Ein Text von Maret Buddenbohm, auch bekannt als die Herzdame, hat zwei ganz neue Kinder.

Die Söhne mit dem iPad

Kurz vorweg, wir freuen uns, dass wir das Familienmagazin der Süddeutschen Zeitung als Werbekunden für diese Reihe gewinnen konnten, siehe ganz unten.

Freitag nach der Schule berufen der Gatte und ich den Familienrat ein und stellen den Söhnen unser Experiment vor. Erst mal etwas gelangweilte Blicke, an der Stelle mit „unbegrenzte Medienzeit“ dann leuchtende Augen. Und beim Hinweis zu „Eigenverantwortung“ Schulterzucken und Gähnen.

Alles in allem aber zwei durchaus interessierte Experiment-Teilnehmer. Und je länger wir darüber sprechen, desto mehr bringen sie sich mit ein, was für unsere Kinder eher ungewöhnlich bei einem Familienrat ist. Normalerweise kann sich Sohn 1 dabei vor Müdigkeit kaum auf dem Stuhl halten und Sohn 2 macht demonstrativ desinteressiert etwas anderes und hört gar nicht erst zu.

Die Möglichkeit, viele Dinge selbst zu entscheiden, also ohne elterliche Vorträge, scheint sie offensichtlich sehr zu motivieren. Sohn 2 äußert dann doch etwas sorgenvoll seine Bedenken, dass er möglicherweise zu spät zur Schule kommen könnte und wir ihn bitte weiterhin morgens ermahnen sollen. Wir können uns dann aber darauf einigen, dass ich ihn ab und zu freundlich auf die Uhrzeit hinweise, mich dann aber nicht weiter aufrege und ihn ansonsten alleine machen lasse.

Auch bei anderen Themen kommen wir überein, dass der Gatte und ich den Kindern freundliche Empfehlungen geben, sie dann aber selbst entscheiden lassen, ob sie denen nachkommen wollen oder nicht.

Zum Thema „Hilfe im Haushalt“ halten wir fest, dass wir Eltern um Hilfe bitten, sie aber ebenfalls entscheiden, ob sie Lust dazu haben oder nicht. Wenn wir allerdings am Ende vor Erschöpfung umfallen, weil wir alles alleine machen mussten, können sie nicht erwarten, dass wir noch irgendwas für sie tun.

Gesunde Zähne, gesundes Essen, ausreichend Schlaf, saubere Wäsche, gute Noten – das sind alles Entscheidungen, für die die Söhne eine Woche lang selbst verantwortlich sein wollen.

Und das geht dann tatsächlich auch gleich gut los. Der Gatte und ich verteilen den restlichen Tag nur freundliche Hinweise und die Söhne überschlagen sich vor verantwortungsvollem Verhalten.

Sohn 2 hat am Ende des Tages eher weniger Medienzeit als mehr, obwohl er sich durchaus mehr hätte gönnen können. Ganz ohne Gezeter der Eltern. Er hilft mir auch ganz freiwillig beim Wäsche aufhängen. Und als wir aus dem Keller wieder in die Wohnung kommen, putzt sich Sohn 1 schon die Zähne und hat abends (!) freiwillig (!) eine Bürste in der Hand, mit der er sein Vogelnest auf dem Kopf bearbeitet.

Sie bieten an, alleine ins Bett zu gehen und als Sohn 2 auch noch seine Haare gebürstet haben möchte, übernimmt das Sohn 1. Ich bin wirklich fassungslos, zwei Brüder, die sich gerade ziemlich doof finden, einträchtig im Wohnzimmer sitzend und Haare bürstend.

Als ich mich dann ins Bett zurückziehe und langsam in den Schlaf sinke, höre ich sie noch lange einträchtig reden, was sie schon seit ewigen Zeiten nicht mehr getan haben.

Es ist schon interessant, was so ein bisschen mehr Freiheit ausmachen kann. Das sind nicht meine Kinder! Aber wie lange das anhält – warten wir es ab.

Pia Ziefle hat ähnliche Probleme und einen etwas anderen Ansatz. Auch sehr interessant.

Hier noch mal alle Berichte des Experiments:

Einleitung | Tag 1Tag 2 | Tag 3 | Tag 4 | Tag 5Tag 6Tag 7 | Tag 8 | Fazit

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Da die Söhne Hauptfiguren dieser Blogartikelreihe sind, mittlerweile aber schon ziemlich gut mitlesen können und eine genaue Vorstellung davon haben, was sie von sich im Netz lesen wollen und was nicht, werden diese Artikel vor Veröffentlichung mit ihnen besprochen und lektoriert. Auch wenn ich es richtig blöd finde, wenn ein guter Witz von ihnen gestrichen wird und rausfliegt.

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Um der Verdummung durch zu viel digitale Medien entgegen zu wirken – der Sponsor dieser Reihe ist die SZ Familie.