Das Shift-Phone.

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Mich stört bei Ereignissen wie der Wahl einer neuen CDU-Parteichefin vehement, dass die Medien sich nahezu flächendeckend mit Wahrsagerei beschäftigen und reihenweise prophezeien, was demnächst passieren wird, statt zu beschreiben, was ist. Beliebiges Beispiel, die SZ-Schlagzeile (online) am Morgen: “Der Frühling in der CDU könnte bald vorbei sein.” Könnte! Ja, es könnte morgen auch regnen oder schneien, wer weiß. Was alles sein könnte! Es könnte auch sein, dass ich so etwas gar nicht lesen möchte.

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Apropos Lesen. Das abendliche Vorlesen ist mir etwas entgleist, Sohn I und die Herzdame, die beiden Interessenten für die Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens, sie sind nicht mehr synchron zu bedienen. Da die Herzdame an einem Abend keine Zeit hatte, aber wider Erwarten doch auf einer Fortsetzung besteht, lese ich jetzt versetzt, wobei Sohn I Vorsprung hat, immerhin etwa zehn Seiten. Bisher ist es mir noch nicht gelungen, sie wieder auf den gleichen Stand zu bekommen. Dadurch lese ich also alles doppelt und kann die Geschichte bald auch ganz ohne Buch vortragen, vielleicht kann ich damit ja künftig über Weihnachtsmärkte tingeln und in Glühweinschwaden altertümlich gewandet besinnliche Klassiker rezitieren? Immer die Geldquellen, die Fähigkeiten und die Gelegenheiten im Auge behalten! Allerdings bin ich nach mehreren Leseabenden erst beim Geist der vergangenen Weihnacht angekommen, das zieht sich also.

Im Gegensatz zu Sohn I schläft die Herzdame gerne ein, während ich vorlese, ein immer etwas zweifelhaftes Kompliment für Vorleser.

Ich: “Was habe ich gerade gelesen? Du dämmerst doch schon wieder weg!”

Die Herzdame: “Gar nicht! Marleys Geist erschien im Türknauf und so.”

Ich: “Himmel, das habe ich vorgestern gelesen!”

Die Herzdame: “Oh.”

Sohn II ist bei dem Buch erst einmal raus, der ist zu sehr mit dem E-Piano beschäftigt und übt wie besessen, wir teilen uns hier sozusagen kulturell auf. Auch recht.

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Bei den zahllosen Orthopädenbesuchen im letzten Halbjahr fiel auf, dass mein Ehering etwas eng geworden ist, den bekam ich nicht mehr schnell genug ab, und so etwas stört manchmal den Ablauf in Arztpraxen. Ich habe den Ring jetzt zu einem Juwelier gebracht, dort wird er geweitet, das sollte problemlos klappen, sagten die da. Und hinterher bietet der Ring dann etwas mehr Platz und ich kann den eingravierten Vornamen der Herzdame um einen Kosenamen ergänzen. Oder um ihr Geburtsdatum, die Anschrift und einen kurzen Lebenslauf, mal sehen.

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Musik! Einmal im Jahr muss das schon sein. Und das Original dann natürlich auch noch. Schönen zweiten Advent!

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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