Das erste Wort in der Überschrift kommt Ihnen vielleicht rätselhaft vor, das ist verständlich, ich kannte es bis vor ein paar Stunden auch nicht. Es dient mir auch nur als Beispiel für das, was ich gerade durch den verschärften Konsum englischsprachiger Gartenblogs lerne. Denn man hat zwar die gängigen Gemüsesorten, Kräuter und Blumen vielleicht noch als Vokabel parat, wenn es aber etwas spezieller wird, ist es schnell zappenduster, zumindest bei mir. Gärten erreichen Stellen im Hirn, da kam die Schulbildung nie hin. Und oft begegnen mir bei dieser Lektüre sogar Vokabeln, deren Bedeutung ich schnell google – und dann die deutsche Übersetzung auch nur mit “Hä?” ansehe. Weil nie gehört. Penstemon, das jedenfalls ist der Bartfaden, können Sie sich gleich merken, super Vokabel um dezent anzugeben, etwa wenn man bei englischen Gastgebern einen Blick in deren Garten wirft und beiläufig die Schönheit der Penstemons lobt. Da darf man sich dann gleich ein paar andere Fehler im Englischen erlauben, denke ich. Die Penstemons oder Bartfäden kann man sich natürlich auch in der Google-Bildersuche ansehen, die sind gar nicht mal so hässlich! Gleich vorgemerkt (und zwar den Bronze-Bartfaden von hier, das soll ein sehr guter Versand sein, sagen andere Gartenfreunde, aber noch nicht getestet).

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“Wir müssen für Empörung sorgen.” Im folgenden Link der Clip einer Sendung über das Heimatdorf der Herzdame. Ich hatte neulich gerade erst ein Audiofile aus dem Ort, das ist aber ein seltsamer Zufall, dass der gerade so oft vorkommt, tatsächlich waren wir lange nicht mehr da. Im Clip ein Interview mit einem der Dorfbewohner, es geht um das Dorfsterben im allgemeinen und in Friedewalde, das der dezent uninformiert wirkende Moderator zunächst konsequent Finsterwalde nennt, im Besonderen. Der Herr aus dem Dorf sagt da eine pappeinfache, fundamentale und immerwährende Wahrheit, an der man gesellschaftlich nicht vorbeikommt: “Sie brauchen im Dorf Leute, die bereit sind, mehr zu tun, als sie tun müssen.” Man kann das Wort Dorf dabei beliebig skalieren. Der Clip ist hier.

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Ansonsten habe ich den Tag größtenteils im Kinderkrankenhaus verbracht, Verdacht auf Blinddarmentzündung, aber eben nur Verdacht, vielleicht auch nicht, die einen sagen so, die anderen sagen so, alle warten auf den Chef, der dann aber gar nichts sagt, und zwischen denen, die da etwas oder nichts sagen, liegen jeweils ein paar Stunden. Das Kind liegt da jetzt noch etwas zur Beobachtung und spielt Nintendo bis zur völligen Umnachtung, so hat die Sache wenigstens einen Vorteil. Also für den Sohn. Ich habe im Krankenhausbistro etwas gegessen, was mich vermutlich noch lange in meinen Träumen verfolgen wird, der Sohn dagegen darf gar nichts essen, weiß aber nicht, wie gut das im Krankenhaus ist. Schwierig.

Gottseidank hatte ich ein Buch dabei: Remo Largo, “Das passende Leben”, das ist ja schon mal ein anziehender Titel, wer hätte das nicht gerne, ein passendes Leben. Remo Largo kennt man vielleicht als Autor von Büchern zur Kindermedizin und kindlichen Entwicklung, in diesem Buch hier geht es um den auch erwachsenen Menschen, um dessen Vielfalt und Möglichkeiten, und nach den ersten hundert Seiten zu urteilen, lohnt die Lektüre. Sie führt natürlich zu den Fragen, die sich auch im Wirtschaftsteil für die GLS Bank (hier die letzte Ausgabe, gute Texte zum Thema Stau!) dauernd stellen: Was machen wir hier eigentlich und warum? Wie gestern bereits festgestellt, sind das gar keine unpassenden Fragen am Jahresanfang, ich lese also mal weiter. Aus gärtnerischen Gründen freut mich zwischendurch schon mal die Erwähnung der genetischen Verwandtschaft des Menschen mit dem Kohlgemüse, da sät man doch gleich mit noch innigeren Gefühlen. Das Buch ist übrigens frei von jedem Esoterikverdacht, der Titel klingt vielleicht danach? Nein, das ist ganz down to earth, es mündet eher in gesellschaftlichen Überlegungen und naheliegenden Fragen nach den Möglichkeiten des menschlichen Glücks, es sind ähnliche Fragen, die neulich bei der Kaltmamsell diskutiert wurden, als es dort um die Entwicklung seit unserer Großelterngeneration ging, Stichwort hedonistische Adaption. Sehr faszinierendes Thema!

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“Na, schreibste da Lügengeschichten, Papa?”

“Mir widerstrebt dieser zunehmend laxe Umgangston hier, in dem sich familieninterne Imageprobleme unschön spiegeln, junger Mann.”

“Äh, was?”

“Schon gut. Ich blogge.”