Woanders – diesmal mit Monstern, Beppo, Thüringen und anderem

Wo die müden Monster wohnen.

Die zwei Geschwindigkeiten von Beppo.

Über eine Jugend in Thüringen.

Ein Vater, der nicht fegen kann.

Eine dörfliche Soundcollage.

Herr Kid denkt über Perlhühner nach.

G8/G9, ach wie scheun. Und hin und her und hopsassa, ist das Abi endlich da. So geht Schulpolitik in Deutschland, kurzgefasst. Hier steht die Langversion.

Wie unterschiedlich die Sternzeichen mit der Buchhaltung umgehen, habe ich für die Firma lexoffice hier erklärt.

Und hier noch ein äußerst interessanter Text zur Zombie-Apokalypse. Na, oder so ähnlich. Aber wirklich lesenswert.

 

Hochgucken, Tag 4

Mir gegenüber ein älterer Herr, für den man extra man die hübsche Vokabel soigniert wiederbeleben müsste. Lange nicht mehr gehört, das Wort.

Nadelstreifen, aber keine geckenhafte 30er-Jahre-Verschnitt-Variante, nur einfach ein guter Anzug. Blankgeputzte Schuhe, Krawatte mit Nadel, daran etwas, das ein Clubabzeichen sein könnte, ganz klein. Man müsste schon sehr nah herangehen, um es genau zu erkennen. Weißes Hemd, dezente Manschettenknöpfe, mattes Silber. Keine Outdoorjacke, wie sie sonst alle tragen, sondern ein Kleidungsstück irgendwo zwischen Mantel und Jacke. So etwas wie Loden vielleicht, aber nicht in grün, sondern in grau und ohne jeden volkstümlichen Schnickschnack. Herrenausstattermode. Der Stoff sieht weich und teuer aus. Walkstoff, auch so ein Wort, das mir kaum je begegnet. Randlose Brille, graue Haare, im gleichen Ton wie die Jacke.

Er sieht ein wenig zu alt aus, um noch in ein Büro zu fahren, zumindest tut er das nicht mehr als Angestellter. Als Inhaber ist es vielleicht etwas anderes, als Berater, als Seniorchef, als wissenschaftlicher Beirat, als Aufsichtsrat. Fährt ein Aufsichtsrat mit der S-Bahn? Er hat es nicht eilig, er sitzt da sehr entspannt. Keine Zeitung, kein Buch, kein Handy, er sieht einfach aus dem Fenster. Nicht interessiert, sondern so, wie man eben aus dem Fester sieht, wenn da draußen irgend etwas vorbeizieht, das einem völlig egal ist. Hammerbrook ist das in diesem Fall, ein Stadtteil, der den meisten Hamburgern völlig egal ist. Der Herr sitzt und guckt, seine Mimik ist leicht, ganz leicht bewegt. Ab und zu gehen die Augenbrauen ein klein wenig nach oben, ab und zu ahnt man ein Nicken,ein Kopfschütteln, eine kaum wahrzunehmende, wiegende Bewegung. Dann ein etwas rhythmischeres Nicken, auch das sehr zurückhaltend. Seine Finger tippen manchmal sachte auf die Knie. Er hört Musik .

Er hört Musik aus Kopfhörern, wie sie jetzt aktuell sind, groß und voluminös. Es ist gar nicht lange her, da hätte man so etwas von der Form her noch für Lärmschutz gehalten und nur in Fabrikhallen aufgesetzt. Heute tragen das aber alle auf dem Weg in die Fabrikhallen, die natürlich nur noch Büros sind. Die Kopfhörer des soignierten Herrn sind, das kann man auch bei freundlicher Betrachtung kaum anders ausdrücken, in einer Farbe gehalten, die man als Brüllpink-Metallic wohl annähernd korrekt bezeichnet. Er trägt mit der größten anzunehmenden Würde ein Accessoire, das an ihm genau so falsch und grotesk aussieht, wie ein Hello-Kitty-Rucksack oder ein Lillifee-Krönchen. Es glitzert schrill an seinem Kopf.

Und er hört damit, man kann das natürlich nur ahnen und raten, klassische Musik. Dieses ganz leichte Wiegen des Kopfes, die Augenbrauen, die ab und zu sachte in die Höhe gezogen werden und dort oben leicht schaukelnd einen kleinen Moment verweilen… die folgen doch Violinen, möchte man annehmen.

