Irgendwo bellte ein Kind

Wenn ein Kind nachts wie ein alter Hofhund bellt, ist es am nächsten Morgen vermutlich krank, alte Regel. Das Home-Office übernimmt aber diesmal die Herzdame, ich fahre also wie immer ins Büro, und irgendwann endet sicher auch diese Virus-Saison. Die Etappen Magen-Darm und HNO haben wir hoffentlich in Kürze bald abgehakt, wobei wir Eltern diesmal gar nicht alles mitgemacht haben, vielleicht ist das alles daher gar nicht richtig gültig und geht in eine Wiederholungsrunde, man wundert sich über gar nichts mehr. Das Kind liegt vier Stunden etwas schlapp herum, steht dann geheilt wieder auf und will sofort zum Sport. Wir Erwachsenen würden da vermutlich drei Tage brauchen. Oder mehr.

In den Wetterberichten geht es derweil bemüht hysterisch um den “Arctic Outbreak” und den heranbrausenden “Tiefkühlhammer” aus Sibirien, um den “Frostschock am Wochenende”, man möchte ab und zu gerne beruhigend auf die Texter der Wetterschlagzeilen einwirken. Tatsächlich ist es draußen ein wenig frischer als sonst. Aber hey, es ist Winter.

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Im Büro mache ich jetzt auch wieder öfter Notizen mit der Hand, das soll ja mnemotechnisch total super sein. Ich finde das Schreiben mit einem Kugelschreiber aber ganz schrecklich, Bleistifte liegen mir auch nicht. Was nimmt man denn dann, wenn man nicht mit einem Füller schreiben möchte, was dann doch etwas affektiert wirken würde? Ich bin bei dem Thema irgendwie raus. Lesen hier so Schönschreibleute mit? Was nehmt Ihr für ein Schreibgerät, wenn es nicht so wertvoll wie ein Kleinwagen sein soll, aber doch möglichst gut?

Es ist übrigens ein wenig mühsam, sich wieder eine verbundene Handschrift anzugewöhnen, wenn man jahrelang nur so halb unverbunden mit eingestreuter Druckschrift geschrieben hat. Aber es geht! Und man schreibt dann natürlich deutlich schneller, also wenn man es geschafft hat. Die Herzdame übt währenddessen heimlich Sketchnotes, habe ich gesehen, die ist schon wieder weiter als ich. Schlimm.

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In der SZ ein Artikel über die Deutschen, ihren Autowahn und ihre Auto-Industrie. Er enthält zwar keine Überraschungen, wenn man sich für das Thema etwas interessiert, ist aber ein gut lesbarer Rundumschlag: “Der Autoexperte Stefan Bratzel beklagt die Abgehobenheit der Branche, kritisiert das jahrzehntelange Nichtstun der Politik – und erklärt, warum Autos für jüngere Menschen immer unwichtiger werden.

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Kürzlich belauschte ich ein Gespräch im Bus; zwei ältere Frauen sprachen über „diese jungen Ingenieure“. Die hätten ja zum großen Teil gar keinen Führerschein mehr, wunderte sich eine, und wollten den auch gar nicht machen; das hätte es früher nicht gegeben. Drei Kreuze, dachte ich; es besteht wieder Hoffnung.

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“Man darf einen Menschen nicht einfach verbuddeln.” Bei SPON geht es um die Beerdigung von Menschen, die keine Angehörigen haben, zumindest keine auffindbaren. Es ist zwar verdammt lange her, aber darüber habe ich auch schon einmal geschrieben.

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Garten-Update: Ich habe keine Ahnung, wie es im Garten aussieht, wir waren gar nicht da, denn vermutlich gibt es dort eh keine Neuigkeiten, der Bagger wird immer noch herumstehen. Aber auf unserer Fensterbank treibt der Salat aus der Anzucht in faszinierender Geschwindigkeit aus, ebenso der Wasserspinat. Die Chilis und die Zwiebeln warten wohl noch etwas ab. Aber langsam und zögerlich kommt da auch ein besonders mutiger Basilikum heraus und die Dahlie im großen Topf erwacht ebenfalls programmgemäß zu neuem Leben.

Ja, andere haben Dahlien, ich weiß, ganze Beete voll sogar, wir haben “die Dahlie.” Irgendwo muss man ja anfangen.

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Und der Musikclip des Tages kommt heute von Sohn I. Was junge Leute eben so hören. Verstörend.

46 Kommentare

  1. Waterman Füller. Seit Jahren derselbe. Bin mal im Flugzeug angesprochen worden darauf, er habe gleich gedacht, dass ich in der Buchbranche arbeite, wer schreibe denn sonst noch mit Füller. Kann ich empfehlen. Also den Waterman. Die Tintenpatronen heißen „serenity blue“.

