Kurz und klein

Woanders – Der Wirtschaftsteil

Eine ganz kleine Ergänzung zur letzten Woche, in der es um TTIP ging. Da gab es heute eine Meldung mit einem Kritiker, der vermutlich nicht auf der neulich thematisierten Demo war, aber doch einiges auszusetzen hat. Zumindest der Stil der Verhandlungen gefällt ihm nicht. Dem Herrn Bundestagspräsidenten.

Und in der taz gab es außerdem einen Artikel über einige der Standardthemen hier, über Konsum und Minimalismus und Upcycling. Man beachte bitte die schön kleine Pointe am Ende, wenn die konsumflüchtenden Minimalisten ihre Haltung selbst zum Produkt machen – Wirtschaft hat manchmal auch ihre ganz eigene Komik.

Man könnte es als ein Paradox bezeichnen, wenn Minimalismus sich verkauft und damit natürlich auch wieder eingespart werden kann. Und über das Paradox gibt es in der brandeins einen langen, faszinierenden Artikel. Er ist vielleicht sogar etwas länger als die hier sonst üblichen Artikel, wir sparen dafür einfach einen anderen Link ein – denn dieser Text macht schon Spaß

Es geht da in dem langen Text unter anderem auch um Wirtschaftsunterricht an Schulen, und es ist ein eher wilder Zufall, dass das Thema in dieser Woche sogar Schlagzeilen machte: “Arbeitgeber-Lobby stoppt Unterrichtsbuch”. Aber es passt natürlich ausgezeichnet zusammen.

Sicher kein Schulthema sind Susus, obwohl man an denen durchaus etwas lernen kann. Über Geld, Vertrauen und Soziologie, doch, eigentlich sind Susus ein ziemlich einladendes Thema. Aber hätte es nicht in der Zeit gerade einen Artikel darüber gegeben, das Wort würde hier weiterhin kein Mensch kennen.

Bei Susus geht es um Bargeld und Garantien, die nur mündlich verhandelt werden, Dieses System würde in einer bargeldlosen Wirtschaft nicht funktionieren, da es dann zwangsläufig offiziell wäre. Andreas von Gunten hat etwas länger über die bargeldlose Wirtschaft nachgedacht, auch die im Text verlinkte Antwort von Felix Schwenzel ist interessant.

Zum Schluss wie fast immer der Link für den Freundeskreis Fahrrad. Diesmal eine sehr schöne  und wieder angenehm sinnbefreite Sache, es geht sowohl um Fahrräder als auch um Elefanten bei Nacht, die Kombination findet man auch nicht gerade jeden Tag.

GLS Bank mit Sinn

Gelesen, vorgelesen, gesehen, gehört im Oktober

So, Oktober vorbei, habe ich gerade beschlossen. Ich habe in diversen Resten gelesen, die immer noch unvollendet hier herumliegen, nachdem sie irgendwann, vielleicht schon vor Monaten, hier behandelt und abgehakt worden sind. Ich bin ein ganz übler Durcheinanderleser, wirklich schlimm. Wieder sehr angetan von dem Laxness übrigens, das ragt weit heraus, das Buch. Leider ist es geradezu unanständig klein und eng gedruckt, da hilft auch die Gleitsichtbrille nicht mehr.

Bücherreste

James Salter: Lichtjahre. Deutsch von Beatrice Howeg

James Salter ist ein Großer, man kann das überall nachlesen, zu diesem Buch etwa in ausführlichen und auch lesenswerten Rezensionen hier und hier. Großrezensionen, da darf dann auch nicht jeder ran, wenn ein Salter zu besprechen ist. Und dass der Herr schreiben kann, überhaupt keine Frage. Allerdings möchte ich mich hier einmal als eher unbedarfter Leser outen. Ich habe zwar reichlich Sekundärliteratur in meinem Leben gelesen, ich finde das alles schon interessant, was Literatur alles kann und macht und soll, ich habe aber tatsächlich bis heute noch nie Lust entwickelt, beim Lesen eines Romans tiefgründig auf den Zeilen herumzudenken. Wenn ich lese, dann lese ich. So von Zeile zu Zeile und immer weiter. Und wenn ein Roman mit Bedeutung aufgeladen ist bis zum Anschlag, wenn man das Gefühl nicht los wird, dieses so prall  vollgepumpte Buch könnte einem in der Hand zerplatzen und einen dabei überall mit Sinn bekleckern – dann mag ich das eher nicht so.

