Unbekannte Gemüse und weiterführende Schulen

Ich habe hier drüben Wasserspinatsamen gewonnen. Ich habe nicht die leiseste Ahnung, was Wasserspinat überhaupt ist, ich habe nie vorher davon gehört, aber egal, ich pflanze das ein. Obwohl das Gemüse etwas problematisch klingt, Wasserspinat, da denkt man doch eher an Rahmspinatfail, Küchenprobleme und Chefkochdesaster als an feines Essen. Ich bin aber sicher, das wird gut, ich vertraue der Bloggerin drüben voll und ganz. Den Beschreibungen nach wächst das Zeug außerdem gut, wenn es nass steht, das sollte in Hamburg nun wirklich kein Problem sein, nass können wir. Vom Geschmack werde ich dann nach der Ernte berichten. Wenn ich es bis zu einer bringe.

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Im Vorbeigehen gehört:

„Wie diese kleinen Läden hier wohl alle überleben, mit dem überschaubaren Angebot?“

„Du überlebst doch auch.“

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Heute erfolgte die Anmeldung eines Sohnes auf einem Gymnasium, also schon wieder ein erstes Mal. Die Kinder werden heutzutage zu diesem Anlass dort dem Direktor vorgestellt, ich kann mich nicht ansatzweise erinnern, dass das in meiner Kindheit auch der Fall war. Vermutlich wurden wir noch kurz vor Beginn des Schuljahres nebenbei per Telefon im Sekretariat avisiert oder aber am ersten Tag der fünften Klasse einfach dort durch die Tür geschoben. Und es gab natürlich auch im Jahr vor dem Schulwechsel keine Tage der offenen Tür, an denen sich die weiterführenden Schulen den künftigen Schülerinnen möglichst liebreizend und einladend präsentiert haben, also mit beeindruckenden Aufführungen der Schülerband und des Schulchores, mit hilfreich herumführenden Oberschülerinnen und endlosem Erklärwillen aller Beteiligten und lustig experimentierenden Physiklehrern vor brandneuen Legorobotern, oh nein, es gab da eher einen ausgeprägten Angstkult.

“Warte bis zum Gymnasium, da wird es richtig schwer!” “Du kriegst Latein, da musst du dann erst richtig arbeiten.” “Ja, das wird alles sehr mühsam, aber da musst du eben durch.” “Viele schaffen das ja nicht, immer dran denken, mein Freund!” “In Mathe hast du eh keine Chance. Überhaupt keine.”

Und alle haben bei diesem Angstkult mitgemacht, im Nachhinein ist es eigentlich recht merkwürdig. Ich hatte aber sowieso durch das fliegende Klassenzimmer und die Feuerzangenbowle  etwas falsche Vorstellungen von Gymnasien und den dort lehrenden Professoren, ganz so schlimm kam es dann doch nicht. Na, die Zeiten ändern sich.

Damals war übrigens auch die Schulwahl noch viel einfacher als heute beim großen Sohn, ich ging selbstverständlich dahin, wo meine Geschwister auch schon waren. Um mir dann neun, nein, zehn  Jahre lang anzuhören, wie es mit denen war: “Ihre Schwester war ja auch nicht gerade die Fleißigste!” “Ihr Bruder war aber viel interessierter an Bio! Der war richtig gut! ”

10 Kommentare

  1. Wasserspinat ist ausgesprochen lecker. Gib’s im Asialaden hinterm Kaufhof oft frisch. Wusste gar nicht, dass der hier auch ’ne Chance hat zu wachsen. Muss direkt mal nach Samen gucken.

  2. Ich gestehe – auch meine Vorstellung vom Gymnasium wurde entscheidend von Erich Kästners „Fliegendem Klassenzimmer“ geprägt.
    Nun war das zu meiner Zeit „auf dem Dorf“ und in einem nicht mehr existierenden Staat aber noch ganz anders … man wechselte nach der 10. Klasse auf eine EOS (Erweiterte Oberschule), sofern die Bewerbung dort angenommen worden war. Es gab nur die eine in der Kreisstadt … aber eben vom Dorf zog man dann für 2 Jahre wochentags ins Internat … schon ein bisschen wie bei Kästner!
    So war das für mich eine ganz neue Erfahrung, jetzt in der Stadt wohnend in der 3. oder 4. Klasse der Söhne die weiterführende Schule auszuwählen und die Söhne dort vorzustellen und dann zu hoffen, dass das auch alles so klappt.