  2. Manche Kugelschreiber liegen gut in der Hand. Und solange ihre Tinte noch frisch ist, rollt die Kugel auch recht gut. Aber das ist nicht von Dauer. Gerade die Fließunwilligkeit der Tinte gehört ja auch zum Prinzip.
    Und dann muss man doch wieder fest aufdrücken, verkrampft die Hand und schreibt wie ein alter Hausarzt.
    Wegwerfstifte – na ja.
    Warum nicht den Federhalter? Oder doch den Bleistift, damit wurde vor 100 Jahren auch auf Postkarten geschrieben.

    Vor einigen Jahren wurde ich mal um eine Trauerfeier gebeten für jemand, der niemanden mehr hatte. Ein Jahr vorher hatte ich seine Mutter beerdigt.
    Bei dieser Trauerfeier war immerhin die Betreuerin vom Sozialamt anwesend. Das habe ich ihr hoch angerechnet.
    Ein paar Jahre später wurde ich beauftragt für eine alte Dame, die ganz woanders verstorben war, einsam in einem Altersheim, aber in der Familiengruft bei uns beigesetzt werden sollte. Da habe ich ein paar Leute aus der Gemeinde gebeten, ihr das letzte Geleit zu geben. „Den letzten Weg geht man immer allein“, sagt Jacques Brel, aber wenigstens soweit es möglich ist, sollte jemand mitgehen. Nicht nur der Pfarrer und der Bestatter.

  3. Ich benutze seit einiger Zeit Frixion Tintenroller, die man auch wieder weg radieren kann (spannend, so etwas kennt die Autokorrektur gar nicht mehr, also „radieren“).
    Aber ehrlich gesagt überlege ich nun, ob es nicht nett wäre, mal wieder einen Füller zu benutzen. Herr Buddenbohm, Sie werden noch zum Influencer!

  4. Ich bin Linkshänderin und es schmiert grundsätzlich, wenn ich mit einem „normalen“ Kugelschreiber schreibe. Ich tausche immer die Mine gegen Gel-Minen aus. Macht ein wunderbares Schriftbild und schmiert nicht.

  5. https://www.amazon.de/Pentel-Gel-Tintenroller-EnerGel-BL77-C-Druckmechanik/dp/B000KN6LO6/ref=sr_1_10?s=officeproduct&ie=UTF8&qid=1519370149&sr=1-10&keywords=pentel
    (nachfüllbar, Mine muss immer zurückgeknipts werden, sonst macht er Flecken)

    https://www.amazon.de/Pentel-Gel-Tintenroller-EnerGel-BL77-C-Druckmechanik/dp/B000KN6LO6/ref=sr_1_10?s=officeproduct&ie=UTF8&qid=1519370149&sr=1-10&keywords=pentel
    Mit Kappe, nicht nachfüllbar.

    Füllfederhalter hab ich mit normalem Preis nicht gefunden.
    Nur einen Schreibstift zu haben geht bei mir nicht, da Stifte immer weg sind, so habe ich ganz viele der gleichen Sorte, so dass immer einer zur Hand ist.

  6. Vor einer Weile begann ich im Büro ebenfalls, wieder mehr von Hand zu schreiben. Daher kenne ich das Dilemma: mit dem Kugelschreiber verkrampft die Hand, mit dem Bleistift wirkt alles so flüchtig und auslöschbar, ein Flipchart-Marker ist zu dick, ein Fineliner zu dünn. Da ist es Zeit, sich den Scheitel zu richten, die Schultern zu straffen und voller Überzeugung zu einem Füllfederhalter zu greifen.

    Ich teilte die Bedenken zu Füllern. Daher habe ich meinen alten Lamy Safari (in bürokontexttauglichem Silber) ausgegraben. 1:0 gegen die Affektiertheit. Mir war entfallen, dass er eine Aufziehpatrone hat, weshalb ich ein Tintenfässchen dazu kaufen musste und von Kollegen gelegentlich dabei erwischt werde, äußerst behutsam die Patrone in das Fässchen zu tunken und aufzudrehen. 1:1 für die Affektiertheit…

    Aber was soll ich sagen? Das ist es wert! Das Gefühl, mit königsblauer Tinte aus einer extrafeinen Feder elegante Buchstaben aufs Papier des karierten Collegeblocks fließen zu lassen, verleiht jeder Meetingnotiz etwas Erhabenes. Probieren Sie es aus.

