Sie werden es geahnt haben, wir waren in Nordfriesland, da ist man offline. Also wirklich “man”, nicht nur wir, und durchaus nicht aus eigenem Beschluss, sondern weil es da eben in weiten Teilen nach wie vor keine Empfang gibt, kein Netz, kein Digitalien, kein Online. Die Kuh macht Muh, die Hähne krähen dazu, da lacht der Schlagerfreund und der Mensch mit dem Handy geht zur nächsten nicht nur sprichwörtlichen Milchkanne und sieht, dass nichts geladen werden kann, nichts, gar nichts. Das kennen wir gut, das geht uns dort jetzt seit fünf  Jahren so. Und allmählich finde ich die an dieser Stelle verlässlich eintrudelnden und sicher frommblickend erteilten Hinweise auf Digital Detox gar nicht mehr so witzig, sie machen mir eher mehr und mehr Lust, die Vertreter dieser Position ausufernd zu beleidigen.

Denn natürlich ist Digital Detox eine unter Umständen feine Sache, ich weiß es wohl, aber doch bitte nur nach eigener Beschlusslage, und nicht etwa weil gewisse Bundes- und Landesregierungen alles, aber auch alles verpennt haben, was die moderne Kommunikation und ihre Möglichkeiten ausmacht. Es ist fatal, es ist desaströs, es ist schlicht peinlich. Wir waren auch wieder in Südtirol, da kann man im letzten abgelegenen Bergwald unter einer märchenhaft flechtenbehangenen Lärche liken, da kann man im finstersten Tal auf einer Tenne twittern, das ist nie ein Problem, in Nordfriesland dagegen, überhaupt in der deutschen Provinz – ach, egal. Ich beruhige mich auch wieder. Immerhin wurden dennoch Notizen verfertigt, ja ja, das Offline stärkt die Handschrift, geschenkt.

Ich weiß noch nicht, wie ich hier wieder Struktur hineinbekomme, am Ende brauche ich eh gar keine Struktur, irgendwo anfangen und jeden Tag was ergänzen, quasi bewährtes Prinzip.

Kurz nur zum Start der sozusagen zweiten Blogsaison des Jahres die Zusammenfassung und der Gesamtüberblick – wir waren eine Woche in Südtirol auf einem Obsthof, wir waren eine Woche im Garten, den wir für diesen Zweck noch etwas spaßorientiert aufgerüstet haben, dazu auch später mehr, ich war mit Sohn II kurz auf Wanderung, wir waren eine Woche in Nordfriesland. Und weil das jetzt ja alle erwähnen, die sich umweltmäßig irgendwie herausgefordert fühlen, erwähne ich es auch, das war für mich das fünfte Jahr ohne Flug. Wozu ich aber ergänzen muss, dass ich das Fliegen sowieso hasse, nicht wegen Flugangst, die habe ich nicht, sondern wegen der Umstände, die ich immer als entwürdigend empfunden habe. Das ist also kein Kunststück und kein schwerwiegender Verzicht für mich, nein, es ist überhaupt kein Verzicht, es ist geradezu ein Gewinn, gehen Sie weiter, es gibt nichts zu sehen. Nachmachen können Sie es natürlich dennoch, ökologisch sinnvoll wird es schon sein.

Ich kann mir ja gottseidank fast alle Sinnfragen dramatisch leicht machen, weil ich mich immer fragen kann, ob etwas für die Kinder gut und/oder sinnvoll ist, und wenn ich den Urlaub vor diesem Hintergrund sehe, dann haben die beiden mit großer Sicherheit genug erlebt, genug Spaß gehabt, genug zu erzählen, zumal sie sogar noch eine Reise mehr hatten als wir Eltern, nämlich eine Woche im Zelt auf Sylt, also wirklich, da fehlt nichts ohne Flug.

Zum Rest später. Die Routinen setzen gerade erst wieder ein, die Alltagsmaschinen laufen langsam wieder an, die Badehosen müssen noch vom Wäschetrockner in die Schränke verräumt werden. Nächste Woche beginnt das neue Schuljahr, da ruckelt es kurz noch einmal, dann findet bald alles in einen Trott und die Stunden sortieren sich neu in Schreibzeit und Freizeit und dergleichen. Das läuft, das kennt man schon, und ja, der Sommer war sehr groß.

Im Grunde kann es Herbst werden, kann es nicht?

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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