Offline

Ich war, wo ich sonst nie bin, ich war in einem Kaufhaus. Also in einem ganz großen, in der Hamburger Innenstadt stehen noch welche. Da gab es in der hinterletzten Ecke einen Ständer mit Notizbüchern im dringenden Sonderangebot, denn vermutlich werden Notizbücher überhaupt nur im Januar verkauft: “Dieses Jahr schreibe ich aber mal was auf!” Und dann liegen sie da doch wieder leer herum und niemand kauft im Februar ein zweites und in den Kaufhäusern schiebt murrendes Personal lustlos die Stapel hin und her. Aber wo Notizbücher liegen, da blättere ich jedenfalls interessiert herum, denn Notizbücher kann man nie genug haben und die Suche nach dem perfekten Notizbuch ist bekanntlich endlos und nein, Moleskine ist doch nicht die Antwort auf alles.

Da lagen dann, ich habe sehr gestaunt, “Blogger-Notizbücher”, das stand tatsächlich so auf dem Einband. Man konnte vorne seine Followerzahl eintragen, auch seine Wunschfollowerzahl und seinen Blognamen mit Domain und so etwas, überall waren lustige Bulletpoints und handgeletterte Dingse und Aufzählungszeichen für viele, viele tolle Ideen, die man dann verbloggen soll, kann, was auch immer. Unten auf jeder Seite stand lustig “Eat. Blog. Sleep. Repeat”. Vielleicht war es auch eine andere Reihenfolge, vielleicht war es auch noch ein Wort mehr, ich konnte das kaum erkennen, ich musste so lachen. Blogger-Notizbücher! Es war leider schon spät und kurz vor Ladenschluss, sonst hätte ich noch schnell bei der Herrenmode nachgesehen, ob man in diesem Frühling Bloggeranzüge und Bloggerübergangsjäckchen trägt. Aus besonders selfiefreundlichem Material und mit Extratasche für das Blogger-Notizbuch.

Eat. Blog. Sleep. Repeat. Wirklich, dieses Offline ist viel unterhaltsamer als man immer denkt. Da ruhig mal hingehen!

Jetzt erst einmal eat. 

20 Kommentare

  1. Das ist ja witzig… ein Blogger Notizbuch! Was es nicht alles gibt!!!
    Viele Grüße von
    Margit, die noch kein Blogger Notizbuch besitzt!!!

  2. Ich war sogar in einem drin, um eine Kapsel für den Sahne-Siphon zu kaufen. 10 kosteten mehr als 25 bei Amazon. Aber was soll man machen, wenn es Kaffeetafel gibt.

  3. Ich habe meine perfekten Notizbücher gefunden, vielleicht wären sie auch was für Dich? Von Leuchtturm 1917, mit Inhaltsverzeichnis, Paginierung, zwei Lesebändchen, Tasche und Gummischnipps. Aus Hamburg ?
    Nein, ich bekomme keine Prozente.
    Liebe Grüße a

  4. Blogger-Lifestyle-Accessoires soll es Gerüchten nach auch schon bei IKEA geben. Neben der Q-Dings-Ladestation spezielle Blogger-Schreibtische, mit Ellenbogenkerbe, Denkerstütze und integrierter, beleuchteter Follower-Anzeigetafel. Und dem dazu passenden Stehpult für den Flur – für Blogbeiträge zwischen Tür und Angel.
    Im Ernst: Leuchtturm 1917 ist edel und fein, kommt m.E. jedoch nicht an Moleskine heran. Dennoch: Meinerseits war die Enttäuschung sehr groß, als ich erfuhr, daß Mr. Hemingway entgegen der Überlieferung niemals in einem Moleskine notiziert hat – es handelte sich lediglich um einen Vermarktungstrick der Produzenten. Moleskine gab es zu Lebzeiten des Meisters überhaupt nicht. Enttäuschend. Völlig anders folgendes: In Nizza habe ich einst, irgendwann zwischen diesem und dem vergangenen Jahrtausend, in einem Trödelladen ein altes Notizbuch erstanden, in dem auf der ersten Umschlagseite ein „K.Mann“ vermerkt war, was auf den vermeintlichen Vorbesitzer Klaus Mann schliessen lassen sollte. Die Tochter des Ladeninhabers verriet mir aber, dass dieser diese verfälschten Signaturen lediglich zum Zweck eines beschleunigten Vertriebes auf eine Charge alter Notizbücher selbst auftrug – ein Betrug mit literaturgeschichtlichem Charme, wie ich meine. Auf die Frage, ob dies wirklich wahr sei, erwiderte allerdings das Mädchen: „Qui sait? Peut-être que oui, Peut-être que non …“.
    Alles so Dinge, die einen schon lange beschäftigen.

  5. Pingback: 011i
  6. Ich lasse das mal einfach so hier stehen mit dem simplen Verweis auf die unentdeckten Welten, die da draußen existieren. Bullet Journaling, eine eigene, extrem harsch urteilende Industrie. Wenn man nicht schön schreibt und viel verziert, ist schnell Schluss mit dem Respekt der Bullet-Journaling-Instagram-Crowd. (Die Leuchtturm-Notizbücher sind extrem gut geeignet.)

    https://www.buzzfeed.com/rachelwmiller/how-to-start-a-bullet-journal?utm_term=.qhz82n5bqQ#.dwWQxyGR9m

  7. Ich bin meinen alten Mantel unter der Bezeichnung „Bloggermantel“ sehr gut losgeworden. Das läuft so, seit es die Modeblogger gibt.

  8. Schon immer war ich eine leidenschaftliche Kalender- und Listen-Kritzlerin – ohne natürlich zu ahnen, daß dies dereinst mit einem eigenen Begriff geadelt werden würde. I give me the bullet!

  9. Pingback: Read on
  10. Die Geschichte „In Nizza habe ich einst, irgendwann zwischen diesem und dem vergangenen Jahrtausend, in einem Trödelladen ein altes Notizbuch erstanden, in dem auf der ersten Umschlagseite ein “K.Mann” vermerkt war“ entbehrt nicht eines gewissen Charmes.

    Immerhin stand ja nun nicht „Klaus Mann“ drin. Zum Klaus wird das K erst im Gehirn des Lesers.

    LG
    Ulrike

  11. Ich lach mich weg! Ich dachte immer, es gibt nur Bloggerscheren! Die Leuchtturmbücher find ich auch gut, momentan trag ich jedoch einen alten geschenkten Blindband auf, numeriere die Seiten per Hand , „male“ mir das Inhaltsverzeichnis selber… Danke für den offline-Ausflug. Kicher. Eva

  12. Pingback: el flojo

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