  3. Wir wohnen in einem Dorf ohne weiterführende Schule und haben insgesamt 5 Gymnasien in zwei Städten zur Auswahl.
    Bei meinem Sohn gab es die Angstkultur von Seiten einer Grundschullehrerin, aber das hat ihn nicht so beeindruckt, da er ja Kumpels mit älteren Geschwistern hatte, die auf ein bestimmtes Gymnasium gingen und die waren alle ganz gechillt. Und für diese Schule hat er sich aus diesem Grund entschieden.
    Meine Tochter wollte dann von Anfang an auch dort hin, weil sie ja wusste, wie cool es dort ist.
    Ein anderes Gymnasium hatte mal einen Schulleiter, der bei der Begrüßung der neuen 5.Klässler gesagt hat, dass in etwa die Hälfte von ihnen das Abitur schaffen wird.
    Der Schulleiter an der Schule meiner Kinder äußert bei der Begrüßung immer den Wunsch, in 8 Jahren, in ebendieser Zusammensetzung die Abifete zu feiern.
    Und dort betont er dann auch, dass ihm wichtig ist, als was für Menschen sie die Schule verlassen und nicht mit welcher Note.
    Es gibt nur ein Gymnasium, dass ein Schaulaufen aller Bewerber inkl. Eltern veranstaltet. Das hätte nichts mit der Auswahl der Schüler zu tun, aber es ist schon auffällig, dass sie vorwiegend Akademikerkinder und Kinder von Selbständigen nehmen.
    Die Lehrer an der Schule meiner Kinder fragen zwar mal das eine oder andere Kind, ob es einen Bruder/Schwester in der E-Phase/Unterstufe hat, aber glücklicherweise vergleichen sie die beiden nie miteinander. Die zwei sind so unterschiedlich in ihrem Auftretung und ihrer Arbeitsweise, das kann man gar nicht vergleichen.

  4. Nachdem ich jetzt Bilder davon gesehen habe, wurde mir klar, dass ich den am Wochenende in einem Asia-Gericht gegessen habe. Und mich die ganze Zeit gefragt habe, was das ist. Da in meinem Garten eher Wassermangel herrscht, ist das wohl nichts für uns.

  5. Dochdoch, ich habe die Direktorin des Gymnasiums vor rund 40 Jahren auch persönlich kennengelernt; ich glaube aber, es hing damit zusammen, dass ich den Moment der offiziellen Anmeldung verpasst habe und daher einen persönlichen Termin bekam.

  6. Wir durften auch beim Direktor antreten, aber das waren die Chaosjahre in Berlin, als in Ostberlin quasi über Nacht das Westberliner Schulsystem eingeführt wurde.

    Diese Angstmacherei oder auch Schwarzmalerei ist mir auch im Studium übel aufgestoßen. Was soll dieses Machogetue gegenüber Erstsemestern, dass die Hälfte im Hörsaal eh rausfliegen wird?

  7. Hallo Max,
    wie cool, dass es der Wasserspinat in diesen Beitrag geschafft hat. <3 Ich sitze hier gerade zwischen Samentütchen und Versandadressen und bin schon ganz freudig aufgeregt.
    @madelif: Ich baue den einfach in einem Topf mit tiefem Untersetzer an, so kann man endlich mal ne schöne Staunässe produzieren, wo das doch sonst kaum eine Pflanze verträgt…
    @Hamburger Arroganz: Der Wasserspinat war wirklich der heimliche Star aller meiner Gemüse letztes Jahr. Wenn er Dir schmeckt, kann ich ihn zum Anbau wirklich ganz doll empfehlen!
    Viele Grüße,
    Caro

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