Gelesen: Christoph Peters – Kommen und gehen, manchmal bleiben

Genau genommen stimmt die Überschrift so nicht, das habe ich gar nicht gelesen. Ich habe nur die ersten drei Geschichten versucht, die waren mir etwas zu kryptisch, und ich mag keine kryptischen Kurzgeschichten. Damit liege ich nicht gerade im Trend der Zeit, ich weiß, aber was soll man machen. Ich mag einfache Geschichten, bei denen ich verstehe, worum es geht. Womöglich bin ich doch etwas schlicht, ich vermute es ja seit Jahren. Immer, wenn ich beim abendlichen Lesen nach drei Seiten “Hä?” denke, komme ich mir doof vor, und um mir doof vorzukommen, brauche ich wirklich keine Bücher. Das Buch mag dennoch gut sein, nur eben nicht für mich.

Ich habe es im Hotel auf den Hummerklippen auf Helgoland ausgesetzt, sollte jemand in der Nähe und bedürftig sein, es liegt im Raum Friedrich Hebbel.

Zugabe, Zugabe

Ich muss dringend mehr vorlesen, und zwar den Söhnen. Erwachsenen lese ich bekanntlich auch gerne vor, aber da gibt es überhaupt keinen Zeitdruck. Geschichten von mir kann ich irgendwem irgendwann vorlesen, wann immer ich irgendwo zu einer Veranstaltung eingeladen werde, das passt schon. Aber bei den Kinderbüchern im Regal, da gibt es erheblichen Zeitdruck, wie ich gerade gemerkt habe.

Die Söhne haben ein verblüffend großes und volles Bücherregal im Kinderzimmer, das liegt auch daran, dass sie zu Weihnachten in wunderbarer Tradition Geschenke von den LeserInnen dieses Blogs geschickt bekommen, und das sind oft Bücher. Außerdem schicken ihnen manchmal Verlage etwas zu, und in unserem Stadtteil werden oft Bücher verschenkt und liegen zum Mitnehmen am Straßenrand, da kommt mit der Zeit etwas zusammen. Als ich sechs oder acht Jahre alt war, da gab es in meinem Kinderzimmer nicht annähernd so viele Bücher, wir hatten ja nichts. (Das von obligatorischem Krückstockfuchteln begleitete “Hat es uns geschadet!?” werden Sie sich an dieser Stelle schon selber gedacht haben, nicht wahr. Recht so.)

Ganz unten im Kinderzimmerbücherregal gibt es einen Sockelbestand an Bilderbüchern, für die beide Söhne schon zu alt sind, die aber doch noch geliebt werden und zum gelegentlichen Durchblättern vorhanden sein müssen, etwa die hier schon oft behandelte Riesenbirne von Jakob Martin Strid. Darüber gibt es Sachbücher, Was ist was und dergleichen, dann die Leselernbücher von Sohn I, mit denen fängt Sohn II gerade an, wie für kleinere Brüder typisch startet er früh damit. Daneben viele klassische Geschichte, also Lindgren, Krüss und Konsorten, sowie auch modernere Autoren, die ich noch nicht näher kenne. Und auf dieses Regal bezieht sich das oben erwähnte Alarmsignal, denn auf meine Frage, ob ich vielleicht mal Urmel vorlesen sollte, murmelte Sohn I mit der ganzen Lässigkeit des Achteinhalbjährigen: “Nee, dafür bin ich doch zu alt.”

Über das Urmel ist er schon weg, na klar. Wenn man bei Harry Potter und Superheldencomics und Starwars angekommen ist, dann zieht Urmel wohl nicht mehr richtig. Und wenn Sohn I schon darüber steht, dann will Sohn II das auch nicht, das ist naheliegend. Es sind aber noch eine ganze Menge Bücher ungelesen übrig, die ziemlich genau auf eine etwa sechs- bis achtjährige Zielgruppe passen, die müssen jetzt zügig abgearbeitet werden, bevor die Herren Söhne schon sieben und neun Jahre alt sind, was für sie dann gefühlt schon acht und zehn sein wird, also quasi fortgeschritten jugendlich, so läuft das heute doch.

