Danke für die Kommentare zum letzten Artikel – ich glaube, Jazzrock ist nichts für mich, aber das Buch “Machandel” merke ich mir doch glatt mal vor. Ferner wurde gefragt, ob der gerade von mir gelesene Roman (Der Feigenbaum von  Goran Vojnovic, übersetzt von Klaus Dieter Olof) gut sei. Schwer zu sagen, ich bin nach Sachbuchphasen immer etwas ratlos im literarischen Urteil. Gut genug, dass ich schon auf Seite 100 bin jedenfalls. Ich stelle fest, das hat aber mit “gut” als Geschmacksurteil nichts zu tun, dass es mir gefällt, eine Handlung aus Europa zu lesen. Also im Gegensatz zu: Handlung in den USA. Nichts gegen die USA, schon gar nicht literarisch, aber Europa ist eben auch mal dran und sagt mir gerade wesentlich mehr.

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Die spannende Frage, ob die Post eine gesellschaftliche Aufgabe ist.

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Nachdenken über Geschichten (es ist kompliziert). Ein paar Gedanken dabei, die mir auch schon kamen, das freut einen ja immer. Ein paar Gedanken dabei, die ich haarsträubend daneben finde. Es wird noch mehr dazu zu sagen sein, merke ich gerade. Das im Artikel erwähnte Buch von Albrecht Koschorke besorge ich mir mal.

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Kirche im Regen durch Fensterglas

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Neulich war ich auf der Tedx in Hamburg. Denn ich bin zwar gerade nicht recht schreibtischfähig, aber zuhören kann ich ja trotzdem. Es gab auch einmal Zeiten, da hätte ich dort ein paar Bloggerinnen oder Blogger getroffen, das ist aber heute nicht mehr der Fall. Dafür habe ich Kolleginnen aus dem Büro getroffen, auch eine interessante Wandlung.

Auf einer Tedx ist es so, dass man nach alter Tradition seine Sitznachbarn kennenzulernen hat, das wird auch immer so anmoderiert, jetzt hier, zack, mal zehn Minuten Socialising. Man stellt sich also kurz vor, sagt vielleicht seinen Beruf, wo man herkommt, ob man schon einmal auf so einer Veranstaltung war. So etwa in der Art. Dann wendet man sich wieder nach vorne und hört den Vorträgen zu, die in der Regel, selbst wenn einen das Thema überhaupt nicht interessiert, doch irgendeinen Aspekt haben, über den man hinterher länger nachdenken kann oder muss. Dazu später mehr. Ich fragte also den Herren neben mir nach seinem Beruf, in der Erwartung, er würde irgendwas mit Business oder Medien oder beidem machen, denn das war so die Blase da, dachte ich, so war es da ja immer. Er sagte aber, er sei Molekularbiologe. Ich sagte, ich schreibe. „Hm“, sagte er, so ein unbestimmtes “Hm”, mit dem man alles meinen kann.

Schild "Zeitgeist" in einem Schaufenster


Molekularbiologe, das klingt natürlich toll, das klingt sinnvoll, brauchbar und anwendbar – und wahrscheinlich klingt es nicht nur so, wahrscheinlich ist es das sogar. Ich merke manchmal so einen leichten Stich, wenn ich Menschen mit solch großartigen Berufen begegne. Also mit Berufen, die irgendwie beeindruckend und plausibel klingen. Apotheker, Richter, Geschichtsprofessoren, Meeresforscher, Opernsängerinnen und Geigenbauerinnen. Das klingt doch alles ziemlich gut. Ich ziele dabei nicht auf elitäre Berufe ab, mein Bruder etwa ist Glasermeister, das klingt auch gut, finde ich. Meisterhaft eben. Oder sagen wir so, es klingt alles besser als: ich schreibe. Zumal es auch nicht besser wird, wenn ich meinen Bürojob ergänze, ich bin auch noch Teilzeitcontroller, was soll daran bitte toll sein. Beeindrucken kann man damit sicher niemanden.

Ich habe darüber neulich mit einer etwa gleichaltrigen Freundin gesprochen, die sich beruflich ähnlich verzettelt hat wie ich und auf deren Visitenkarte ebenfalls nichts stehen könnte, was anderen sofort einleuchtet oder sogar Eindruck hinterlassen würde. Dieser dauernde leichte Neid auf Menschen, die sich mit einem Wort gut erklären und verkaufen können. Also zumindest ihren beruflichen Aspekt, charakterlich und seelisch können die natürlich alle vollkommen vergurkt sein, wie jeder andere auch, gar keine Frage. Zu diesem Thema haben meine Freundin und ich uns also durch ein paar Minuten Selbstmitleid gesmalltalkt, bis uns wieder einfiel: Wir wollen ja gar nicht Zahnärzten oder Zahnarzt sein. Wir wollen auch keine Apotheke, keine Kanzlei und keine Professorenstelle. Es hat sich ja nicht nur nicht so ergeben, nein, all diese Klassiker, die waren einfach nichts für uns.

