Gehen und Gucken

Ich habe eine Einladung zu einem Neujahrsempfang bekommen, zu so etwas gehe ich ja normalerweise nicht. Also habe ich sofort zusagen wollen, Komfortzone und so, Sie wissen schon. Dann habe ich leider gemerkt, dass bei der Einladung versehentlich kein Tag dabei steht. Nur eine Uhrzeit. Schwierig. Aber der gute Wille war da!

Na, das regelt sich vielleicht noch. Davon abgesehen bin ich enorme Strecken spazieren gegangen, dabei ist überhaupt nichts Interessantes passiert, aber es fühlte sich gut an. Siehe übrigens auch hier. Ich habe mich im letzten halben Jahr viel zu wenig bewegt, es besteht erheblicher Nachholbedarf. Den Erling Kagge (“Gehen – Weitergehen”) habe ich übrigens abgebrochen, er kam irgendwie nicht auf den Punkt und die Kernaussage war recht eindeutig “Gehen ist super” – das finde ich aber ohnehin schon, das muss ich nicht nachlesen.

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Und dann habe ich gleich noch etwas gemacht, was ich sonst nie mache, das läuft hier nämlich. Und zwar habe ich, Sie werden es wohl nicht spektakulär finden, eine Serie gesehen. Sogar mit der Herzdame gemeinsam! Wir fanden das bemerkenswert. Und auch schön. Wir sahen “Wanderlust” auf Netflix, eine britische Serie über ein Paar, dass die Beziehung öffnet, die also beide mit anderen Leuten Sex haben, ohne sich deswegen trennen zu wollen. Eine sehr dialoglastige Angelegenheit (eine Folge besteht überhaupt nur aus einem durchgehenden Dialog), in Bezug auf Fremdschämmomente manchmal etwas anstrengend, aber wirklich witzig und betont liebevoll gemacht. Dicke Empfehlung, wir haben das gemocht.

Wenn Sie mit dem Lieblingsmenschen Ihrer Wahl eher nicht offen über Sex und Liebe reden können, ist das gemeinsame Gucken vielleicht nicht ganz risikofrei, kann ich mir vorstellen. Man kommt da auf Themen.

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Überraschend schwierig finde ich übrigens die Sache mit dem Vorsatz: “Etwas lernen”, denn was nehme ich da bloß? Vielleicht hänge ich mich einfach an den E-Piano-Unterricht von Sohn II ran, das ist so einer der Mängel, die mich wirklich stören, dass ich musikalisch rein gar nichts kann, nicht einmal “Alle meine Entchen”. Das müsste doch zu lösen sein? Und taugt eigentlich irgendeine dieser Apps zum Klavierlernen etwas? Für richtige Stunden wird die Zeit nicht reichen.

Zweitliebstes Vorhaben wäre wieder etwas Zeichnen zu lernen, ich muss das noch abwägen. Aber das sind jedenfalls so zwei Bereiche, bei denen es sich nicht gut anfühlt, nichts zu können.

Vielleicht fällt mir auch noch etwas ganz anderes ein.

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Zum Geburtstag von J. D. Salinger. Wie wohl der Fänger im Roggen bei einer wiederholten Lektüre wäre? Darf man den als Ausgewachsener überhaupt erneut lesen? Wobei ich den so großartig damals gar nicht fand, dazu war er viel zu sehr Schulbuch und von vorne bis hinten mit nervtötenden Fragen durchseucht, warum sagt der das, warum reagiert die so, beschreibe den Charakter, es war entsetzlich. Wir konnten es einfach nicht in Ruhe lesen und eine erleuchtende Erfahrung war es ganz sicher nicht.

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Warum trinken wir keine Milch von Schweinen? Wieder was gelernt. Leider vergessen, durch wen ich den Link gefunden habe, pardon.

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Florian Wacker schreibt und setzt sich durch Öffentlichkeit unter Druck. Kann man machen. Spannend.

