Ich lese Erzählungen von Amanda Lee Koe, „Ministerium für öffentliche Erregung“, übersetzt von Zoë Beck. Die ersten drei Geschichten sind gut, ich nehme an, die anderen werden es dann auch sein.

Ich lasse mir außerdem „Das Feld“ von Robert Seethaler vorlesen, und zwar von ihm selbst. Das Buch kam bei der Kritik nicht ganz so gut weg, wenn ich es recht erinnere, aber zumindest den Anfang kann man sich hervorragend vorlesen lassen, ohne auch nur im mindesten Kritik üben zu müssen. Vielleicht liegt es auch an seiner Stimme. vielleicht kann man mit dieser Stimme alles vorlesen und die Leute sitzen alle da, strecken die Beine aus, entspannen sich und denken: „Ja, jetzt wird es wieder ernst und gut“. Es gibt so Stimmen, mit denen geht das.

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Sohn II ist von seinem Reiterhof zurück, hat sich aber sofort danach mit Freunden in Husum verabredet und daher nur eine Nacht in unserer Wohnung verbracht. Ich habe ihn mit dem Zug nach Husum gebracht, habe ihn den Freunden übergeben und bin gleich wieder zurückgefahren. D. h. ich wollte gleich wieder zurück fahren, es gab aber Schwierigkeiten mit der Zugverbindung, das ist auf dieser Strecke wohl ziemlich oft der Fall, die Sylt-Pendler kennen das. Weswegen ich da also längere Zeit auf einem Bahnsteig ein paar hundert Meter neben der Nordsee stand, das neue Album von Element of Crime gehört und mir angesehen habe, wie der Herbst in Husum Sachen mit Licht und Farben gemacht hat. Manchmal ist es nämlich ganz in Ordnung, wenn unerwartet kein Zug fährt, wenn man warten muss, wenn man nur so herumsteht. Es soll ja auch kreativ machen, wenn man sich etwas langweilt, weil das Hirn dann vor lauter Ödnis nach einer Weile ein wenig mit dem Unterbewusstsein herumspielt, mal gucken, was da so kommt, und zack, Hammeridee. Aber dummerweise klappt das nur, wenn man es nicht weiß, glaube ich. Ich z.B. weiß das, der Fluch der Sachbuchlektüre, deswegen fällt mir nie etwas ein, wenn ich denke jetzt gleich, jetzt kommen die Ideen, die Gelegenheit ist so dermaßen günstig, gleich macht das Hirn diesen alten Unterbewusstseinstrick, jetzt geht’s lohoos. Dann gucke ich in freudiger Erwartung aus dem Zugfenster, sehe eine Kuh und denke nur: Kuh. Und mehr nicht.

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„Ich wäre gerne ein Gummibär, da gibt’s die gelben und die roten, das sind alles Vollidioten.“ Seit er diese Textzeile gehört hat, zieht auch Sohn I übrigens in Erwägung, das Element of Crime vielleicht doch irgendwie cool sind.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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