Sohn I spielt gerne diese Jump&Run-Spiele, bei denen man Figuren durch virtuelle Landschaften steuert, und wenn sie über oder auf die richtigen Stellen hüpfen, dann bekommt man Punkte, es blinkt und piept. So ist das auch beim Lesen von Salter, als Leser folgt man den Zeilen und alle paar Sätze kommt eine Stelle, die erkennt man dann vielleicht sogar, hurra, eine Stelle, volle Lotte Bedeutung, Anspielung, Sinn und Tiefe – und im Hirn  blinkt und piept es, man kann sich zehn Punkte gutschreiben und am Ende des Buches hat man einen feinen High Score und darf eine Rezension schreiben, die sich noch tiefer in den Sinnberg schraubt als der Roman, quasi Ehrensache.  What a mess! Nach der dritten Bedeutungsstelle auf zwei Seiten möchte man das Buch mit “Ist mal gut jetzt! Ja, du bist ein Topcheckerbuny, aber erzähl halt mal weiter!” ” anbrüllen, zumal auch die beste Formulierung manchmal nicht über eine gewisse Kalenderspruchhaftigkeit der Erkenntnisse hingwegtäuschen kann.

Und das ist der Grund, warum ich die Romane der großen Alten aus den USA eher nicht so gerne lese, denn das gilt auch für einige andere sehr bekannte Namen von dort.

Bov Bjerg: Ohne Brille kann ich rechts und links nicht unterscheiden

Das gibt es nur als E-Book, um das nur herum stellen Sie sich bitte neckisch in die Luft gemalte Anführungszeichen vor, wir verstehen uns. Kein schickes Bild also. 26 Geschichten aus dem Repertoire von Herrn Bjerg, ich mag sie alle, ich mag aber auch Herrn Bjerg, ich bin da voreingenommen. Ich habe ihn auch schon einige dieser Texte lesen hören, das möchte ich übrigens noch einmal sehr und dringend empfehlen. Wenn Sie den Herrn Bjerg irgendwo live erleben können, dann  gehen Sie da ruhig hin, das ist immer super. Und in dem E-Book sind also 26 saugute Texte, eh klar. Unter besonderer Berücksichtigung des deutschen Kreisverkehrs in der Provinz, so etwas ist ja auch wichtig.

Am 01.11. – also quasi gleich! – können Sie den Herrn Berg übrigens in Hamburg erleben, zur Vorstellung seines Romans Auerhaus tritt er da mit Robert Stadlober und Andreas Spechtl im Polittbüro auf dem Steindamm auf. Ich bin auch da und sehe mir das an, das wird mit Sicherheit großartig.

Bov Bjerg    Foto: Milena Schlösser

Alex Capus: Mein Nachbar Urs

Mein Nachbar Urs

Der Autor hat sechs Nachbarn, alle heißen Urs, so ist die Schweiz. Über einen darf er nicht schreiben, es ist also ein fünfursiges Buch. Und es war meine Weltflucht des Monats, das ist ein äußerst nettes Buch, das perlt so vor sich hin. Etwas bloggig manchmal, was ich komplimenthaft meine, das muss man wohl ergänzen. Alltagsszenen und Gespräche, genau mein Ding. Wieder gedacht – mehr Capus lesen. Der kann es einfach. Gleich noch drei Bücher besorgt, er hat erfreulich viele geschrieben. Obwohl er Kinder hat. Nanu!

Franz Hohler: Das Ende eines ganz normalen Tages

Das sind Miniatiuren und kurze Geschichtchen, die allerdings so weit heruntergebrochen sind, dass nichts mehr übrig ist, was den Druck wert gewesen wäre. Minimalismus ist das eine, aber das hier ist hier ein einziges “Was soll das denn?” Wieder weggelegt.

