Kurz und klein

Woanders – der Wirtschaftsteil

Übers Wetter haben Menschen schon immer geredet, über das Klima reden wir erst seit einiger Zeit – dafür aber immer häufiger. Wenn man die Medien beobachtet, wie wir das hier tun, kann man sagen: es erscheinen seit etwa einem Jahr signifikant mehr Artikel zum Thema Klima, in seltsamen Unwetterperioden wie in den letzten Wochen natürlich noch viel mehr. Der Deutsche Wetterdienst hat in der letzten Gewitterphase 3.000 Warnungen herausgegeben – nicht nur das Wetter ist extrem, auch solche Zahlen sind es. Hier eine wissenschaftliche Einschätzung der aktuellen Situation in Nordeuropa.

Etwas polemischer macht das natürlich mehr Spaß, das finden wir hier. Aber polemisch hin oder her, in den Beitrag ist ein Film eingebettet, und den sollte man ruhig mal bis zum Ende ansehen, das sind 11 gut investierte Minuten, dann versteht man wieder ein wenig mehr vom Thema. Im Text wird ein eher schmaler Temperaturkorridor erwähnt, in dem wir uns wohlfühlen. Dazu bitte auch diese Meldung aus Indien zur Kenntnis nehmen, das hat dann mit Wohlfühlen nämlich rein gar nichts mehr zu tun.

Polemik erreicht die Rezipienten auf einer anderen Ebene als die Logik, und wie man beim Thema Klimawandel wen erreicht, das ist eine Frage, die auch nicht ganz unwichtig ist. Denn wir reagieren ja einfach nicht (englischer Text). In dem SZ-Text ist auch die Rede von der Trauer um das Zeitalter der fossilen Energie, was vermutlich ein Satz ist, der nur auf den ersten Blick wie ein Scherz klingt. Wenn man direkt dahinter diese Meldung über Norwegen liest (englischer Text), wird das vielleicht etwas deutlicher, es ist eben ein Zeitenswechsel, da endet also auch etwas. Da wird z.B. der Wandel im Verkehr, dessen Geschwindigkeit unsere jetzige Vorstellungskraft wohl noch etwas überfordert, plötzlich ziemlich deutlich. Eine ganz ähnliche Meldung gab es übrigens neulich aus Holland, beide Länder sind nicht allzu weit weg von uns, sollte man meinen. Es geht aber auch noch näher – Berlin.

Ein Punkt, der immer noch oft untergeht, ist die Tatsache, dass der Klimawandel die ärmeren Länder härter trifft (englischer Text).In diesem Zusammenhang auch die etwas saloppe Frage, ob das vorhin schon erwähnte Indien die Kurve kriegt.

Den Perspektivwechsel, den wir in dieser Kolumne oft versuchen, etwas einmal von ganz oben, dann wieder aus der nächsten Nähe zu betrachten, den bekommt man beim Klimawandel ganz besonders gut hin. Wir sehen erst einmal global auf diese in den sozialen Netzwerken ungeheuer erfolgreiche Grafik oder, warum auch nicht, auf die Sichtweise der katholischen Kirche – und direkt danach vor unsere unsereHaustür, bzw. vor unsere Deiche. Wobei die Redewendung “vor unserer Haustür” auch durchaus angebracht ist. Und noch einmal apropos Häuser, es geht auch oft unter, dass Menschen bereits jetzt wegen des Klimawandels ihre Heimat verlassen müssen. Nicht erst in irgendeiner nur vielleicht halbwegs nahen Zukunft, es ist die Gegenwart, in der das passiert.

Der Mensch kommt in solchen Situationen auf Ideen, denn der Mensch will dauernd etwas machen.  Dass die Lösung wohl darin liegt, etwas nicht zu machen, Verzicht zu üben, Ansprüche zurückzuschrauben, darin liegt wohl eine der Hauptschwierigkeiten für uns. Etwas nicht zu machen, das fühlt sich einfach nicht wie eine gute Tat an, das ist nichts für Macher wie uns, da müssen wir unser Selbstbild wohl grundlegend renovieren. Aber warum sollten wir das nicht können? Renovieren … da macht man doch schon wieder was.

