Passend zum etwas speziellen Wetter lese ich Geschichten von den Färöer Inseln. Harte, klare Geschichten: “Unser Glück liegt in Gottes Hand. Was vermögen wir schon? Unsere Hand reicht bis an die Reling, nicht weiter.” Das Buch heißt: “Von Inseln weiß ich …” und in der Gegend dort scheint es so zu spuken wie auf Island, nämlich normal und allgegenwärtig. Da ist vom “grauen Volk” die Rede, nicht vom kleinen, wie es wieder auf anderen Inseln heißt. Das graue Volk, der Ausdruck hat doch etwas, gleich sieht man aus dem Seenebel unscharfe Gestalten auftauchen und auf einen zukommen, jedenfalls wenn man der schier unweigerlichen Momo-Assoziation entkommen kann. Im einleitenden Kapitel wird die Inselgruppe ganz selbstverständlich als Mittelpunkt der Welt dargestellt, das fand ich schön. Also ich fand das natürlich auf diese etwas herablassende Art des wahren Kenners schön, denn der Mittelpunkt der Welt ist selbstverständlich ein gewisses kleines Bahnhofsviertel. Jedenfalls solange Sie diese Zeilen nicht lesen, denn dann ist es mit sofortiger Wirkung Ihr Viertel in Detmold oder ihre Straße in Friedrichshain, wo immer Sie gerade wohnen. Der Freundeskreis Element of Crime hat jetzt übrigens geschlossen ein Lied im Kopf, nicht wahr, dann spielen wir das auch schnell:

Die Färöer Inseln sind von Natur aus baumlos, in den Geschichten kommen dafür aber mehrmals Flechten vor, das fiel mir auf. Flechten, die hier keiner nennen oder auch nur bemerken würde, da wächst so Kleinzeug, egal. Aber auf den Färöer Inseln, da ist das eben was, wenn etwas wächst, da sieht man dann anders hin.

Derweil ist es in Hamburg am Morgen frostklar, minus 1 Grad, der Himmel ist blau. Auf den Inseln da oben, so stelle ich mir vor, wäre dies vielleicht ein angenehmer Frühlingstag, mild und bemerkenswert hell.

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Wir haben im Garten einen Staketenzaun aufgestellt, also wir haben es zumindest versucht. Theoretisch hätte uns dabei vom Arbeiten warm werden sollen, praktisch haben wir aber solange und so ergebnislos über Richtung, Neigung, Spannung und Kurvung des Zaunes diskutiert, dass wir enorm lange bewegungslos herumstanden, jeder mit einem Ende des Zaunes in der Hand und dem Recht auf seiner Seite, wobei uns in der unentwegt heranwehenden arktischen Luft dann so bitter kalt wurde, dass der Zaun nun erst einmal ein halber geblieben ist. Bei steigenden Temperaturen blüht dann auch unsere Leistungsbereitschaft wieder auf, nehme ich an.

Der Zaun hat ja, ich erwähnte es bereits, eigentlich nur dekorativen Charakter, ist also als Zaun genau betrachtet völlig sinnlos. Man muss aber doch unbedingt sicher sein, wo diese hübsche Sinnlosigkeit am meisten Sinn hat, das ist im Garten nicht anders als im restlichen Leben auch.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, das dient dann etwa dem Erwerb weiterer Zaunpfähle, von denen wir dezent zu wenig erworben haben. Ganz herzlichen Dank!