Bilder heute aus der U-Bahn-Station Hafencity Universität (mit ohne Bindestrich, siehe vorgestern). An Hitzetagen fahre ich da manchmal hin, denn es ist eine Niedrigtemperaturstation. Ich setze mich dort zwanzig Minuten auf eine Bank und sehe dem Wechselspiel der Beleuchtung zu. Es ist so kühl da unten, dass einem nach einer Weile fast kalt wird, wenn man nur die übliche Bekleidung für Hitzetage trägt. Man fröstelt glückselig erschauernd. Über einem wird es blau, dann lila – es ist eine liebevoll getrickste Nordlichterfahrung für das kleine Budget, für schnell einmal zwischendurch.
Ich liebe es.

Gesehen:
Eine weitere Film-Doku bei arte, diesmal über Johnny Depp. Wobei ich eventuell der einzige Mensch auf der Welt bin, der diese Prozessgeschichte mit Amber Heard nicht verfolgt hat. Ich habe es gerade in einer Zusammenfassung überflogen, das war mir schon unappetitlich genug.
Und dann noch eine Doku aus der Reihe, über Ulrich Tukur, wieder mit einem besonders furchtbaren Titel. In diesem Zusammenhang sah ich auch den Film „Und wer nimmt den Hund?“, mit Martina Gedeck und Ulrich Tukur. Die Dreharbeiten dazu kommen in der Doku am Rande vor. Der Film ist nicht einmal annähernd so flach, wie man beim Titel vielleicht denken könnte. Schon gar bei einem deutschen Film.
Dann sah ich noch etwas Seltsames, was dann doch wieder aus den USA war: Blue Jay von Alex Lehmann (Netflix). Ein schwarzweißer Film, ein kleines Beziehungsdrama ohne spektakuläre Handlung mit einem deutlich anderen Timing der Schnitte, als es heute üblich ist. In sieben Tagen und ohne Skript wurde das gedreht, so heißt es in der Wikipedia. Dieser Film hat mir auch gefallen.
Gefreut habe ich mich außerdem über „Perfect Life“. Eine spanische Serie auf arte in zwei Staffeln, die meinem Interesse an europäischen Produktionen entgegenkam. Viel Schönes dabei! Beim Stern hieß es:
Schließlich war die Frankenstein-Verfilmung von Guillermo del Toro (erfreulich nahe am Buch) aus dem Jahr 2025 ein Fall von: Das wäre im Kino wohl besser gewesen. Einige der Bilder hätten doch eine große Leinwand verdient gehabt, da hatte jemand Spaß an Ausstattung, Kostümen, Kulissen und Blickwinkeln. Läuft gerade auf Netflix.
Hier eine interessante und üppig bebilderte Rezension zum Film beim SWR, mit filmgeschichtlichem Rückblick.

Gelesen:
Vor lauter Buchkonsum kam ich nicht zum Onlinelesen. Das ist dann, wunderbar passend zum Halbjahr, vorerst der Höhepunkt des weltweiten Offline-Trends bei mir. Ich nehme doch an, ich darf mir jetzt das entsprechende T-Shirt kaufen?
Ich las jedenfalls ein Buch aus dem öffentlichen Bücherschrank, den Ovid-Roman von Christoph Ransmayr: „Die letzte Welt“ (hier Wikipedia, hier Verlag). Nicht ohne Begeisterung las ich das, ebenso angetan vom Thema wie von der Ausführung, und der Ruhm des Buches wurde mir dabei verständlich. Zunächst habe ich einfach reingelesen, wie man in einen Roman eben hineinliest, und stellte mich also auf die Zeit der Handlung ein. Ovid, Römisches Reich, wann auch immer genau.
Und dann wird da im Text auf einmal eine Bushaltestelle erwähnt, kurz darauf verglaste Fenster – ich hatte nicht damit gerechnet, aber diese historischen Verfremdungen, von denen es viele gibt, haben mir seltsam gut gefallen, ich kann nicht einmal genau sagen, warum. Die Vergangenheiten gehen mit der Gegenwart durcheinander, sind verwoben. Die Weberin Arachne kommt nicht umsonst im Buch vor.

Es gibt eine lustige Querverbindung, die dem eher weihevollen Teil des Feuilletons vielleicht nicht recht wäre, nämlich zu aktuellen Serien wie etwa „The Great“. In denen ebenfalls betont spielerisch mit der Geschichte umgegangen wird. Ein Aufbrechen der Wirklichkeit und der trockenen Gewissheiten, mit dem ich gerade heftig sympathisiere.
Da mir aber Ovid und seine Metamorphosen, um die es doch im Kern geht, nicht mehr geläufig genug waren, las ich erst einmal etwas nach, soweit bildungsbürgerlich beflissen wie eh und je. Allerdings las ich „nur“ die deutsche Version. Das Latinum ist zwar vorhanden, möchte aber nicht strapaziert werden, wie es mir umgehend ausrichtete, als ich in einer Buchhandlung kurz und dann bald ratlos ins Original sah.
Wir wollen nicht übertreiben, nicht wahr, es gilt doch überall.
Außerdem riss ich mich fast unmenschlich konsequent zusammen und las nicht tausend Sachen über die griechisch-römische Mythologie nach, denn dann hätte ich für den Rest des Jahres damit zu tun gehabt. Leicht war es aber nicht, wie alle Menschen mit Neigung zu Spezialthemen sicher verstehen werden.
Nur kurz möchte ich daher auf dieses Foto „Philemon und Baucis“ von Dieter Matthes hinweisen, falls sich jemand fragt, ob denn die Themen der Mythen (hier die historische Geschichte mit Philemon und Baucis) heute überhaupt noch lebendig sind? Da sitzen sie immer noch, die beiden Alten.
Und das hier haben schon alle irgendwo verlinkt, aber für die Letzten, die es nicht mitbekommen haben: Schweden setzt wieder etwas auf Bargeld, denn „Digital reicht nicht immer“. Ich konnte wieder „Sag ich doch!“ beim Lesen murmeln.



Gehört:
Das Folgende könnte auch unter „Gesehen“ stehen, aber das Bewegtbild braucht man dabei wirklich nicht: Walther Ziegler erklärte mir in bewährter Manier den Gott der Nationalökonomie, Adam Smith. Und guck an, das wusste ich fast alles. Auch mal schön.
Dann gab es ein Zeitzeichen über Nostradamus (15 Min.).
Ferner eine Pflichtfolge Radiowissen für den Freundeskreis Buch und Bewahrung über die Bibliothek von Alexandria (23 Min.)
Und eine weitere Folge der gleichen Reihe über die Geschichte des Warenhauses (23 Min.). Es wird darin auch die Hortenkachel erwähnt, Menschen wie ich dürfen sich also wieder steinalt fühlen, wenn sie sich noch an diese erinnern. Die Hortenkachelfassade war für mich als Mensch aus Lübeck lange Zeit fest mit der Einfahrt per Zug nach Hamburg verbunden.
Wenn man die grau vor den Waggonfenstern aufragen sah, dann konnte man aufstehen und zum Ausgang gehen, das passte genau.
Neue Musik auf meinen Playlists: Sean Rowe mit Birds.
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