  7. Bei Kugelschreibern gibt’s große Unterschiede, was die Qualität und die Strichbreite der Mine angeht. Ansonsten vielleicht: Stabilo Fineliner? (Ich schreibe allerdings auch immer noch mit Füller, finde nix Eigentümliches dabei, und mag als Linkshänder auch Bleistifte.)

  8. Füller sind gar nicht so antiquiert! Schauen Sie sich mal die kleinen KaWeCo Sport-Modelle an, viele Farben, günstiger Preis, halten was aus, hinten eine Patrone rein und los. Mit aufgesteckter Kappe beim Schreiben taugt er auch für Männerhände. Oder die Lamy Safari/AL Star, auch prima. Handschrift und Handgelenk werden es danken!

  9. – Herzlichen Dank für die Überschrift, kam sofort auf meine Bestenliste.
    – Kolbenfüller, meiner von Pelikan kostet 55 Euro. (Seit wann haben Sie ein Problem mit Affektiertheit? Gleich ein schönes Futteral dazu bestellen.)

  10. es gab mal (vor vielen Jahren) bei Karstadt in der Schreibwarenabteilung Kalligraphiefüller für kleines Geld (lange, leichte und geschwungene Stifte). Wunderbar zum Schreiben: es flutschte nur so und man konnte überhaupt nicht krakeln damit. Leider ist vor Kurzem der letzte kaputt gegangen – nach ca. 20 Jahren. Normale Füller sind mir oft zu schwer in der Hand. Setzt man die Kappe hinten drauf, dann stört der Bügel, lässt man die Kappe ab, dann ist der Füller irgendwie zu kurz in der Hand, abgesehen davon, dass die Federspitze meist zu schmal ist….ich suche auch nach einem erschwinglichen Ersatz!! Dringend, denn ich stelle fest, dass meine Schrift oft unleserlich wird, wenn ich mehr als den Einkaufszettel schreibe.

  11. Ich bin Altenpflegerin. Bei uns ist neulich auch ein Mensch ohne Angehörige, die für die Bestattung sorgen könnten, gestorben. Er war über 90 Jahre alt. Er hatte eine Freundin aus dem betreuten Wohnen. Ich fürchte, sie wird auch nicht zur Beerdigung kommen können. Sie weiß ja auch nicht wo und wann, hatte auch beim Krankenhausaufenthalt des geliebten Menschen nach einem unglücklichen Sturz offiziell keinerlei Rechte, etwas zu erfahren, durfte nicht einmal zu ihm auf die Intensivstation. Das war sehr bitter.
    Abschied nehmen durfte sie trotzdem. Wir haben eine kleine Erinnerungsecke, wo sein Bild noch steht und uns zusammen an ihn erinnert.

  12. Ich nutze einen Füller/Tintenroller von online. Da kann man die Spitze vorne tauschen – eben entweder als Füller oder als Tintenroller. Ist für mich der Kompromis zwischen Kugelschreiber und Füller.

    Alternativ: tatsächlich mal im Schreibwarenladen verschiedene Kugelschreiber (oder auch Tintenroller) testen – da gibt es große Unterschiede und es gibt tatsächlich auch einen Kulli mit dem ich schön schreiben kann. Der war mir dann nur zu teuer. Aber allein das ausprobieren war wirklich sehr interessant.

  13. Ich schreibe im Büro alle Notizen mit der Hand, ich wüsste sonst gar nicht, wohin mit all den Fehldrucken. Dazu benutze ich häufig einen Bleistift, wenn ich den mal wieder nicht finde, einen Fineliner. Zu Hause benutze ich gern Füller – gern auch die Kalligrafie-Exemplare. Die nehme ich vor allem, wenn es noch jemand anderes lesen soll, da ich eine kleine Handschrift habe. Durch die breite Spitze muss ich größer schreiben, sonst kann nicht einmal ich das lesen.

  14. Bin ich denn die Einzige, die an die Taube aus einem der letzten Texte denkt und sich fragt, ob man da nicht Federkiele zum Schreiben… Ach, ich bin ja schon ruhig.

  15. Pingback: Chris Kurbjuhn
  16. Tintenroller. Ball Pentel. Das erste Modell (grüne Stifte), Französisches Produkt, auch wenn es nicht so klingt. Mit denen schreibe ich schon seit über dreißig Jahren, die haben damals quasi meinen Grundschul-Geha-Füller abgelöst. Zwischendurch einen Watermann Tintenroller gehabt, dann aber gemerkt, dass es nur „feine“ Nachfüllpatronen gibt. Die kratzen auf dem Papier. Ich mag ja gern, wenn viel Tinte fließt, schreibe auch realtiv groß. Kratzende Stifte kann ich nicht leiden. Daher den einzigen Tintenroller erstanden, der „breitere“ Nachfüllminen hat, Pelikan, sehr schönes Modell, aber leider sind die Minen schweineteuer und halten nicht lang. Ich schreibe viel mit der Hand. Ball Pentel kostet hier in Frankreich wenig und schreibt breit und fließend und superlange. Manchmal denke ich aber wieder über einen Füller nach. Nur kratzen darf er nicht.