Franz Hohler

Franziska Wilhelm: Meine Mutter schwebt im Weltall und Großmutter zieht Furchen

Damit bin ich nach den ersten dreißig Seiten nicht warm geworden, und dann lese ich Bücher nicht weiter. Wobei es nicht so ist, dass mir irgendwas ausdrücklich nicht gefallen hätte, ich glaube das Buch ist vollkommen in Ordnung, womöglich ist es sogar gut. Vielleicht passte es einfach nur gerade nicht.

Franziska Wilhelm

Matthias Wegehaupt: Schwarzes Schilf

Schwarzes Schilf

Bankmitarbeiter wird entlassen und geht aus dem Büro, fährt direkt nach Usedom und mietet sich ein Segelboot, sticht in See, fährt immer weiter aufs Meer hinaus. Redet dabei mit sich selbst. Eigentlich reizvolle Idee, aber schon die Art, wie die Finanzwelt nur als ziemlich schlicht gearbeitete Kulisse und Plastikversion des Bösen in die Geschichte geschoben wird und per Schlagwort hin und wieder Alarm verbreiten soll – “Hegdefonds!” – nein. Ganz so einfach geht das dann doch nicht, finde ich. Wieder weggelegt. Ich hatte aber auch einen ungnädigen Monat, das ist ja furchtbar, merke ich gerade.

Kurt Tucholsky: Schloss Gripsholm

Eigentlich dachte ich, dass der Herr doch wieder in die Zeit passen müsste, gerade mit seinen politischen Texten, aber dann bin ich in der Gesamtausgabe doch wieder erst einmal bei Gripsholm hängengeblieben ist. Weil der Anfang so schön ist.”Gib mal ‘n Kuss auf Lydia!” Hach. Man möchte sich immer noch aus dem Stand ebenfalls in die Dame verlieben, und dann ist es wohl ein gelungener Liebesroman, mehr Beweis braucht es da nicht.

Wolfgang Büscher: Drei Stunden Null – Deutsche Abenteuer

Deutsche Abenteuer

Lohnt sich schon wegen einer bedrückend plastischen Schilderung des Untergangs von Breslau im Zweiten Weltkrieg. Die Geschichte kannte ich so nicht. Und Geschichten aus der Geschichte erzählen, das kann der Herr. Die Umwanderung Berlins fand ich dann eher entbehrlich, dennoch alles gerne gelesen.

Kathrin Passig/Aleks Scholz: Verirren – Eine Anleitung für Anfänger und Fortgeschrittene

Damit bin ich noch nicht allzu weit gekommen. Ich fand allerdings schon auf den ersten Metern etwas irritierend, dass der Stil stellenweise doch sehr nach Sascha Lobo klingt, der an dem Buch aber gar nicht beteiligt war. Nun hat der Herr aber mit der Dame bekanntlich durchaus schon gemeinsam geschrieben, damals. Ob sie dabei stilistisch verschmolzen sind? Man weiß es nicht. Aber auch das ein charmantes Nebenbeibuch.

Verirren

Karl Ove Knausgård: Sterben. Deutsch von Paul Berf

Sterben

Ich bin noch nicht sehr weit, noch unter hundert Seiten, das ist bei dem monströsen Gesamtwerk über mehrere Bände natürlich nicht allzuviel. Ich habe ein paar Rezensionen und Diskussionen gelesen, in denen es länglich darum ging, ob das denn nun Romane sind oder nicht. Da wurden noch einmal Gattungsbegriffe durchdekliniert, da wurde die Wirklichkeit einer Biographie gegen den höheren Zauber der Fiktion ausgespielt, da wurde sogar noch einmal gefragt, was Dichtung denn nun sei – und ich habe nach einer Weile gemerkt, dass mich die Fragestellung gar nicht interessiert. Und mich interessiert auch nicht, ob da auf dem Cover nun dieses Wunderwort Roman steht oder nicht. Ein Buch ist gut erzählt oder nicht. Und es ist gut erzählt.

Oktober – Gedichte. Ausgewählt von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell

Oktobergedichte

Herrje , jetzt habe ich in der Reihe doch tatsächlich den August und den September ausgelassen, schlicht vergessen. Schlimm! Der Oktoberband ist natürlich erwartungsgemäß erfreulich, der Monat gibt ja wirklich genug her.

