49

Gerade wenn man älter wird, muss man sich genau beobachten, denn so viele werden leicht irre, wenn sie älter werden. Sie werden schrullig, seltsam, wunderlich, jeder kennt reihenweise Beispiele von älteren Verwandten, Freunden, Kollegen, sie sind überall. Diese seltsamen Vögel, hinter deren Rücken man milde den Kopf schüttelt. Möchte man da dazugehören? Möchte man, so viele Jahre nach dem letzten Schulbesuch, doch wieder verhaltensauffällig werden?

Na, ganz sicher doch. Aber bitte nur in dieser romantischen Version der leicht exzentrischen, dennoch unbedingt charmanten Art, die man aus freundlichen Filmen und amüsanten Romanen kennt, das ist ganz wichtig. Ich werde heute 49, ich werde nächstes Jahr 50, da heißt es also achtsam zu sein und ggf. auch den Anfängen zu wehren. Und nur jene schräge Dinge zuzulassen, die in den eigenen Plan dieses leicht exzentrischen, aber doch genau richtigen Verhaltens bei beginnender Seniorität passen. Ich zum Beispiel interessiere mich seit diesem Jahr überhaupt zum ersten Mal im Leben für das Thema Reisen, das finde ich aber inhaltlich okay, damit kann ich noch prima leben. “Mein Mann geht jetzt öfter vor die Tür.” Klar, das kann man machen.

Ich habe mich, da wird es dann schon entschieden seltsamer und spannender, gerade auch für meinen ersten Lindy-Hop-Kurs angemeldet, das geht demnächst los. Der zweite Frühling, oder wo ist man da überhaupt in der Zählung? Galoppierende Torschlusspanik?

Die Herzdame tanzt Lindy Hop sehr, sehr gut, sie macht das schon seit über zwei Jahren. Da habe ich einiges aufzuholen, wenn mir das denn überhaupt gelingen kann. Bis dahin gehen wir eher zu verschiedenen Events, das spart auch den Babysitter, man muss die Vorteile sehen. Und besser getrennte Tanzkurse als überhaupt keine offene Beziehung?

Tatsächlich kam es so: Immer, wenn ich die Herzdame zu ihren Kursen oder Partys begleitet habe, fand ich es etwas seltsam, dass die da alle zu meiner Musik tanzen. Und es kam mir mit der Zeit immer unpassender und geradezu ungeheuerlich vor, dass die sich da alle zu dieser Musik, die ich doch schon mein Leben lang gerne und dauernd höre, elegant und passend und lässig bewegen können – und ich überhaupt nicht. Und da ich mich sportlich sowieso nicht zu etwas anderem durchringen kann und auch nach langem, langem Nachdenken so gut wie alle Sportarten doof finde, langweilig und desaströs uninteressant, gibt es hier also in Kürze, nach einer dezenten Pause von acht Jahren, doch wieder Tanzcontent. Es ist in der Tat ein wenig her, dass die Herzdame und ich uns mit Standard-Latein abgemüht haben, aber ein paar Stammleser werden sich doch noch erinnern, nehme ich an.

Da wir damals aufgehört haben, gemeinsam zu tanzen, als der Bauch der schwangeren Herzdame sie aus den ersten Kurven beim Jive getragen hat, kann man das zeitlich leicht bestimmen, da muss ich nicht einmal nachrechnen. Acht Jahre. Doch so viel. Ich weiß nicht, wie lange es dauern kann, bis wir wieder gemeinsam auf eine Tanzfläche gehen, bis ich also wieder halbwegs mit ihr mithalten kann, aber es ist wohl doch damit zu rechnen. Das soll dann so aussehen. Also in etwa. Grobe Richtung.

Ich mische also wieder einmal ein neues Themenfeld ins Leben und selbstverständlich auch ins Blog. Ich laufe schon seit Wochen mit der passenden Mütze zum Swing herum, denn man muss ja immer vorne anfangen, und ich finde die Szene auch modisch übrigens sehr sympathisch. Aber ist das noch okay? Oder werde ich schon drollig?

Ich denke ernsthaft drüber nach. Aber so lange noch keine Harley vor der Tür steht, komme ich mit meinem Selbstbild noch ganz gut zurecht, glaube ich.

Nachtrag: Allerdings hat mir die Herzdame zum Geburtstag ein Longboard geschenkt, quasi die Harley unter den Boards. Es ist kompliziert.

