In der Anthologie von den Färöer Inseln, die ich gerade lese, falle verdammt viele Figuren die Klippen hinunter, ein wirklich auffälliges Muster. Das scheint die Standardwendung in den Erzählungen da zu sein, besonders in Verbindung mit Liebeskummer, wenn es nicht mehr weitergeht, geht es eben abwärts. Sollte ich da einmal hinreisen, ich werde mich vorsichtshalber nicht verlieben, denke ich mir – wobei ich jetzt schon wegen dieses Satzes eigentlich dringend dahin müsste, das könnte immerhin ein interessantes Reisetagebuch werden: “Der Mann, der an den Frauen vorbeisah”. Auf den Färöer Inseln, so lese ich bei der Wikipedia, gibt es die höchste senkrecht abfallende Klippe der Welt. Immer eine saubere Lösung, also zumindest nach diesen Geschichten da zu urteilen.

Da kann ich mit meinen Erfahrungen am Brodtener Steilufer natürlich nicht mithalten, auch wenn ich selbst sogar eine eigene Abwärtsgeschichte dazu beigetragen haben – wirklich tragisch war sie nicht. Und die nächstbeste einigermaßen dramatische Klippe, also die von Helgoland, hat mich bisher auch noch nicht mit solchen Geschichten versorgt. Wenn ich wieder da bin, frage ich mal nach beim Helgoländer vom Dienst, da muss es doch etwas geben.

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Beim Edeka im kleinen Bahnhofsviertel steht eine Gruppe vor mir, die vermutlich aus China kommt, wirklich sicher bin ich mir da natürlich nicht. Vier, fünf Männer, sie sind so lässig angezogen, dass es schon weit ins Vernachlässigte reicht, die Ausstrahlung ist etwas ärmlich. Sie reden sehr freundlich miteinander und der Älteste zahlt an der Kasse, wobei er ein Bündel Bargeld aus der Hosentasche holt, das die vermutlich größte Geldsumme ist, die ich je beim Einkaufen bar gesehen habe, zwei Handvoll Geld in großen Scheinen. Er legt einen Geldschein nach dem anderen ab, die Summe der Scheine ist schnell viel zu hoch, sie ist geradezu dramatisch zu hoch, aber die Kassiererin hat erhebliche Mühe, ihm das klarzumachen, zu viel, zu viel! No! Stop! Endlich versteht er und sammelt lachend alle Scheine wieder ein, ach so, man braucht hier nur einen davon. Gelächter in der Gruppe, und er stopft das Geld achtlos wieder in die Hosentasche.

Nachdem sie weg sind gucke ich noch einmal auf den Boden, aber verstreut haben sie nichts. Was da wohl für eine Gruppe war?

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“Jungs, soll ich euch noch eben was vorlesen? Was von mir?”

“Geht auch Walter Moers?”

Denn es ist und bleibt eine wirklich wichtige Regel im Leben: Man muss auch verlieren können. Wobei man gegen manche ganz gerne verliert, schon klar.

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Musik! Gepflegte Salonmusik. Auch mal schön.

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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