Fröstelnd geht die Zeit spazieren.

Was vorüber schien, beginnt.

Chrysanthemen blühn und frieren.

Fröstelnd geht die Zeit spazieren.

Und du folgst ihr wie ein Kind.

Das ist ein Vers aus dem auch in der Sammlung enthaltenen Oktobergedicht von Kästner, die Zeile “Und du folgst ihr wie ein Kind” ist schon erlesen schön, wenn man es recht bedenkt. Wie überhaupt seine Jahreszeitengedichte (Erich Kästner: Die 13 Monate, großartiges Büchlein, ich habe irgendwann schon einmal darüber was geschrieben) ein wunderbarer und schon schmerzlich melancholischer Genuss sind. Man sollte da nicht hineinsehen, wenn man in kippeliger Stimmung ist und womöglich schon Alkohol getrunken hat und keiner da ist, in dessen Arm man sich fallen lassen kann. Es zieht einem sonst eventuell die Schuhe aus, das schmale Werk. Man kann das Buch in Minuten lesen, aber es kann einen für Stunden fertig machen. Kästner in einem anderen Gedicht, “Herbst auf ganzer Linie”:

Das Jahr vergeht in Monatsraten.

Es ist schon wieder fast vorbei.

Und was man tut, sind selten Taten.

Das, was man tut, ist Tuerei.

Wir wollen an dieser Stelle einen auf den ollen Kästner trinken, was? Prost, meine Damen und Herren.

Vorgelesen Robert L. Stevenson: Ein Junge wird entführt

Ein Junge wird entführt

Die Geschichte von David Balfour. Das haben wir uns alle im Auto vorlesen lassen, und zwar in der alten Hörspielfassung des NDR. Die Geschichte kam gut an, sowohl bei den Kindern als auch bei den Erwachsenen. Das Stück wird empfohlen ab acht, Sohn II mit seinen sechs Jahren fand es aber auch super und überhaupt nicht zu schwer. Den Track gibt es übrigens auch komplett auf Spotify. Mir fiel beim Hören zum ersten Mal auf, dass es mindestens zwei Erzschurken in der englischen Literatur mit dem Vornamen Ebenezer gibt, den Onkel von David und natürlich Scrooge. Und beide mit Läuterung kurz vor Schluss. Sollte man selbst Ebenezer heißen, man kann auf ein gutes Ende hoffen.

Joanne K. Rowling: Harry Potter und der Stein der Weisen – übersetzt von Klaus Fritz

Die Meinungen darüber, wann es richtig ist, Harry Potter vorzulesen, gehen weit auseinander. Ich glaube, Sohn I ist mit acht Jahren alt genug für Band 1 und habe also bei der Gelegenheit auch endlich selbst die ersten Zeilen Harry Potter gelesen, ich hatte das bisher nicht einmal in der Hand gehabt. Fantasy interessiert mich einfach nicht. Das liest sich aber doch recht nett, fand ich dann. Wie ein paar Millionen anderer Menschen vor mir auch, schon klar. Ohne Kinder würde ich es dennoch nicht weiterlesen, aber nun, ich habe hier neugieriges Publikum. Ich habe bei der Gelegenheit auch in der Wikipedia etwas über Harry Potter nachgelesen und mich darüber amüsiert, dass ich das in groben Züge alles auch ohne eigene Lektüre schon weiß. Das ist ähnlich wie bei Star Wars, ich habe nie einen Film gesehen, kenne aber die Handlung in groben Zügen und alle wichtigen Figuren. Popkultur, die unweigerlich einfach so in einen hineinsickert, durch Infoschnipsel, Gesprächsfetzen, Trailer, Merchandising … faszinierend, wie gut das funktioniert.