Deswegen saß ich gestern mit den Jungs auf dem Bett und las gleich ein halbes Buch am Stück vor, manchmal muss man eben Strecke machen. Es gab “Angstmän” von Hartmut El Kurdi, mit Illustrationen von Karsten Teich. Ein Buch über die neunjährige Jennifer, die zum ersten Mal einen ganzen Abend und sogar eine Nacht allein zuhause verbringen muss, was eine prima Gelegenheit ist, um alle verbotenen Sachen zu machen, zu denen sie bisher noch nicht gekommen ist. Dummerweise bekommt sie etwas Angst, so ganz alleine in der Wohnung ist es doch seltsam, und das wird auch nicht besser, als sie jemanden im Wohnzimmerschrank husten hört. Das ist Angstmän, der größte Superheldenschisshase um Universum, der nur durch einen Fehler bei der Bedienung seines Teleporters im Schrank gelandet ist. Angstmän hat quasi vor allem Angst, am meisten aber vor Pöbelmän – und der ist leider auch nicht weit.

Die Geschichte ist perfekt für die Altersgruppe der Söhne, das macht Spaß und man kann zwischendurch hervorragend abschweifen und etwa selbst über verbotene Dinge nachdenken, die uns wirklich Spaß machen würden, so etwas gehört beim Vorlesen auch dazu. Wir wissen noch nicht, wie das Buch ausgeht, nach etwa der Hälfte können wir es aber alle drei eindeutig empfehlen.

Als ich das Buch zuklappte, rief Sohn I begeistert “Zugabe! Zugabe!”, Sohn II stimmte sofort ein. Ich saß minutenlang vor klatschenden und schreienden Kindern, die immer lauter Zugabe riefen. Das ist schon schön, so ein euphorisches Publikum zu haben, denn das hat man im Alltag leider nicht dauernd, dass so freudig aufgenommen wird, was man gerade anbietet. Solche Momente muss man sich ab und zu bewusst machen, dann mag man seine Familie gleich noch mehr. Ich habe mich darüber jedenfalls so gefreut, ich werde heute gleich den Rest des Buches vorlesen.

Und es hat meiner Freude auch nicht geschadet, dass Sohn II seinen großen Bruder irgendwann mitten im Jubel leise nebenbei fragte: “Sag mal, was ist eigentlich ne Zugabe?”

Gelesen: Tove Jansson – Das Sommerbuch

Deutsch von Birgitta Kicherer.

Tove Jansson kennt man vielleicht von den Mumins, das hier ist aber ein ganz anderes Werk. Das habe ich an den ersten beiden warmen Tagen des Jahres ziemlich schnell gelesen, quasi als literarischen Sommer-Trailer, kurz bevor es wieder aprilhaft abkühlte.

Ein Buch über eine Großmutter und ihre Enkelin auf einer kleinen, einer sogar sehr kleinen Insel mit einem natürlich auch kleinen Haus darauf. Es passiert nicht allzu viel, es wird ein wenig geredet, es wird ein wenig von Insel zu Insel gerudert, es wird ein wenig herumgegangen. Es findet viel Natur und Alltag statt, es sommert betont finnisch. Die Großmutter ist dabei keine übermäßig idyllische Person und auch schon ein wenig gebrechlich, die Enkelin kommt fast ohne kindliche Süße aus, daraus entsteht eine sehr wahrhaftig anmutende Konstellation, alle Kitschrisiken, die sich aus dieser Paarung ergeben, werden souverän umgangen. Am Ende ist man dann dennoch gerührt von dem Ganzen, das ist auch eine Kunst.

Ähnlich wie bei Brakker ist die Sprache klar und leicht, auch dieses Buch hat man schnell durch. Für den nächsten Inselurlaub unbedingt zu empfehlen.

Gelesen: Gerbrand Bakker – Birnbäume blühen weiß

Deutsch von Andrea Kluitmann.