19 Kommentare

  1. Ich habe es vor wenigen Wochen in den Olymp der 50iger geschafft. Außer das man mir beim Arbeitsamt immer weniger Chancen einräumt, doch noch mal wieder einen Job in meiner geliebten Stadt zu finden und das nun zwei Jahre andauernde Nomadenleben wieder aufgeben zu können, ist es nicht weiter schlimm.
    Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

  2. Ich bin ja noch ein halbes Jahrzehnt weiter und warte immer noch darauf, daß es „schlimm“ wird… Wird es nicht. Ja, ok, die Zipperlein – aber wenn die nicht schlimmer werden, ist alles fein.

  3. Bon anniversaire, lieber Maximilian, herzlich! Ich bin mir sicher: Tanzen beugt jeder Form von Schrulligkeit vor. Also in Kombi mit der Herzdame! Feiert schön!

    Ach: und ich freue mich auf Geschichten rund ums neue Themengebiet!

  4. Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und alles Gute für die Entdeckungen im neuen Lebensjahr! Auch ich freue mich darauf, davon zu lesen.

  5. Da kommt ja was auf uns zu…. Gern auch per YouTube bitte, ich freue mich schon drauf…
    PS. Herzlichen Glückwunsch, vor allem viel Gesundheit, der Rest kommt von alleine ( ist so eine Floskel die man bei uns im Bekanntenkreis so sagt ab einen bestimmten Alter ähnlich Tirol& festes Schuhwerk
    Pss wann ist wieder Kleiderschrank bzw. Backstube? Gern auch wieder mit der Dame aus Frankreisch
    Psss. Danke für die schöne urlaubsberichterstattung

  6. Ach, mit 49-50 ist man doch ein junger Spund, 50 ist das neue 40! Erst mit der Zahl 60 lassen sich die Vokabeln „Altern“ und „Gesundheit“ nicht mehr aus dem Wortschatz verdrängen. Happy Birthday und viel Spaß beim Tanzen.

  7. … Und falls es irgendwann nicht mehr geht, gibt das Longboard einen tollen Wandschmuck ab. Oder der Nachwuchs freut sich. Oder man man nen Motor an. Kann machen. Muss man aber nicht. Alles Gute zum Geburtstag!

  8. Herzlichen Glückwunsch und tanzen Sie beschwingt ins nächste Jahr! Oder gleiten elegant, je nachdem …

  9. Herzlichen Glückwunsch! Und ja, der Swing sieht toll aus und ist sicher jetzt besser zu erlernen als wenn man, wie ich, fast 60 ist und die Arthrose im Knie zwickt. Viel Freude im neuen Lebenjahr!

  10. Alles Gute noch nachträglich zum Geburstag!

    Lindy Hop lernen klingt doch nach nem guten Ziel fürs neue Lebensjahr 🙂 Viel Spaß dabei!

  11. Lieber Maximilian Buddenbohm, nachträglich nur das Allerbeste zu Ihrem Geburtstag! Ich lese regelmäßig bei Ihnen mit und freue mich über jedes neue Themenfeld – ganz besonders gefällt mir der Lindy Hop! Faszinierend und wunderbar nostalgisch! Viel Spaß beim Tanzen mit der Herzdame, ich bin sicher, Sie haben schnell den Bogen raus.

  12. Max&Pamela, so so. Junge, wat haste Dir verändert! Und ist Pamela eine ehemalige Herzdame? ???? nur Spaß

    Nachträglich auch aus dem tiefen Westen der Republik alles Gute zum Geburtstag und ein beschwingtes, fröhliches neues Lebensjahr????

  13. Huch, meine netten zwinkernden und blumigen Emoticons sind nun lauter Fragezeichen. Verzeihung 🙁

  14. Tanzen ist super, Lindy-Hop erst recht. Longboard fahren finde ich auch famos, genauso wie Ihre wunderbar leichten, pfiffigen, amüsanten Texte. Alles Gute nachträglich.

    Einen Satz zu der Zahl noch. 49. Die 49 fällt mir auf, denn: So alt ist meine Mutter. Mit 47 ist sie Oma geworden, ihre vier Kinder sind 20, 22, 26 und 28. Biographien sind so unterschiedlich. Ihr Leben war bis zu dieser Zahl sehr anders, als Ihres, Herr Buddenbohm. Das finde spannend. Darüber muss ich mir jetzt noch ein paar Gedanken machen.

  15. Tolles Tanzpaar!! Ich lese offensichtlich gerade mal wieder nach – so, wie es sich bei Twitter liest, hast du das gut in dein Leben integriert ;)!

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