Ich stehe auf und steige aus, der Mann sieht mich an, lächelt und nickt. Ein verbindliches Nicken, als hätte ich eben bei ihm einen Bausparvertrag unterschrieben oder einer Firmenfusion zugestimmt. Er ist es gewohnt, höflich zu sein. Ein kultivierter Typ, gar keine Frage.

Dann sieht er wieder aus dem Fenster, wo Zimmerleute auf einem Fleet an Hausbooten bauen. Sie tragen gerade Latten vom Ufer auf die Schiffe. Aber der Herr sieht nicht so aus, als würde er das wahrnehmen. Er hört einfach nur konzentriert Musik. Aus pinkfarbenen Kopfhörern. Mit Glitzer.

#hamburg #hammerbrook

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Fangen wir gleich mit der Wahrheitsfindung an – und mit einem grandiosen deutschen Wort, mit der “Lebensmittelbuchkommission”. Es geht um das, was auf Etiketten steht, auf den Etiketten von dem Zeug, was etwa bei Discountern so als Lebensmittel verkauft wird. Womit man dann natürlich ganz zwanglos zum Etikettenschwindel überleiten kann, den es nicht nur in der Lebensmittelindustrie gibt, nein,das können andere Branchen auch ganz gut.

Wobei natürlich gerade beim Thema Energie die Sachlage so dermaßen kompliziert ist, dass jeder mutmaßliche Experte jeden Verbraucher leicht an die Wand spielen kann. Ob es da hilft, wenn die großen Medien Beiträge zum Thema Energie in nett animierten Specials aufbereiten? Ist das nun die strahlende Zukunft des Journalismus – oder ist das nur eine unselige Kreuzung aus Powerpoint und Peter Lustig? Schwer zu sagen.

Wenn es beim Thema Energie um neue Technologien und Lösungen geht – was soll man da überhaupt glauben? Geht es um Risiken oder um Lösungen? Na, einige Neuheiten wirken zumindest so, als seien sie harmloser für die Umwelt als andere.

Es gibt, das liegt sicher ganz am Rande des Themas, passt aber doch noch irgendwie, auch in Europa übrigens Menschen, die für Strom gar nichts bezahlen. Weil sie in einer Gegend wohnen, in der Strom einfach illegal abgezapft wird. Aus Gründen, wie man so schön sagt.

In der Cañada Real leben auch Flüchtlinge. Eine soziale Gruppe, zu der man nicht oft gute Nachrichten findet, umso dringender müssen sie dann hier vorkommen. Das ist schön, nicht wahr, wenn die Menschen so aufeinander zugehen, das leuchtet unmittelbar ein, dass das wertvoll ist.

Aber wir reiten immer wieder auf den selben Branchen herum, das muss aufhören. Wir wollen auch endlich auf andere Bereiche sehen, die sind bestimmt auch spannend. Andere Branchen z.B., in denen Deutschland noch prächtigen Erfolg hat. Und auch bei diesen Geschäften lohnt selbstverständlich ein Blick auf die Details.

Wobei unter uns sittlich bemühten Menschen der Waffenhandel natürlich sowieso kein Thema ist, was hat das schon mit unserer Lebenswirklichkeit zu tun? Nichts. Wenn wir etwas aus dem Holster ziehen, dann ist es sicher keine Pistole, sondern etwas ganz anderes. Eh klar.

Und in den Blogs? Dort denkt man derweil weiter über das Richtigmachen nach. Und zwar intensiv. Manche überkommt es plötzlich beim Backen, aber ganz egal wobei – es überkommt immer mehr. Mit immer anderen Ergebnissen. Und wenn man das Richtigmachen dann versucht, dann ist es manchmal gar nicht so einfach, wie es klingt. Kann man hier in der SZ nachlesen. Die Autorin, so liest man in ihrer Bio, hat eine Schwäche für Subkulturen. Da weiß man dann wieder, wo man hingehört, wenn man sich mit so schrägen Themen wie Foodsharing abgibt.

GLS Bank mit Sinn

Woanders – diesmal kurz mit der U-Bahn, dem Mittagessen, Fred Astaire und anderem

Das hier ist eine vollkommen aberwitzige Fleißarbeit, eine ausführliche, wirklich wahnsinnig ausführliche Beschreibung des Hamburger U-Bahnnetzes (sorry, Link kaputt) mit allen Bahnhöfen. En detail. Da hat jemand seine Aufgabe gefunden.

Herr Rau verweist auf Fernsehauftritte von Fred Astaire. Wie Sohn I mit Kennerblick sagte: “Der kann das ganz gut, das mit dem Tanzen, was?”

Bilder: Piano-Bars in Flugzeugen.

Wladimir Kaminer über die Krim.