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Klingt vielleicht gar nicht so interessant, fand ich aber doch – die taz über die Krätze. Es juckt förmlich beim Lesen.

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Ich habe festgestellt, dass ich neuerdings wieder mit der Hand schreiben kann, was ich jetzt immerhin seit August nicht mehr gemacht habe. Und ich weiß nicht, wie das genau zu erklären sein mag, aber meine Schrift ist jetzt nennenswert besser. Ruhiger, klarer. Falls Sie also auch unter Ihrer Sauklaue leiden, schreiben Sie doch einfach mal fünf Monate gar nichts, das scheint enorm zu helfen. Was bin ich heute wieder hilfreich,

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Im Vorbeigehen gehört:

”Die haben mich gerade verhört, deswegen rufe ich an.”

Und dann, andere Leute, nur ein paar Meter weiter:

Wie machst du das mit dem Schwarzgeld?”

Das war in Altona, eine ganz verkommene Gegend ist das.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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10 Kommentare

  1. „Catcher in the Rye“ – mein Thema im mündlichen Abitur vor Urzeiten. Ich hatte ihn vorher gehasst und danach noch mehr. Bis heute.

  2. Zeichnen lernt man durch Zeichnen. 😉

    Und zum Thema „Überhört“ habe ich gestern im Vorbeigehen jemanden sagen hören „… die Frage ist, wie gut man Triolen auf der Oboe spielen kann …“ – auch eine Überlegung wert.

  3. @Kiki: Ja, deswegen erscheint es mir gut geeignet – man kann es fast überall und jederzeit. Und der Erfolg wäre mir halbwegs egal, es ginge mir erst einmal nur darum, wieder Freude am am Stift und am Strich zu haben. Sozusagen.

  4. Hatte wegen Salinger genau den gleichen Gedankengang. Was mir diese Scheißschule alles versaut hat! (Zum Glück hab ich Kunst nach der 9. abgewählt, so daß ich das später halbwegs entspannt studieren konnt.)

    Zum Zeichnen würd ich ja gern einen Privatkurs bei mir anbieten, aber ich bin ja – leider! – mittlerweile nicht mehr in Hamburg oder Umland :‘(

    Ich empfehle für den Anfang ein paar günstige Skizzenhefte mit verschiedenen Papieren und Bleistifte in unterschiedlichen Härten (Jerwitz, Valentinskamp, hat ne gute Auswahl).

    Inspirierend die beiden Bücher hier (gibts evtl auch bei Jerwitz):
    https://www.amazon.de/Anleitung-falsch-Zeichnen-Peter-Jenny/dp/3874396363
    https://www.amazon.de/Notizen-zur-Zeichentechnik-Peter-Jenny/dp/3874397955
    vielleicht noch: https://www.amazon.de/Zeichnen-Kopf-Quelle-Ihrer-Bilder/dp/387439672X

  5. Zum „durch Schule vermiesen lassen“ musste bei mir „Der Richter und sein Henker“ von Dürrenmatt herhalten. Eine Verletzung, die bis heute anhält.

    Ich halte das Buch eigentlich für sehr cool, die Lektüre tut nach dreißig Jahren aber immer noch zu weh. Das ganze Mädchengymnasium klebt in den Seiten.

    Den „Fänger im Roggen“ hatte ich nicht als Schullektüre. Mal wieder ein englischsprachiges Buch lesen, ja,danke für die Anregung!

    Zum Spielerischen „ins Zeichnen zurückfinden“ taugt mir zur Zeit ein Pinselstift, macht Spaß.

    Just sayin‘ …

  6. Ich habe mal mit „Simply Piano“ gelernt. Allerdings muss man, wenn man länger dranbleiben will, ein Abo kaufen für mind. ein Jahr. Relativ schnell kann man dann schon was spielen.
    Es ist nichts im Vergleich mit einer klassischen Ausbildung mit Klavierlehrer und so. Es ist mehr ein Spass mit ziemlich schnellem Erfolgserlebnis.

    Liebe Grüsse
    Asty

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