Dagmar Chidolue: Millie an der Nordsee. Mit Bildern von Gitte Spee

Millie an der Nordsee

Es gibt eine ganze Reihe Millie-Bände, Madame ist äußerst reisefreudig. Dieses Buch haben wir tatsächlich vor einer Weile an der Nordsee, in einer Husumer Buchhandlung gekauft. Wenn man Kindern etwas Wissen über Ebbe, Flut, Robben, Krabben etc. vermitteln möchte, und wenn die Kinder etwa sechs oder acht Jahre alt sind – das passt. Liest sich sicher auch gut vor einem entsprechenden Urlaub, hier gab es gerade von den Söhnen den Wunsch, das Buch noch einmal zu lesen. Gute Vorlesekapitellänge, auch immer wichtig. Die Handlung ist eher schlicht, aber die Infohäppchen kommen gut an.

Adam Blade: Beast Quest (1) – Ferno, Herr des Feuers – Übersetzt von Petra Wiese

Beast Quest

Noch eine Fantasy-Saga mit -zig Bänden, allerdings viel leichter zu lesen als Harry Potter und damit theoretisch verlockender für Zweitklässler. Das hat praktisch aber nicht geklappt und wir verzeichnen hier eine wichtige Premiere, bei diesem Buch hat Sohn I nämlich erstmals festgestellt, dass das Buch nicht richtig toll geschrieben ist. Im Vergleich mit Harry Potter etwa. Adam Blade ist in Wahrheit ein Autorenkollektiv, und die schreiben tatsächlich simpel und geradeaus und vorhersehbar – und das merkt man eben auch mit acht Jahren schon. Das haben wir also wieder weggelegt. Und dann doch lieber mit Harry Potter weitergemacht.

Gesehen

Nichts. Macht nichts.

Gehört

Theodor Fontane: Effi Briest, gelesen von Julia Jentsch

Das gibt es auch bei Spotify. Effi Briest mögen viele überhaupt nicht, weil es ihnen von der Schule gründlich verleidet wurde, bei mir ist das Gegenteil der Fall. Ich hatte da in der Oberstufe einen Deutschlehrer, bei dem wir das Buch mit seinen verschiedenen Verfilmungen verglichen haben, was ich ungeheuer interessant fand. Wie kann man eine Geschichte verstehen, wie wird aus einem Text überhaupt ein Bild, war das Bild von dem Dichter auch so gemeint, kann man das wissen und was an dem Text ist eigentlich verbindlich, was darf man mit ihm machen, wenn man interpretiert und in andere Medien umsetzt? Das war das beste halbe Jahr, das ich im Deutschunterricht erlebt habe.

Ich höre ansonsten in der Musik, eh klar, weiterhin altes Zeug, das zu meinen Lindy-Hop-Stunden passt. Wobei es ja so ist, dass man, wenn man die Tanzschritte auch nur halbwegs drauf hat, zu dieser Musik durchaus sehr schwungvoll abgehen kann. Allerdings guckt die Herzdame immer wie Keely Smith, wenn ich etwas lockerer werde, ganz seltsam. Keely Smith war eine Weile lang die Frau von Louis Prima, sie ist in diesem Video links im Bild.

Das liebste Übungsstück zum Tanzen in diesem Monat war aber Bad Leroy Brown, hier in einer Version von Frank Sinatra.

Und was ich bisher gar nicht wusste, es wird auch kaum jemanden interessieren, aber hey, das ist mein Blog, ich kann hier machen, was immer ich will, tolle Sache – was ich also bisher gar nicht wusste: Frank Sinatra und Louis Prima sind zusammen aufgetreten und es gibt Aufnahmen davon. Hammer.

Und wenn man alte Musik hört und Swing tanzt, dann kommt man an Fats Waller nicht vorbei.

Amos Milburn ist auch interessant, da kann man erstaunliche Dimensionen des Lässignebenbeiklavierspiels entdecken, es ist wirklich faszinierend. Der Herr hat etliche Lieder über alkoholische Getränke geschrieben und ging mit einer gewissen Folgerichtigkeit auch an diesen zugrunde, ein wunderbarer Titel ist etwa “One Scotch, one Bourbon, one beer”. Er war ansonsten wichtig für die Entwicklung des Boogies und gilt als Vorbereiter des Rock’n Rolls. Hier ein Lied ohne Alkohol im Titel:

Und sonst noch: Diana Krall, z.B. Wallflower. Schön laid back. oder wie man das nennt. Mir fehlt nur der Kamin zur Musik.

