegsein“ (18 Min.). Sie hatte mich mangels Betroffenheit gar nicht als Zielgruppe, aber ich höre ja ab und zu auch außerhalb meiner Interessenskomfortzone zu. Und nahm also amüsiert noch einmal zur Kenntnis, dass die beiden ebenso schönen wie für viele auch besonders wichtigen Reiseplanungsbeginnbegriffe „Fernweh“ und „Wanderlust“ beide auf Dichter zurückzuführen sind. Fürst Pückler-Muskau der eine, Goethe der andere.

Im Text der Sendung wird außerdem gesagt, dass keine andere Sprache einen Begriff für Fernweh hat, ob das stimmen kann? Gar keine andere? Da malte ich ein geistiges Fragezeichen an den imaginierten Rand.

Außerdem hörte ich ein historisches Interview beim ORF, ein Gespräch aus dem Jahr 1989 mit der Autorin Hilde Spiel (56 Min.), deren Erinnerungen ich gerade lese. Ein Jahr vor ihrem Tod entstand diese Aufnahme, 78 Jahre war sie da alt und klingt erheblich jünger sowie außerordentlich geistreich und auch damenhaft, im besten Sinne des Wortes.

In der Reihe Radiowissen hörte ich die Folge über Utopien, „Visionen einer besseren Welt“, 23 Min. Über Utopien schrieb ich damals auf dem Gymnasium das erste Referat, bei dem ich selbst recherchieren musste. Bei diesem Thema erfolgte also der Umstieg auf studienähnliche, „erwachsenere“ Lernformen, und es war ein geradezu feierlicher Akt. Ich hatte daher einen kurzen Moment erheblicher Strebsamkeit. Mit dem Ergebnis, dass ich vieles bis heute noch weiß, was sonst bei keinem der Themen aus jener Zeit der Fall ist.

Aber die Geschichte der Utopien – läuft bei mir, kann ich noch aufsagen.

Beim Musikpodcast „Interpretationssache“ hörte ich die Folge über „A whiter shade of pale“, 33 Min, und beim „Soundtrack meines Lebens“ die Folgen mit Ulrich Tukur (1:02).

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