Gehört: Ein Zeitzeichen über Emily Dickinson, 14 Minuten. Mit dem Versuch, die bekannten und nur vermeintlichen Tatsachen (sie konnte kaum veröffentlichen, sie war so schrecklich einsam etc.) anders als bisher zu deuten, deutlich positiver zu drehen. So kann man es dann auch sehen und wer weiß, am Ende ist es sogar richtig so.
Glauben Sie, jemand könnte Ihr Leben korrekt ausdeuten, wenn Sie sich jetzt spontan in Luft auflösen würden? Wenn man Ihre Spuren und Hinterlassenschaften akribisch durchforschen würde? Glauben Sie, jemand würde in einer dreihundert Seiten starken Biografie nach Jahren der Forschung an den Trümmern Ihrer Existenz die Wahrheit ableiten können und von Ihrem Leben und Ihrem Charakter so berichten, dass Sie bei der Lektüre in irgendeinem freundlichen Jenseits fortwährend zustimmend nicken würden? Dass Sie alle paar Seiten sagen würden: „Ja, genau so war ich“?
Ich glaube das für mich nicht. Und ich finde, das sollte man sich ab und zu klarmachen, wenn man etwas über die Leben der anderen, der Größeren und Berühmteren liest. Man rät am Ende informierter herum, aber man rät doch.
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In dem stets interessanten Musik-Podcast „Alles Interpretationssache“, in dem Cover-Versionen und Varianten verhandelt werden, geht es um „Stairway to heaven“. Unter anderem mit Dolly Parton, da hört man vielleicht zweimal hin.
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Aber apropos Versionen – es gibt einige Songs, meist sind sie aus der gleichen Zeit und sogar aus dem gleichen Land, von denen ich mir etliche Versionen nacheinander anhören kann, ohne dass es mir auch nur ansatzweise langweilig wird. Nicht einmal nach der zehnten, zwanzigsten Version ermüdet das. Seltsam unkaputtbare Melodien und Rhythmen sind es also, diese Epoche war doch etwas Besonderes in der Musikgeschichte. Jedenfalls war sie es für mich, wie mir gerade wieder neu bewusst wird, da ich dauernd auf sie zurückkomme.
Hier jedenfalls als Beispiel 37 Versionen, ja, halten Sie mich ruhig für irre, von „Two sleepy people“. Angefangen mit der bemerkenswert lässigen Filmszene, in der so gefährlich anziehend geraucht wird, angefangen also mit der Szene, von der alles ausging.
Völlig überraschend für alle ist es in der Zusammenschau wieder deep wie nur irgendwas, wenn man diese drei Absätze zusammennimmt und sich kurz besinnt, dass es vermutlich immer Versionen und Varianten entweder gibt oder aber geben kann. Von jedem Moment, von jedem Aspekt des Lebens. Es ist alles ausdeutbar, Interpretationssache und Stoff für Besinnungsaufsätze zur Lebensführung ohne Zahl.

Was immerhin, um doch wieder beim segensreichen Immerhin des Tages anzukommen, den Schluss zulässt, dass man alles auch anders sehen, anders empfinden und anders bewerten könnte. Wenn man es gerade nicht kann, ist man vermutlich nur noch nicht darauf gekommen, wie es auszuführen wäre.
Was darin alles an Möglichkeiten liegt – man macht sich im Laufe des Alltags meist gar keinen Begriff.
Aber wir haben ja in Kürze wenigstens wieder ein Wochenende Zeit, um über ein beliebiges uns belastendes Thema noch einmal anders nachzudenken. Vielleicht wird es besser, wenn wir es uns mit anderer Besetzung in den Hauptstimmen vorstellen. Oder aber ganz ohne Gesang. Wenn wir es uns etwas schneller arrangiert oder melodischer ausgeführt imaginieren, stark modernisiert oder nostalgisch versüßt.
Wie auch immer: Da geht noch was. Man darf das fast jederzeit so denken.
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