Kleine Szenen (6)

Ich lese Meldungen in den Refugee-Support-Gruppen auf Facebook, da geht es oft auch um den Hamburger Hauptbahnhof. Bei der Deutschen Bahn haben jetzt mehrmals Menschen angerufen und sich beschwert: Wenn die Suppe der Hilfsinitiativen aus dem Stadtteil hier an die Geflüchteten ausgegeben wird, dann bilden die Hungrigen vor dem Versorgungsstand im Zelt auf dem Bahnhofsvorplatz eine Schlange. Und diese Schlange ist anderen Menschen im Weg, die müssen dann nämlich darum herum gehen. Und so geht es ja nun nicht.

Immer wieder fallen mir, wenn ich morgens durch den Bahnhof zu meiner S-Bahn gehe, in den Grüppchen der Geflüchteten, die da hinter den Helfern her zu einem Gleis gehen, Menschen auf, die weniger Gepäck dabei haben als die Hamburger Büroangestellten auf dem Weg zu ihrem Schreibtisch. Und Menschen mit viel Gepäck, also etwa mit einer Menge, die wir nach Mallorca mitnehmen, sieht man fast gar nicht.

Ein kleines Mädchen aus, na, sagen wir Syrien, füttert Tauben vor dem Bahnhof, lacht und freut sich, weil die Vögel tatsächlich kommen und an ihren Krümeln picken, die sie aus einem Brötchen zupft. Gibt es Tauben in Syrien? Ich habe keine Ahnung. Neben dem Mädchen stehen zwei vermutlich deutsche Rentnerinnen, kopfschüttelnd: Taubenfüttern! Das auch noch!

Ein erstaunlich warmer Herbstabend, nachdem es hier schon früh im Jahr ziemlich kalt, nass und gemein war. Aber heute geht man noch einmal entspannter durch den Abend, freundliche elf Grad, überhaupt kein Wind, die Schultern lockern sich wieder, manche laufen ohne Jacke herum. Am Nachmittag war ein merkwürdiges Licht in der Stadt, fahle Sonne, die Herbstblätter leuchteten darin noch heller als sonst, überall Straßen mit Goldrand. Auf dem Bahnhofsvorplatz liegen jetzt am frühen Abend wieder Menschen einfach auf dem Boden und schlafen eine Stunde oder mehr, bis der nächste Zug nach Norden fährt. Manche schlafen da mit ihren Kindern im Arm. Anorak, Mütze, zwei Decken, das geht. Bei diesem Wetter muss man sich nicht für ein paar Stunden ein Dach suchen, ein Zelt, einen Platz in irgendeiner Einrichtung. Man muss niemanden um etwas bitten. Man kann einfach irgendwo ein wenig schlafen. Für den nächsten Tag ist schon wieder Regen angesagt.

Ohne Titel

Ich gehe um die Alster, es ist ein Sonntagvormittag. Dunkle Wolken ziehen über die Stadt. Aber es riecht noch nicht nach Regen, die Luft ist oktoberklar und zwischen den Wolken bricht alle paar Minuten die Sonne hervor, dass die alten Bäume am Alsterufer im Licht plötzlich aufflammen, jähes Gold, unfassbares Rot. Die Alster liegt dunkelblau, darüber Wolken, die sich immer höher türmen. Jetzt ist eine Wolkenlücke mitten über dem Wasser, dass die Sonnenstrahlen wie schräge Säulen zu den Ufern streben, ein kathedralenhafter Anblick wie aus einem völlig überzeichneten Stadtwerbeprospekt. Ein Windhauch geht durch die Bäume, aus deren sachte bebenden Zweigen sich Laub löst, als würde alles auf einmal losgelassen, immer noch mehr und noch mehr kommt da herunter, obwohl es doch nur ein Windchen war. Die Bätter kapriolen durch die Luft, sie lassen sich Zeit bis zur Landung. Der Herbst wirft mit Gold, es regnet maßlose Pracht auf die Spaziergänger, die stehenbleiben und mit offenem Mund nach oben sehen, weil es ein so überaus perfekter Herbstmoment ist. Sie sehen nach oben in die trudelnden Blätter und dann wieder nach vorne über die Alster. Paare rücken enger zusammen, Handyfotos, zeigende Finger, sprachloses Staunen, es ist schön, es ist so schön hier, guck doch mal, wie schön. Ja. Die Menschen gehen weiter, sie gehen langsam durch all die Schönheit, man hat Zeit und ist beglückt. Man trägt neue Herbstmode und sieht aus wie frisch renoviert, die Kulisse ringsum könnte in keiner Oper ansprechender oder üppiger sein und der Wein an den alten Villen im Alstervorland färbt sich auch diesem Jahr wieder äußerst geschmackvoll rot, auch darauf zeigt man. Wie er das immer hinbekommt, so genau richtig rot zu werden, man könnte heute jede Mauer, jedes Blatt und jeden Zaun für so ein Landlustmagazin fotografieren. Von irgendeinem Elend, von irgendeiner Krise sieht man hier nichts, gar nichts.

