Meine Mutter gehört zu den digital Abgehängten, sie verfügt weder über ein Smartphone noch über einen internetfähigen PC. Sie will das alles auch nicht mehr, was ihr altersmäßig mit fast neunzig Jahren sicher auch zusteht, obwohl sie bemerkenswert lange mitgehalten hat. Aber irgendwann möchte man raus aus der Welt der ewigen Updates. Weg von den technischen Nachforderungen und den dauerhaften Lernpflichten für die Anwenderinnen von was auch immer. Ich bin erheblich jünger, aber ich beginne jetzt schon, es etwas unerwartet gründlich zu verstehen.

Diese digitale Abstinenz führt aber, wie schon mehrfach im Blog angesprochen, zu mehr und mehr Problemen, weil vieles nur noch online geht. Oder weil man doch zumindest mit Vehemenz in Richtung Online gedrängt wird. Als Kunde, als Gast, als Bürgerin etc.
Das naheliegendste Beispiel ist dabei stets die überall rückläufige Erreichbarkeit per Telefon, die sicher für alte Menschen bei Arztpraxen mit den gravierendsten Folgen verbunden ist. Sie kommen nicht mehr so leicht oder auch gar nicht zu Terminen, Kurzberatungen etc.
Das „gar nicht“ ist dabei kein hartes Kriterium im logischen Sinne, aber wenn man z. B. eher unklare Beschwerden hat und versucht, eine Ärztin zu erreichen, dies aber in vierzehn Versuchen misslingt, dann ist man vielleicht so genervt, dass man etwas nicht abklären lässt. Leicht vorstellbar, nicht wahr – und eine Woche später ist man tot. Um es drastisch, aber nicht abwegig auszudrücken.
Es gab bei meiner Mutter gerade eine behördliche Angelegenheit zu regeln, und sie hatte nach endlosen vergeblichen Versuchen tatsächlich einen Sachbearbeiter am Telefon erwischt. Aber einen, der nicht gerade bestens gelaunt war. Der ihre Fragen hartnäckig nur mit sehr drögen Ja/Nein-Varianten beantwortete. Er war übel gestimmt, er war vielleicht unterkoffeiniert oder zum unbeliebten Job am Telefon verdonnert worden, was auch immer da zutreffen mag.
Jedenfalls antwortete er derart monoton, dass meine Mutter misstrauisch wurde und ihn schließlich direkt fragte, ob er nicht am Ende eine KI sei. Er würde doch verdächtig danach klingen.

Diese Frage belebte ihn dann. Sie belebte ihn sogar sehr, und er bekam, was vermutlich der Lachanfall der Woche, wenn nicht des Monats für ihn war. Nach dessen Überwindung sie schließlich ein viel besseres und auch auf einmal lösungsorientiertes Gespräch in deutlich gehobener Stimmung führten.
Eine einfache Geschichte. Die allerdings einen Haken hat, wie Sie vielleicht auch gerade schon mitgedacht haben, so ausgefuchst, wie Sie alle hier sind.
Denn wir haben mittlerweile eine Stufe erreicht, in der wir einkalkulieren müssten, dass auch dieser so sympathisch wirkende Lachanfall programmiert worden ist. Bzw. dass er eine Lösungsstrategie ist, die einer KI vollkommen plausibel erscheinen kann. Schon deswegen, weil die dahinterliegende Logik ziemlich leicht zu greifen ist, dass der Mensch als dumpfes Säugetier gerne mal auf gewisse Schlüsselreize, die eher Emotionalklimbim sind und kaum logischen Wert haben, wunschgemäß reagiert. Wie etwa Lachen oder Weinen.
Ich nehme nun nicht an, dass es hier der Fall war. Es wird schon ein Mensch in der Leitung gewesen sein, was mir aber letztlich auch nur mein Gefühl sagt. Und die KI könnte an dieser Stelle zustimmendes Kichern vom Band laufen lassen, wenn man nur negativ genug denkt.
Aber es war doch ein Fall, bei dem mir noch einmal klarer wurde, wie wenig Sicherheit im Umgang mit diesen Fragen wir noch haben können. Ich empfehle dazu die aktuelle Folge des ARD-KI-Podcasts: „Wie klingt KI, wenn sie sich viel Mühe gibt?“. In der es nur um KI und Audio geht und bei der ich erst dachte, dass mich das nicht so interessiert, denn mit KI und Audio mache ich ja nichts. Als ob es darum gehen würde!
Denn wenn man es als Konsument mitdenkt, ist es doch erhellend, was da von Software geleistet werden kann. Man kann es auch als Warnung ruhig zur Kenntnis nehmen.
Fand ich dann.
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