Wenn man eines nicht sein möchte, dann Romanfigur bei Gerbrand Bakker. Was nicht gegen das Buch spricht, ich mag seine Bücher alle sehr. Aber man weiß, es wird in der Regel nicht gut gehen, man weiß, da wird wieder jemand in bemerkenswert klarer Sprache gen Untergang geführt, wie auch immer der genau aussehen wird. Griechische Tragödienkonstellationen im Alltag der Neuzeit, nein, das kann nicht gut ausgehen. Aber man kann vielleicht etwas lernen, dazu sind Dramen ja da. Na, zumindest im früheren Theater. Es geht um den Umgang mit Schicksalsschlägen, die Mutter verschwindet, der Vater hat mit den Söhnen einen selbstverschuldeten Autounfall, der nicht ohne fatale Folgen bleibt. Das ist harte Kost in einem ganz schmalen Band. Ich finde Bakkers Themen ganz furchtbar und sein Schreiben so gut, dass ich kein Buch von ihm auslassen kann.

Und, das ist auch bemerkenswert, ich habe erst nach der Lektüre mitbekommen, dass das ein Jugendbuch sein soll. Weder ist mir das ausgefallen, noch wäre ich je darauf gekommen. Ich finde es jetzt immer noch eher abwegig, aber das spricht am Ende auch für das Buch. Wirklich ein gutes und hartes Buch. Jugendbuch hin oder her. Und als Wartezimmerlektüre beim Kinderarzt vollkommen ungeeignet, by the way. Sohn I saß neben mir und las ein Lustiges Taschenbuch mit den Erlebnissen von Donald Duck, das war für Stimmung klar besser. Vorsicht bei der Buchauswahl!

Helgoland – Die Häuser

Helgoland

Man besucht Helgoland wegen des Meeres, wegen der Vögel, wegen der Robben und Seehunde, wegen der Ruhe, wegen der Luft. Man fährt vermutlich eher nicht wegen der Architektur hin, dabei ist das für Menschen mit Interesse an Kulturgeschichte und Städtebau absolut zu empfehlen.

Helgoland

Helgoland

Man sieht es beim ersten Besuch vielleicht gar nicht, weil man eben dauernd auf das Meer guckt, auf die Vögel, auf die Robben und Seehunde, in die Luft. Oder, wenn man es doch sieht, fällt es einem vielleicht gar nicht auf. Man übersieht es so leicht, dass man da durch eine Art Zeitkapsel geht, dass man auf einmal mitten in den 50er Jahren steht, in der Wiederaufbauphase der alten Bundesrepublik. Dass fast jedes Gebäude noch aus dieser Zeit kommt, weil die ganze – komplettt verwüstete – Insel damals in einem Gesamtverfahren neu bebaut wurde, dass es sich dabei um eine bis in jede Farbschattierung durchdachte Angelegenheit handelte (durchdacht übrigens von Georg Wellhausen). Eine Mustersiedlung nach historischem Straßenplan, fast ohne jeden Autoverkehr, ohne große Erweiterungsmöglichkeiten, mit ziemlicher spezieller Versorgung, unter extremer Windbelastung. Und das alles auch noch als sozialer Wohnungsbau – was für eine faszinierende Aufgabe.

Helgoland

Helgoland

Helgoland

Wenn man öfter auf der Insel ist, sieht man das bei jedem Besuch besser. Man sieht, was gemeint war, was daraus geworden ist, was geblieben ist. Wenn man Zeit hat, sollte man auch einmal abseits der Haupteinkaufsstraße durch die Gassen gehen und dem Plan ein wenig nachspüren. Das geht auch sehr gut bei schlechtem Wetter.

Helgoland

Helgoland

Helgoland

Helgoland

Helgoland

Helgoland

Helgoland

Helgoland

Helgoland

Helgoland

Helgoland

Hier ein alter Film aus den 60ern (übrigens voller deutscher Kopftuchfrauen), das ist schon beeindruckend, wie viele Häuser und Ansichten sich nahezu unverändert erhalten haben. Dank an Friedemann für den Fund.

