Morgens mit dem Blinddarmkind zum Kinderarzt, warten, warten, warten. Wir lesen immerhin Bücher im Wartezimmer und spielen nicht auf mitgebrachten Elektrogeräten herum, so weit, so bildungsbürgerlich, man muss auch die kleinen Erfolge sehen. Und veröffentlichen. Im Wartezimmer ein Holzboot zum Spielen, daran hängt ein Rettungsring. Ein kleiner Junge fragt, was das denn sei? Die entgeisterte Mutter sagt “Das ist ein Rettungsring, aber das musst du doch wissen.” Und dann sagt sie es immer wieder: “Du musst doch wissen, was ein Rettungsring ist!” Das Kind ist etwa drei jahre alt. Andere Eltern, ein ewiges Rätsel. Im Gespräch mit dem Arzt kommen wir dann auch nicht recht weiter. 

Ich: “Wenn das jetzt doch noch einmal schlimmer, wird, wo gehen wir dann hin, wieder zu Ihnen oder gleich ins Krankenhaus?”

Kinderarzt: “Da haben Sie freie Auswahl.”

Ich: “Endlich mal, davon träumt man doch immer. Toll!”

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Danach fliegender Wechsel mit der Herzdame, Stunden zu spät ins Büro gerannt. Zwischendurch hektische Abstimmung, wer im Laufe der Woche wann und wie lange beim Kind auf dem Sofa bleiben kann, Home-Office, verschobene Arbeitszeiten und sonstige Optionen, Sie kennen das. Also wenn Sie Kinder haben zumindest.

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In der S-Bahn zum Büro liest der Mann mir gegenüber eine beachtlich dicke “Histoire de l’Allemagne” in einer Taschenbuchausgabe. Er ist noch ganz vorne, auf den ersten drei Seiten, und guckt dann aber gar nicht weiter ins Buch, sondern aus dem Fenster, wobei er das Stück Allemagne, das da vorbeigleitet, mit einem Gesichtsausdruck betrachtet, der mir kurz vor Ekel zu sein scheint. Aber gut, wir fuhren durch Hammerbrook, da gucken alle so, die versehentlich den Blick heben.

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Nach der Arbeit noch schnell zur Bücherei, das kranke Kind braucht Bücher. Danach Termin mit dem anderen Kind am anderen Ende des Stadtteils, danach noch ein Termin nicht mit ihm, aber doch seinetwegen. Danach ist der Tag schon vorbei,  ganz komisch.

Sitze auf dem Sofa und hänge wüsten Vereinbarkeitsphantasien nach.

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Ansonsten trägt hier ein Kind ein weißes Hemd von mir und ist damit ein Pirat. Komisch, wenn ich das trage, bin ich damit Controller. Nächstes Mal genauer hinfühlen.

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Weiter in Remo H. Largos “Das passende Leben” gelesen, diesmal nirgendwo hängengeblieben. Es ging aber auch hauptsächlich um Kompetenzen, damit habe ich es ja nicht so. Nachdenken über passende Bücher.