Ohne Titel

Ein junger Vater kniet in der Wandelhalle neben seinem etwa sechsjährigen Sohn. Sie knien vor einer Steckdose unter einer Treppe, sie laden da ein Handy auf. Vor ihnen liegen noch mehr Handys, ein ganzes Bündel verwirrter Ladekabel. Der Vater erklärt dem Jungen gerade ein Spiel auf dem Handy, der Sohn ist hochkonzentriert und ganz offensichtlich sehr begeistert. Er legt sich auf den Bauch, man sieht seine Aufregung an den wild zappelnden Füßen. Der Vater sieht ihm eine Weile zu, ob auch alles funktioniert, ob der Kleine alles verstanden hat, sagt noch einen Satz, zeigt noch einmal aufs Display, dann steht er auf und streckt sich. Genau wie ich den Söhnen etwas auf dem Handy zeige. Nur nicht mitten im Bahnhof, abends um halb zehn.

Für die Hilfsinitiativen hier im kleinen Bahnhofsviertel kann man weiterhin spenden. Für die Suppe, die den Geflüchteten am Bahnhof gereicht wird, für so elementar Wichtiges wie Trinkwasser, für die Nachtquartiere, für etwas Hilfe auf dem Weg. Spendenbescheinigung auf Wunsch möglich! Vielen Dank.

 

Woanders – Die elfte Sonderausgabe Flucht und Fremdenfeindlichkeit

In der letzten Ausgabe dieser Sammlung hatte ich einen Artikel, in dem es um die hochkomplizierte Registrierung der Geflüchteten ging, von bis zu sechs behördlichen Durchgängen mit wahnsinnig viel Papier und etlichen Softwarevarianten war da die Rede – hier sozusagen ein Update dazu.

Weltpolitik: Der Großkommentar der Woche reicht vermutlich für einen ganzen Becher Kaffee, er steht in der Zeit und ist von Bernd Ulrich.

Deutschland: Und wenn man schon bei Kommentaren ist, Sascha Lobo hat etwas über den braunen Frühling in Deutschland geschrieben, mitten im Herbst.  Man möchte hoffen, dass er falsch liegt, aber woher soll man die Hoffnung nehmen?

Deutschland: Und der Herr Prantl sortiert auch noch einmal die Lage durch.

Deutschland: Ein weiterer Kommentar bei Carta, dort ist insbesondere der Hinweis darauf wichtig, dass dieses Land hier nicht seit Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten ein aufgeklärtes, liberales, tolerantes Wundermodell für den verstockten Rest der Welt ist. Da betreiben nicht wenige Menschen, besonders aus dem eher konservativen Spektrum, gerade munter Geschichtsfälschung, als wären  die 68er schon hundert Jahre früher durch Berlin gelaufen. Sind sie nicht, und sie waren bitter nötig, da wo sie waren und genau zu dem Zeitpunkt. Wie übrigens auch die Emma, wie auch die Friedensbewegung, wie auch die ersten Grünen im Bundestag. Und die waren alle quasi eben gerade erst, nicht direkt nach dem Rückzug Napoleons. So viel Vorsprung haben wir nun wirklich nicht, das Ross sollte doch lieber nicht ganz so hoch sein.