Alles wird einfacher

Im Hotel auf den Hummerklippen auf Helgoland haben Isa und ich also zur Eröffnung abends gelesen. Isa hat natürlich aus “Der Pfau” gelesen, Vogelkundliches ist auf dieser Insel auch wirklich sehr naheliegend. Ich habe etwas gemacht, was ich noch nie gemacht habe, ich habe aus einem unfertigen Manuskript gelesen, eine geradezu nervenzerfetzend aufregende Angelegenheit. Ich bin so etwas wirklich nicht gewohnt, ich lese sonst immer gut abgehangene Texte, die schon mehrere Leute gut gefunden haben. Und weil jetzt in der Zeitung steht, dass da später ein Buch mit dem Arbeitstitel “Alles wird einfacher” draus werden soll, schnell zwei Anmerkungen zu diesem Artikel. Das noch fertig zu schreibende Buch spielt nicht auf Helgoland, es spielt nur immerhin teilweise auf Helgoland, ich habe eines der entsprechenden Kapitel gelesen. Es kommen aber auch zwei, drei andere interessante Gegenden auf dem Festland vor, denn im Gegensatz zu mir kommt die Hauptfigur etwas herum. Sie hat auch gar keine andere Wahl und gute Gründe, die Stadt zu verlassen, wobei ihr das erst einmal nicht viel bringt, aber egal. Und es soll 2017 nicht erscheinen, es wird, so sagte ich in gebotener Zurückhaltung, vor 2017 nicht einmal fertig, denn ich komme ja bekanntlich zu nichts. Das aber gründlich.

Kurz und klein

Gehört: Phoenix voran (Electric Nights von edel & electric)

Der Digitalverlag edel & electric hat die zweite Electric Night veranstaltet, wozu ich freundlicherweise eingeladen war. Das war ein sogenannter Blogger Book Pitch, mehrere BloggerInnen hatten jeweils zehn Minuten Zeit, ein Lieblingsbuch vorzustellen, hier ein ausführlicher Rückblick bei Sounds & Books.

Ich habe mich für einen Gedichtband von Peter Rühmkorf entschieden, “Haltbar bis Ende 1999”, und ich habe daraus also, noch so eine seltsame Premiere, ein Gedicht vorgelesen, “Phoenix voran”. Das habe ich nicht zufällig ausgewählt, das ist ein Gedicht, bei dem man ganz genau wissen kann, wie Peter Rühmkorf es betont hat, es gibt eine wunderbare Aufnahme davon, die ist bei mir seit Jahren eine Art Lyrikohrwurm.

Ich habe bei der Veranstaltung vorher auch noch kurz etwas über Lyrik gesagt, nämlich das:

In der Schule lernt man, Gedichte verstehen zu müssen. Nichts gegen die Schule, aber das ist natürlich grober Unfug.  An Gedichten soll man sich besinnungslos besaufen wie an Schnaps, man sollte sie einfach auf ex wegkippen, etwas atmen und auf die Wirkung warten. Und wenn nichts kommt, dann war es eben nichts. Dann braucht man noch eines. Ein anderes, ein stärkeres.

Nein, man muss Gedichte nicht verstehen.  Man will sie vielleicht verstehen, man kann sie manchmal auch verstehen. Und man versteht dann vielleicht sogar alles oder auch nur eine Zeile oder eine halbe, ein seltsames Wortgebilde, mehr nicht, und es reicht. Manchmal bewegt einen dabei insgesamt eher nichts, und manchmal wirft einen ein Halbsatz um, und dann war es wichtig und richtig.

Es gibt ein berühmtes und treffendes Zitat von Benn, Sie werden es kennen. Es geht eigentlich um Musik, aber es passt schon: “Es gibt Melodien und Lieder, die bestimmte Rhythmen betreuen – die schlagen Dein Inneres nieder, und Du liegst am Boden bis neun.”

Nur in diesem Sinne lese ich Lyrik, und in diesem Sinne kann man besonders gut Peter Rühmkorf lesen. Und nein, man muss ihn nicht verstehen.

12 & 2 & Hummerklippen

Wie immer am 1. April wird dieses Blog wieder ein Jahr älter, ich erzähle jetzt aber nicht zum 12. Mal, warum das ausgerechnet am 1. April so ist. In diesem Jahr ist es mir allerdings fast ein wenig peinlich. Ich ging nämlich schon seit Monaten davon aus, das Blog sei bereits 13, so steht es entsprechend auch überall in meinen Veranstaltungshinweisen und Bios etc. Ähem. Falsch, Herr Buddenbohm, ganz falsch. Es wird tatsächlich also heute erst einmal bescheidene 12, immer schön auf dem Teppich bleiben.

