Es passiert nichts

Lange keine Fotos mehr verlinkt.

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Unter Polizeischutz gut geschlafen, Angela Merkel residiert nur ein paar Meter weiter. Es fällt aber kaum auf, es fällt im Grunde verdammt wenig auf. Wenn man an all diese Zuschreibungen wie etwa “mächtigste Frau der Welt” etc. denkt – also dafür passiert hier rein gar nichts. Wenn man sich kurz mal in einen Science-Fiction-Film denkt und da tritt die mächtigste Frau irgendeines Planeten auf, an welche Prunkentfaltung denkt man da unwillkürlich, an welche extravaganten Thronmöbel und gigantomanischen Paläste, an welche Zeichen der Macht, welche Leibgarden? Hier stehen ein paar normale Polizeiwagen vor dem Hotel, zwei, drei Absperrgitter, mehr ist nicht los.

“Wo sind denn die Demos?”, fragen die Söhne, und sie fragen das deswegen, weil ihnen die Nachrichten ein Bild vermittelt haben, in dem immer irgendwer irgendwo gerade gegen Regierende demonstriert. “Ich sehe und höre jedenfalls keine”, sage ich, und das stimmt auch. Wir gucken gemeinsam aus dem Fenster auf die Straße. Polizisten lehnen an einem Polizeiwagen und gucken in die Gegend. Vielleicht passen sie auf die Kanzlerin auf, vielleicht checken sie auch nur mal die Tempo-30-Zone, das wäre ebenfalls notwendig.

Wir leben in einem Land, in dem die Macht nichts hermacht – und das ist auch gut so.

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Während andere Bloggerinnen ihre Schränke zum Jahresende öffentlich aufräumen, sitze ich sinnend vor meinen gesammelten Links (“Kommst du noch mit rauf, ich zeige dir meine Linksammlung.”) und klicke hier, klicke da, überlege herum. Heute habe ich den ganzen Tag (Urlaub im anderen Job) mit der dringend notwendigen Verschlagwortung zugebracht. Die Artikel werden älter, die Inhalte bleiben brauchbar, aber will ich denn ewig sammeln?

Eigentlich finde ich genug Links für tägliche Wirtschaftsteile und ähnliche Formate, ich muss das Konzept noch einmal durchdenken. Obwohl – unterm Strich sind es vermutlich nicht mehr als vier Links pro Tag, die ich im Durchschnitt wirklich interessant finde, das ist gar keine uferlose Menge, keine, mit der man nicht umgehen könnte. Wenn ich sie archiviere, kann ich sie thematisch sortieren und gegeneinander setzen, was mir eine liebgewordene Bastelarbeit ist und die Links oft auch aus meiner Sicht aufwertet, wenn ich sie aber sofort raushaue, ist immer alles topaktuell. Und topaktuell, da stehen Sie doch drauf.

Na, wie auch immer. Vielleicht ist das ein Lebensbereich, in dem mir mein Bibliothekarsstudium doch noch nachhängt. Ich bewahre Informationen gerne auf und erfinde dafür dauernd Ordnungssysteme und Formate. Quasi Berufskrankheit, obwohl ich nie in dem Beruf gearbeitet habe.

Währenddessen versüße ich Ihnen erst einmal den Tag mit diesem älteren Artikel über Zucker, da lernen Sie auch noch was. Toll!

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Ich mache mit Sohn I Deutsch, es geht gerade, wie bereits berichtet, um Märchen. Ich lese ihm zum Zwecke der Nacherzählung das Märchen vom süßen Brei vor, als voraus denkender Mensch habe ich dazu tatsächlich süßen Brei besorgt, ich bin ja soweit bemüht. Wenn das Kind schon lernen muss, dann soll das wenigstens eine nette halbe Stunde sein, mit Verpflegung und Komfort und allem. Was ich aber eigentlich sagen wollte, falls Sie im Laden ein Produkt namens Proteinbrei sehen, mit Datteln und Kakao, kaufen Sie das lieber nicht. Das schmeckt wie zermahlenes Kistenholz mit einem Hauch Kaba, 80% Baumarkt, 20% Kantine. Meine Güte, was es alles gibt.

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Musik!

Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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7 Kommentare

  1. Ungeachtet des wirklich erfreulichen Sounds frage ich mich, was mit der Frau besides ist? Unwillkürlich habe ich erwartet, dass sie irgendwann lächelt und mittanzt, das kommt in solchen Filmsequenzen ja vor. Aber nix. Sie hält die befremdlich steife Ernsthaftigkeit eisern im Gesicht.

  2. Ja, wenn mit ähnlichen Formaten Politisches gemeint ist, stehe ich tatsächlich mehr auf das Topaktuelles. Frage ich mich doch auch bei der „Tagesschau“ vor 20 Jahren, eine Sendung die mich mitten in der Nacht dankenswerterweise ins Bett treibt, nach dem Sinn

  3. Brei kocht man selbst, sowas kauft man nicht! Herr Buddenbohm! Ich bin entsetzt. O.O

    Frau Merkel hat es übrigens nicht nötig, mit Trara behütet zu werden. Das es so leise abläuft zeigt nur, wie man sie respektiert. Und als Frau auch ein wenig nicht gefährlich genug wahrnimmt. (Man könnte es jetzt – ganz klar – auch rumdrehen. Aber mal im Ernst: Kohl war ’ne Hausnummer, untopbar. Aber Schröder? Ernsthaft?? Der hat sein Minibürgertum versucht mit viel Getöse zu übertünchen. Es gab mal beim STERN vor 10 oder 11 Jahren eine Reportage über seine Herkunft. Das so einer Krach benötigt, ist klar. Unsere Merkel hat es nicht nötig. Und nein, ich bin keine CDUlerin, sondern mehr links zu verorten. Lach. Aber mögen tu ich sie dennoch!)

  4. „Das schmeckt wie zermahlenes Kistenholz mit einem Hauch Kaba, 80% Baumarkt, 20% Kantine. Meine Güte, was es alles gibt“ großartig, fast wäre mir beim Lachen wieder der Kaffee in die Nase gestiegen.

    Und Angela, damals habe ich auch Witze über ihre Frisur, ihre heruntergezogenen Mundwinkel und die Geste mit den Händen gemacht. Und dann war sie all die Jahre ein Segen für unser Land, was die Außenpolitik angeht. Das muss man sich mal vorstellen, angemessen mit den Kotzbrocken und Diktatoren der Welt umzugehen und zu verhandeln.

    Auch ihr „wir schaffen das“ finde ich immer noch gut, obwohl ich nie im Leben CDU gewählt habe oder wählen würde.

  5. @Franziska:
    In Zusammenhang mit der Herkunft von Ex-Kanzler Schröder zu schreiben dass “so einer“ Krach benötigt halte ich für arrogant und herabwürdigend.
    Man kann über seine Politik, seine Partei selbstverständlich denken, wie man will. Aber eine Lebensleistung wie die seine derart herabzuwürdigen finde ich völlig unangemessen.

  6. Antwort an Alexandra, was mit der nicht lächelnden Frau beside ist. Das ist Keely Smith, die für diesen Song die Rolle der Miss Lassmichbloßinruh spielt und im nachfolgenden Song „All Night Long“ mit Louis Prima bereits fröhlich im Duett singt 🙂

  7. „Wir leben in einem Land, in dem die Macht nichts hermacht – und das ist auch gut so.“

    Oh, was für ein schöner, wahrer, wichtiger und wertvoller Satz.

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