Graffiti Kenn Dein Limit

Wir hätten sie alle haben können, rein theoretisch, doch, das wäre möglich gewesen. Es war damals ein freies Land und das ist es auch heute noch (Stand Oktober 2018), wir könnten immer noch morgen anfangen, einen anderen Beruf zu ergreifen, bitte sehr, fang doch an. Aber das machen wir nicht. Und dann haben wir uns das gegenseitig noch einmal erklärt, dass man nämlich , wenn man sagt, man sei Zahnarzt, auch Zahnarzt sein muss. Durch und durch. Also mit jeden Tag und bis zur Rente. Man hat dann zwar einen renommierten Beruf, das hilft vermutlich bei Wohnungsbesichtigungen oder bei Kontaktanzeigen in der Zeit enorm weiter, aber man muss ihn dummerweise auch ausüben. Und Zahnarzt zu sein, das ist doch etwas speziell, ist es nicht?

Graffiti "Gegen die Stadt der Reichen"

Weswegen es schon sinnvoll ist, dass nur die Zahnärzte werden, die sich tatsächlich vorstellen können, das zu sein – und nicht so Leute wie ich. Also nicht so Leute, die einfach nur  irgendwas schreiben wollen. Dass ich andererseits auch kein Molekularbiologe geworden bin, das liegt u.a. daran, dass ich bis zum heutigen Tage nicht mal weiß, was Molekularbiologie eigentlich ist, genau genommen interessiert es mich nicht einmal genug, um es mal eben zu googlen. Und dann passt das wohl nicht ganz zu mir.

Es ist ein kompliziertes Thema, was man beruflich will, vor allem, wenn man beruflich eigentlich gar nichts will. Ich will tatsächlich einfach nur irgendwas schreiben, ich finde das Thema Beruf  ganz ungemein lästig. So ein Beruf stört einfach bei allem, beim Denken, bei der Freizeitgestaltung und bei der Terminplanung. Aber noch gibt es kein bedingungsloses Grundeinkommen und auch keine Rente für mich, noch muss das also so, eh klar, und es geht ja auch. Also wenn nicht gerade ein Gelenk durchdreht jedenfalls, im Büro würde ich mit Diktieren nicht so leicht durchkommen.  Gibt es überhaupt eine Sprachsteuerung für Excel?

Aufkleber "Fuck"

Die Söhne übrigens können überhaupt nicht verstehen, warum ich nicht Mathelehrer geworden bin. Denn das ist doch etwas, was ich sehr, sehr gut kann, sagen sie. Mathe erklären, das sei doch genau mein Ding. Das ist eine der besten Pointen meines Lebens, schon dafür hat sich die Sache mit der Familienplanung damals gelohnt, auch wenn eigentlich nur ich drüber lachen kann, also eine wirklich sehr kleine Zielgruppe. Mein damaliger Mathelehrer, der könnte vielleicht auch darüber lachen, aber der weiß das nicht (Lieber Herr W. auch mit 30 Jahren Abstand finde ich ihren damals mir gegenüber häufig wiederholten Satz “Kaufen Sie sich lieber einen Sarg” übrigens pädagogisch immer noch etwas unklug, to say the least. Aber was weiß ich schon).

Schriftzug "Reclaim your autonomy"

Es bleibt unterm Strich jedenfalls ein heikles Thema, diese ganze Berufssache, vermutlich muss ich auch darüber noch etwas länger drüber nachdenken. Gleich am nächsten Tag habe ich übrigens wieder einen kennengelernt, ganz ohne anmoderiertes Socialising, einfach so, das geht ja auch. Der sagte dann, er mache was mit Strahlentherapie, die Woche war in dieser Hinsicht wirklich ein wenig herausfordernd. Gott sei Dank fragte er mich gleich darauf, ob ich denn nicht der mit dem Blog sei? Und das ist doch auch etwas, wenn die Tätigkeit einem so zwei, drei Meter vorauseilt. Oder, um schon wieder wie gestern den geschätzten Feuilletonisten Falk Schreiber zu zitieren, das ist doch nicht nichts.

Aufkleber "Free your mind"

Eigentlich wollte ich von der Tedx erzählen. Egal, dazu dann eben morgen mehr. Manchmal werde ich das Gefühl nicht los, ich komme hier ab und zu vom Thema ab, vielleicht fiel es Ihnen auch bereits auf? Schlimm. Aber wenn ich es recht bedenke, das gehört zu den Sachen, die ich wohl ganz gut kann. Irgendwo hingehen, drüber schreiben und vom Thema abkommen. Eine etwas seltsame Begabung, nicht wahr. Als musikalisches Wunderkind hätte ich es vermutlich bedeutend leichter gehabt, aber was soll ich machen, ich kann  bis heute nicht einmal Noten lesen.

Die Außenalster

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Apropos Musik. Heute natürlich von ihm.

 

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, dann mache ich weiterhin einfach irgendwas mit Schreiben. Auch eine Lösung.

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