Gleichzeitig wird “Was machen die da”, das Interviewprojekt von Isa und mir, damit zwei Jahre alt, wobei ich in dem Fall mit der Zahl ganz sicher bin. Bei “Was machen die da” geht es gerade etwas ruhiger zu, um es diplomatisch auszudrücken, was nicht heißt, dass das Projekt beendet ist. Aber aus naheliegenden und ziemlich spitzenmäßigen Gründen hat Isa gerade eine beachtliche Menge anderer Termine. Das heißt nicht, dass gar nichts mehr geht, wir müssen lediglich noch weiter um etwas Geduld bitten.

Aber apropos Isa und apropos Herr Buddenbohm muss auf dem Teppich bleiben, das ist ein guter Moment, um von Usedom zu Helgoland überzuleiten, wo ich gerade u.a. mit der Familie und eben jener Lieblings-Isa ein paar herrliche Tage verbracht habe. Gleich vorweg – das Folgende ist absolut kein Aprilscherz. Und zwar waren wir auf Helgoland im neu eröfffneten Hotel auf den Hummerklippen, einem Hotel mit ausgeprägtem Literaturbezug, wie sich dem James-Krüss-Kenner schon beim Namen sofort erschließt. Dieses Hotel hat Isa feierlich getauft, was auf jeden Fall schon einmal eine Ehre ist, die man als etwas spezieller einsortieren kann, ein Hotel tauft man nicht jeden Tag.

Isa vor Hotel

 

(Es sieht so aus, aber sie hat die Pulle dann nicht ans Hotel geworfen, sondern nur ein Mäuerchen begossen)

Damit aber nicht genug, es wurde noch wesentlich spezieller, denn in diesem Haus sind alle Zimmer nach Autoren benannt, die auf die eine oder andere Art einen Helgoland-Bezug haben. Es gibt ein Friedrich-Hebbel-Zimmer, es gibt ein Meta-Schoepp-Zimmer, es gibt natürlich ein James-Krüss-Zimmer, es gibt ein sehr schräges Franz-Kafla-Einzelzimmer – und, es ist eigentlich kaum zu fassen, es gibt auch ein Isabel-Bogdan-Zimmer und ein Maximilian-Buddenbohm-Zimmer. Das ist ganz sicher die mit Abstand abgefahrenste Ehrung, die mir je zuteil wurde, ich freue mich wie irre und finde das um Längen cooler als so ziemlich jeden Literaturpreis. Ein eigenes Hotelzimmer!

Hotelzimmertür "Maximilian Buddenbohm"

 

Wenn Sie in diesem Hotel residieren, was ich sehr empfehlen kann, können Sie also einen Zimmerschlüssel bekommen, auf dem “Maximilian Buddenbohm” steht, wenn das nicht absurd-großartig ist, ich weiß es auch nicht. Das Zimmer, es ist ein schönes Doppelzimmer mit grandioser Hummertapete, hat einen sagenhaften Ausblick, einen unglaublichen Insel- und Meerblick, ich kann das dringend empfehlen.

Ausblick Hotelzimmer

 

Ja, da ist Dreck auf dem Sensor, das ist schlimm, aber ich komme ja zu nix. Demnächst wieder Fotos ohne Flecken.

Isa und ich haben am Eröffnungsabend auch noch im Hotel gelesen. Dazu vermutlich morgen mehr.

Bis dahin noch einmal vielen Dank an jede und jeden, der hier liest. Um mich ausnahmsweise mit einem Satz vom letzten Bloggeburtstag selbst zu zitieren: Das sind weiterhin die Konstanten dieses Blogs – ich denke immer noch nach jedem Eintrag, dass mir ganz sicher nie wieder etwas einfallen wird, und ich freue mich immer noch jeden Tag, dass das gelesen wird, was mir dann doch noch eingefallen ist. Das gilt nach wie vor.

Herzlichen Dank!