Deutschland: Sarah Connor hat Flüchtlinge aufgenommen und schreibt selbst darüber. Und auch Familien aus Wildeshausen – wo auch immer das ist – nehmen Menschen auf. Beim NDR gibt es einen Film über Menschen, die nicht hinnehmen wollen, dass andere im kalten Hamburger Herbst in Zelten übernachten müssen.

Deutschland: Im Neusprechblog erörtert man rückkehrpolitisch relevante Drittstaaten. Ja, so heißen die.

Deutschland: In ziemlich überraschender Deutlichkeit nennt die Welt Sprecher der Polizeigewerkschaft Steigbügelhalter der AfD, NPD etc.  Es ist mittlerweile immer überraschender, welcher Text auf welcher Seite erscheint.

Deutschland: Bei der Deutschen Welle geht es um das Geschäft mit den Flüchtlingen, ein Thema, bei dem mit ziemlicher Sicherheit noch der eine oder andere Skandal zu erwarten ist.

Deutschland: Zum Jahrestag der Pegida-Bewegung gab es viele Kommentare, hier einer in der Jüdischen Allgemeinen. Im Text kommt der Name Rothschild vor, ich habe an dem Tag, an dem ich diesen Link hier eingebaut habe, gleich dreimal in irgendwelchen Kommentaren unter Meldungen zum Thema Flucht und Migration Hinweise auf die Weltherrschaft der Familie Rothschild gelesen. Da guckt man dann auch noch einmal fragend auf den Kalender, in welchem Jahr und in welchem Jahrhundert man eigentlich gelandet ist.

Deutschland: In diesem Zusammenhang ein Blogartikel aus SPD-Basisperspektive, der die Frage aufwirft, ob das alles jetzt der Anfang ist. Und obwohl ich dem Verfasser darin zustimme, dass es in den Parteien, natürlich nicht nur in der SPD, viele engagierte Menschen gibt, sehe ich gerade bei der SPD keinerlei Verbindung mehr zur Politik in Berlin. Das hängt inhaltlich nicht mehr zusammen, auch bei den Grünen übrigens nicht.

Deutschland: Da die Meldungen sich so schnell überschlagen, gehen ordnende Texte schnell unter, hier noch einmal eine sehr vernünftige und hilfreiche Liste der Kritikpunkte an der letzten Asylgesetzänderung, das nach neuerer Kenntnis schon ab diesem Wochenende gilt.

Deutschland: Ordnen kann man auch historisch, das geschieht hier mit einer praktischen Übersicht der Migrationsbewegungen aus und nach Deutschland. Ohne den zweiten grauen Kasten von oben gäbe es mich auch nicht. Mit dieser Welle kam mein Urgroßvater Jean-Stanislaus aus einem Dorf in der Gegend um Lodz nach Gerresheim, wo es damals Arbeit für Glasbläser gab. Er hatte einen Sohn und vier oder fünf Töchter, ich habe sie als alte Damen noch höchst bemerkenswert und mit größeren Mengen Alkohol feiern sehen. Schon die nächste Generation konnte dann aber kein Wort Polnisch mehr. Außer schisskojenno, aber das ist ja auch ein wichtiges Wort, das kam bei mir noch an.

Deutschland: Es gab einen Artikel in der Zeit, in dem es um die Frage ging, ob einige der gerade mehr oder weniger prominenten Radikalrechten Nazis sind oder nicht, der Artikel wurde sehr oft geteilt. Bei der Ennomane kann man eine Gegenposition lesen, der Zeit-Artikel, um den es geht, ist dort ebenfalls verlinkt. Der in den Texten gemeinte Björn Höcke spielt auch eine Rolle in diesem Kommentar in der taz zur Frage der Mitverantwortung am Terror von rechts.

Deutschland: Ein Bericht aus der Notaufnahme, unter besonderer Berücksichtigung der Clambofylzieen. Da staunt nicht nur der Laie.

Syrien: Bei den Krautreportern – gerade noch ohne Paywall – wird der Syrienkrieg noch einmal ganz von vorne erklärt. Kann auch nicht schaden, denn wer kann diese Geschichte schon aus dem Stegreif aufsagen.