Aufgrund hier nicht näher zu erläuternder Umstände hagelte es gestern förmlich Termine und die Herzdame und ich haben strebsam und fleißig alle Vorhaben, alle großen und kleinen Projekte, sämtliche Pflicht- und auch Wunschveranstaltungen jeder nur denkbaren Art und so weiter und so weiter in die diversen Kalender übertragen, abgestimmt und durchpriorisiert. Dann bin ich angesichts der beträchtlichen Fülle innerlich etwas eingeknickt, das ist allerdings ein wiederkehrender Effekt, routiniert abgelegt unter “August, normal”.  Und ein Knick ist ja kein Bruch, ne. Läuft.

Ebenfalls ein wiederkehrender August-Effekt – ich stelle nach dem Urlaub überrascht fest, dass man morgens wieder Licht anmachen muss und finde das irgendwie auch ganz gemütlich. Mit etwas Glück hält das bis etwa Neujahr an, dann nervt es wieder.

Ferner stelle ich fest, dass hier gerade zwei Umstände zusammentreffen, denn erstens habe ich im Urlaub immer weiter daran gearbeitet, die Sache mit den Notizen zu perfektionieren, zweitens habe ich nach wie vor verblüffend wenig ruhige Stunden für längere Texte, was auch daran liegt, dass die Söhne entgegen aller geradezu lächerlich falschen Voraussagen immer weiter ins Grobe hineinkommen, um Ihnen nebenbei kurz alle Hoffnung zu nehmen, falls Sie gerade ein Kleinkind herumtragen – aber vielleicht reichen ja auf diese Art die Notizen aus dem Urlaub bis Weihnachten oder so, und das ist doch irgendwie auch ganz nett, es ist so etwas wie ein gut gefülltes Kontor, da lacht der Hanseat. Wobei ich gerade gestern wieder intellektuell an meinen eigenen Notizen grandios gescheitert bin, weil ich entschieden zu lange darüber nachgedacht habe, was ich denn bloß vor vier Wochen mit der einigermaßen kryptischen Zeile: “Fisch und Eisberg” gemeint haben könnte. Es dauerte mehrere Minuten, bis ich darauf kam, dass es sich hierbei lediglich um ein Stück Einkaufszettel handelte, Fisch und Eisbergsalat, meine Güte. Und dann wieder diese inneren Stimmen, die eine sagt: “Das ergibt doch keinen Text!”, und die andere sagt “Dohoch!”

Passend dazu lese ich gerade “Selbstgespräche” von Charles Fernyhough, “Von der Wissenschaft und Geschichte unserer inneren Stimmen”, übersetzt von Theresia Übelhör. Es geht um die Art, wie wir denken, wie und ob wir dabei verbalisieren etc., ein faszinierendes Thema.

Um aber heute wenigstens noch eine Urlaubsnotiz abzuarbeiten, es folgt noch schnell mein allerliebster im Vorübergehen gehörter Dialog aus den Urlaubswochen, es ist vollkommen egal, wo das war, ein Pärchendialog, aufgeführt in leicht gereizter Stimmung:

“Oh, wie schön ist Kanada.”

“Das heißt Panama.”

“Das ist doch wohl scheißegal.”

Und damit verabsentiere ich mich ins Büro. Vor unserer Haustür übrigens stand neulich ein Lieferwagen, der trug die überaus seltsame Aufschrift “Bürobedarf für Fröhliche.” Und nachdem ich jetzt schon seit ein paar Tagen ohne Erleuchtung darüber nachdenke, ich reiche die Frage mal an den hier vielleicht ab und zu mitlesenden Freundeskreis Dysphorie weiter – was zum Teufel mag das sein?

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Und übrigens bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

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