Usedom-Bemerknisse (5)

Wie angekündigt folgt nun ein für Nichteltern vollkommen sinnfreier Tourismus-Tipp zu Ahlbeck. Ein Hinweis von der Art, die man eigentlich einmal als Reiseführer für Eltern herausgeben müsste, am besten als stets aktualisierte Online-Ausgabe für Orte weltweit, geschrieben von vielen Familien mit ganz speziellen Erfahrungen, gemacht von wahren Experten, also von Kindern. Denn Kinder finden in der Regel nicht das interessant, was im Reiseführer steht, sondern vollkommen obskure Nebendinge. Und man reist als Familie deutlich entspannter, wenn man sich diesen obskuren Nebendingen hingibt, wenn man ihnen Zeit und Raum lässt, wenn man nicht von der Erfüllung irgendwelcher Zeitpläne träumt. Das ist eine der Lektionen, die ich tatsächlich als Vater eher schwer zu lernen fand. Ich möchte auf Reisen etwas sehen, ich habe auch oft genaue Vorstellungen, was ich sehen möchte, wo ich essen möchte, wo ich längs gehen möchte, was ich machen möchte usw. Und das ist falsch. Richtiger ist es fast immer, die Kinder vorgehen und entscheiden zu lassen.

Fährt man Ahlbeck aus westlicher Richtung an, sieht man bald die Ausschilderung zu den Parkplätzen. Wenn man P1 folgt, landet man kurz vor dem Strand auf einer sandigen Brachfläche, umrahmt von mehreren abbruchreifen Ruinen großer Häuser, die vermutlich einmal ziemlich stattlich waren. Sie bröckeln seit Jahren vor sich hin. Auf der Parkplatzbrachfläche stand vermutlich auch einmal so ein Haus, jetzt ist das einfach ein Stück holperige Buckelpiste, allerdings ein Stück mit natürlich sehr wohl funktionierendem Parkautomaten mitten im Nichts. Und P1 wird sicher in absehbarer Zeit einer prächtigen Immobilieninvestition weichen müssen, die Lage ist einfach zu gut.

Am Rand dieser Brachfläche wurden, warum auch immer, gleich mehrere große Kieshügel aufgeschüttet, vermutlich sollte irgendwann irgendein Bau beginnen, das wird allerdings auch schon eine Weile her sein, so wie es da aussieht. Aus Kindersicht ist das ringsum eine großartige Abenteuerkulisse, und auf den Kieshügeln der verlassenen Baustelle kann man prima herumspringen, von Hügel zu Hügel, es stört ziemlich sicher niemanden. Und man kann graben! Die Söhne haben dort in langer Arbeit ein riesiges Sück historisches Abflussrohr mit kryptischen Schriftzeichen drauf freigelegt, das ist Großstadtarchäologie, das ist toll. Und um dieses Rohr freizulegen mussten sie nicht nur ein klein wenig buddeln,sie mussten sich richtig anstrengen, sie mussten ziemlich tief graben, mit aller Kraft ziehen und hebeln, es dauerte und dauerte, ihnen wurde ganz heiß, sie waren hinterher richtig kaputt.

Die Herzdame und ich saßen währenddessen im Auto. Eigentlich wollten wir zum Strand. Eigentlich wollten wir Kaffee trinken, eigentlich wollten wir auf die Seebrücke, eigentlich wollte ich die Promenade entlang gehen, eigentlich wollte ich mir die großartigen Villen dort ansehen, ich liebe die Bäderarchitektur. Wir saßen aber im Auto mit Blick auf graue Abbruchhäuser und Baustellensand – und alles war gut. Die Sonne kam zwischendurch raus, es war warm im Auto. Die Kinder spielten dahinten irgendwo. Das kann man auch einmal etwas länger aushalten. Wenn Sie Kinder haben und nach Ahlbeck auf Usedom kommen – einfach P1 folgen, die Autotüren öffnen, auf den Kies zeigen und die Kinder rauslassen. Das sind doch im Grunde die Tipps, die Familien unterwegs wirklich brauchen, das sind die Tipps, die familiären Frieden auf Reisen schaffen.

Und später waren wir dann auch noch am Strand, wie gestern bereits berichtet.