  17. Ich schreib auch nur mit Füller.
    Es fing an, dass ich irgendwann ein Schreibset als Werbegeschenk bekommen habe, mit Füller und Kuli. Den Füller habe ich dann ca. 12 Jahre täglich genutzt, dann ging die Kappe kaputt. Der Versuch mich mit Billigfüllern aus dem 1,-€-Laden zu begnügen schlug fehl, also bin ich vor 2 Jahren in den Schreibwarenladen und hab einen Lamy gekauft.
    Den ich übrigens, wie alle anderen Füllerpatronen vorher auch, mittels einer Spritze mit Kanüle aus einem Tintenfass befülle. Sehr umweltfreundlich und mit jeder Patronenform möglich.
    Es gibt übrigens auch Kolbenpatronen von Pelikan, aber die passen leider nicht in jeden Füller.

  18. Der Blogeintrag über die vergessenen Toten rührt mich jedes Mal an.
    Und wenn in unserer Zeitung Sterbeanzeigen vom Hospitz sind, wo mehrere Bestattungen zeitgleich stattfinden, denke ich immer daran zurück.
    Es ist schon ziemlich traurig 🙁

  19. Ich habe Gelschreiber und Füller, beides. Gelschreiber für die schnelle Notiz und den Füller wenn es mal was länger dauert. Bei Gelschreiber so ziemlich alle durch, da stehe ich auf Uniball 0.7 mit Wechselmine, die laufen am sanftesten über das Papier, beim Füller habe ich eine B Feder.

  20. Alltagsnotizen mache ich mit Fineliner oder einem guten Bleistift. Beim Füller muss das Papier passen, sonst macht es mir keinen Spaß. Briefe schreibe ich mit Füller. Lamy 2000. Füller gibts doch ganz hanseatisch in Hamburg. Hattet ihr nicht darüber berichtet? 😉

  21. Ich habe einen Cross Classic Century Füller und kann ihn uneingeschränkt weiterempfehlen. Schreibt weder kratzig, noch zu breiig und liegt schön in der Hand.

  22. Meine Güte, so viele Stifte-Kommentare und der EINZIGWAHRE fehlt???
    http://www.pentelarts.de/produkt-ueberblick/faserschreiber/sign-pen-brush/ *
    Die Spitze ist nicht pinselweich sondern fest und macht ein seeeehr elegantes flüssiges Schriftbild. Für Sketchnotes ist er >mir< allerdings zu dick, da benutze ich – wenn ich denn mal analog sketche – die Fineliner von Staedler/neuland (in meinen Augen baugleich).
    Dennoch könntest du für die Herzdame gleich mal ein paar Pentel Brush Signs mitkaufen (zum Beispiel bei boesner, wenns nicht im Netz sein soll). Sie wird sie ebenfalls liiiiiieben.

    Nicht verwechseln mit dem Pentel ohne Pinselspitze, der von außen leider 100%ig genau gleich aussieht.

  23. Ich schreibe seit einigen Jahren wieder mit einem Pelikan Steno Füller, den es leider nur noch bei ebay zu horrenden Preisen gibt. Aber, hach, ich liebe diesen (hauch)feinen Strich… Leider gibts den nur als Patronenfüller und mein heißgeliebter (DDR-)Schulfüller mit Kolben ist nach vielen Stürzen ferdermäßig sowas von unbrauchbar … Ich war sehr traurig.

  24. Füller, auch hier.

    Und Bleistifte, versteht sich. Was liegt denn an den Bleistiften bei dir nicht? (Hierso: Fraktion eher weich als hart, das verkrampft weniger. Bei den Harten gibt’s natürlich Eleganzpunkte, weil alles viel feiner wird und so.)

  25. Büronotizen, Postkarten, Einkaufszettel: schreibe ich alles mit Cedon Tintenrollern. Die Stifte sind schlank, sehen nicht aus wie aus dem Grundschulmäppchen, haben eine tolle Haptik, das Schriftbild ist sehr filigran und die Mine tanzt über das Papier. Apropos Mine, eingesetzt sind Schneiderminen, die gibt es im Fachhandel auch in blau: https://www.cedon.de/CEDON-Tintenroller

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