In dieser Woche nun also der Versuch, halbwegs plastikfrei durch die Einkäufe zu kommen. Daran sind schon ganz andere gescheitert, das ist immerhin sehr beruhigend. Es wurde in den Kommentaren der letzten Artikel bereits auf die zwei Unverpackt-Läden in Hamburg hingewiesen, die sind löblich und sicher auch interessant, realistisch betrachtet werde ich für einen Besuch aber vermutlich gar keine Zeit haben, sie sind nicht in unserem Stadtteil, sie sind irgendwo da draußen.

Zeit ist sowieso ein Problem bei dem Thema, ich habe bei einigen Minimalismusblogs und ähnlichen Quellen immer das Gefühl, dass sie irre viel Zeit in ihren Konsum stecken. Vielleicht haben sie ja tatsächlich so viel Zeit, es sei ihnen auch von Herzen gegönnt, aber hier klappt das so nicht. Und damit bin ich vermutlich recht normal, ich habe eine schlechte bis bestenfalls mittelgute Ausgangslage für bewusstes Einkaufen mit bester Absicht, über Ökobilanzen kann man dann bekanntlich immer noch stundenlang streiten, etwa bei Papiertüten.

Nach der Arbeit komme ich auf dem Heimweg an mehreren Läden vorbei, ich gehe die mal kurz durch:

Ein Real-Markt, in den ich höchst ungern und entsprechend selten gehe, weil er mir erstens zu groß ist und ich nie irgendwas finde (Oliven stehen im Griechenlandspezialregal, darauf muss man erstmal kommen), weil zweitens, das ist noch wichtiger, das Personal dort immer und durch die Bank kreuzunglücklich und gequält wirkt. In einem Ausmaß, dass ich mir als Kunde denke – da stimmt doch etwas nicht.

Ein Lidl-Markt mit vergleichsweise guter Stimmung und ebensolchem Personal. Aber eben ein Lidl, bezogen auf Plastik ist das natürlich der GAU und sowieso ist das eben ein großer böser Discounter. Was bekommt man da überhaupt ohne Plastik? Ganze Melonen vielleicht.

Ein dramatisch teurer Edeka, der aber immerhin Käse, Fisch, Fleisch, Feinkostsalate und Wurst noch wie früher an Theken verkauft, die Älteren erinnern sich. Mit lebenden Menschen dahinter, die Sachen rüberreichen! Voll retro. Die Käsetheke dort war auch schon einmal die beste ihrer Art in Deutschland oder irgendwas in der Richtung. Qualität also gar kein Problem, und das Plastik wäre dort immerhin reduziert. Ich glaube aber nicht, dass man da Ware in mitgebrachte Behältnisse packen lassen kann.

Ein Bioladen, der bezogen auf Plastik auch verblüffend wenig weiterhilft und mir außerdem nicht behagt, ich scheitere da, wie schon oft beschrieben, an der Langsamkeit, da geht mir ganz im Ernst schon die Tür zu bedächtig auf. Und wenn ich sehe, wie sie da an der Kasse die Zahlen liebevoll ins Display streicheln und jeder rübergereichten Münze einen innigen Augenblick der Wertschätzung schenken – das macht mich wahnsinnig.

Ein Budni, das ist eine Hamburger Drogeriemarktspezialität, der hilft bezogen auf Plastik allerdings auch nicht weiter und hat eh nur wenige Lebensmittel.

Der Steindamm, den ich hier pauschal erwähne, das ist eine Straße voller internationaler Lebensmittelläden mit unglaublich vielfältigem Angebot, etliches davon wird auch tatsächlich lose verkauft, sogar Pistazien und dergleichen, obwohl die Händler mit dem Thema plastikfrei gar nichts am Hut haben, das hat andere Gründe. Man muss natürlich in zehn Läden, bis man alles hat, quasi wie früher, und da spielt dann wieder der Zeitfaktor eine Rolle. Ich habe hier mal über einen der Märkte dort geschrieben, so geht es da zu. In den Hamburger Boulevard-Medien gilt der Steindamm mittlerweile quasi als No-Go-Area, aber was soll’s. Mein Name ist Buddenbohm, ich kaufe hier ein. Über den geradezu wahnwitzigen Unterschied zwischen Mediendarstellung und Alltag könnte man anhand dieser Straße schon Artikel um Artikel schreiben. Der Steindamm wird vermutlich in der nächsten Woche recht hilfreich sein, quasi Spezialtrick.

In Hammerbrook, also in der Nähe meines Büros, gibt es an zwei Tagen einen Wochenmarkt, der ist aber eher winzig und ein wenig, nun ja, freudlos im Angebot. Aber immerhin.

Und dann gibt es noch den eigenen Garten für z.B. ein paar Kräuter. Da muss ich aber auch erst einmal hinkommen, der ist nicht um die Ecke, 20 Minuten mit jedem Verkehrsmittel, Fahrrad, Bus, Bahn, Auto, egal. Hinfahren, pflücken, zurückfahren, zack, eine Stunde weg. 

Ich kaufe normalerweise jeden Tag nach Arbeit auf dem Heimweg ein. Ich kaufe viel zu wenig im voraus und überhaupt läuft das alles nicht geplant genug, damit bin ich vermutlich aber auch im Durchschnitt der werktätigen Bevölkerung mit Familie. “Was essen wir heute bloß?” als hektische Standardfrage zwischendurch. Ich versuche immer wieder, da etwas mehr Struktur reinzubekommen, es wäre mit mehr System und Bedacht und Planung alles viel einfacher, billiger und sicher auch umweltfreundlicher. Ich scheitere allerdings regelmäßig grandios daran. Die Söhne sind jetzt beide so groß, dass wir erstaunliche Mengen einkaufen müssen, die haben eben Hunger und Durst, und die Mengen, die ich dafür dauernd durch die Gegend schleppe, die nerven auch. Ich kaufe zu Fuß ein, weil ich das Autofahren in der Stadt aus ganzem Herzen hasse. Der Plastikmüll, den wir pro Woche produzieren ist ungeheuerlich, wie bei vermutlich fast allen Familien.

So ist die Ausgangslage. Ich werde also auch in dieser Woche nicht großartig planen, ich werde heute nach der Arbeit einfach wie immer überlegen: “Was essen wir denn heute bloß?” Und dann geht es los.

Passend zum Thema zwischendurch ein paar Plastiklinks, hier etwa zum Versuch der Hurtigruten-Linie, das Plastik loszuwerden. Es ist kompliziert.

Die Söhne finden es übrigens sehr einfach, beim Einkauf auf Plastik zu verzichten, haha, alles voll easy. Auf meine Nachfrage, wie sie zu dieser überaus seltsamen Einschätzung kommen, gab es aber eine logisch durchaus nachvollziehbare Antwort: “Wir kaufen ja nicht ein. Das machst du.”

Es geht doch nichts über mitdenkende Kinder voller Empathie und Einsatzbereitschaft.