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Ein anderer Spiegel

Sohn II hat, das kann man nicht übersehen, eine gewisse Ähnlichkeit mit mir. Also nicht unbedingt mit meinem jetzigen Ich, aber doch mit der sechsjährigen Ausgabe von mir, die es einmal gab. Ich habe nicht viele Kinderbilder von mir, aber im Moment sieht Sohn II dem Kind auf diesen wenigen Bildern so dermaßen ähnlich, dass es äußerst seltsame Effekte hat, wenn ich ihn ansehe. Denn manchmal ist der Sohn auch so angezogen, dass die Gegenwart sich modisch nicht in den Vordergrund drängt. Und manchmal ist da auch nichts an Deko oder Zubehör neben oder hinter ihm, was zwingend nach 2016 aussieht. Manchmal läuft er einfach nur über irgendeinen zeitlosen Rasen oder springt in Pfützen oder balanciert über Mauern und sieht zwischendurch zu mir und lacht und ruft irgendwas und bekommt gar nicht mit, dass ich vermutlich ziemlich eigenartig gucke.

Weil da etwas passiert, was ich so noch nie erlebt habe, sein großer Bruder war mir nicht annähernd so ähnlich. Weil mich ein jäher, wilder Schmerz durchfährt, wenn ich den Sohn so sehe, wie ich jahrelang mein eigenes Spiegelbild gesehen habe, mein damaliges Spiegelbild in Spiegeln, Fenstern, Pfützen, Saftgläsern und den Sonnenbrillen der Großen, überall, kindersommerlang und genau so. Mein eigenes Spiegelbild mit diesem Grinsen und den wirr ins Gesicht hängenden Haaren und dem Dreck auf den Wangen und der Frechheit in den Augen und der Zahnlücke und allem, das ist doch nicht er, das bin ich, tat tvam asi, ich bin ich, und der da draußen, das bin ich auch. Weil es in höchst irritierender Weise so ist, wirklich überzeugend so ist, als würde ich geradewegs durch die Zeit gucken, immerhin 44 Jahre zurück in irgendeinen Sommertag damals, Juni 1972, und ich gucke in einen gespiegelten Moment, in dem ich lachend über eine Mauer balanciere, nicht er, in dem ich auf einen Baum klettere, nicht er, in dem ich über den Rasen laufe, nicht er – und das ist verbunden mit einer Traurigkeit, über die ich erst einmal eine ganze Weile nachdenken musste, bevor ich sie verstanden habe. (mehr …)

Woanders – Mit Greene, Reemtsma und anderem

Die FAZ über den Dritten Mann – wobei Greene sowieso immer wieder empfohlen werden muss, bevor er ganz in Vergessenheit gerät. Obwohl ich mit dem Katholizismus nichts im Sinn habe, sind auch seine Romane, die sich ausdrücklich um den Gottesbegriff drehen, wirklich lesenswert, etwa “Das Ende einer Affäre”.

Das Interview mit Reemtsma zum Thema Gewalt ist zwar schon überall verlinkt worden, das ist aber auch richtig so und wichtig.

Auf die Gefahr hin, dass ich der letzte WordPress-Blogger mit gelegentlicher Werbung im Blog bin, der es noch nicht kannte – mit diesem Plug-In kann man No-Follow-Links ganz simpel einbauen.

Ein Artikel über die gruseligen Folgen des Social Scorings.

Und noch eine Instagram-Follow-Empfehlung: Tsitsicos aus Griechenland.

Ab und zu finde ich noch Kolibris – ich berichtete -, die ich noch nicht fotografiert habe. So wie dieses bodennahe Exemplar vor der Turnhalle, in der die Söhne neuerdings Taekwondo lernen, weil sie gerne Bretter durchhauen möchten, was ja ein verständlicher Wunsch ist. Ich unterstütze das, habe jetzt aber auch unsere Frühstücksbrettchen unter verschärfter Beobachtung.