Ein Wort aus dem Baskischen.

***

Erinnerungen einer mitttelalten Westlerin an den Osten

***

Auf dem Weg zur Arbeit komme ich an den Räumen einer christlichen Splittergruppe vorbei, es handelt sich dabei um eine etwas exzentrische und nicht sehr mitgliederstarke Gruppierung, die dort einen Lesesaal unterhält. Einen Lesesaal, in dem nie jemand sitzt, in dem aber mit schöner Regelmäßigkeit einige Bücher aufgeschlagen auf die Tische gelegt werden, damit es so aussieht, als ob da reger Betrieb wäre, hier und da natürlich auch ein Kinderbuch. Im Fenster zur Straße hin hängt ein Bildschirm, auf dem werden den Ungläubigen da draußen mehr oder weniger frohe Botschaften angezeigt, Gottesdiensttermine und dergleichen, sinnige Sprüche und Bibelzitate, na, man kennt das. Heute morgen leuchtete mir da folgender Schriftzug beträchtlicher Größe entgegen, als ich ins Büro hastete: “Immerwährende Strafe!”

Und okay, ich bin nun wirklich kein ausgewiesener Experte für Religion oder Marketing, aber ich möchte doch die wahrscheinliche Wirkung dieses Satzes auf die Passanten mit einem vorsichtigen “Ich weiß ja nicht” skizzieren. Als werbende Botschaft ist die Zeile vielleicht doch nicht ganz so günstig.

***

Ich habe das “Irische Tagebuch” von Böll als Hörbuch gehört, fantastisch liebevoll gelesen von Jerzy May, das war viel schöner als gedacht und auch deutlich schöner als erinnert. Was auch kein Kunststück ist, denn ich konnte mich kaum an das Buch erinnern. Wann mag ich das gelesen haben, mit achtzehn Jahren oder so, in einem Land vor unserer Zeit. Ich habe eigentlich nicht einmal die leiseste Erinnerung daran, ob es mir damals gefallen hat oder nicht.

Es sind schöne Begriffe darin, etwa “Einzelsäuferkoje”, es gibt auch Sätze, die fallen mir besonders auf, etwa: “Ein Schaffner kurbelte aus seiner Papiermühle eine lange Fahrscheinlocke heraus.” Ich zitiere aus dem Gedächtnis, das Original kann leicht abweichen. Das fällt mir deswegen auf, weil ich das als Bild noch spontan umsetzen kann, meine Söhne aber könnten das nicht mehr. Papiermühle? Hä?

Und dann dieses Gefühl, deutlich über hundert Jahre alt zu sein, wenn ich mir ins Gedächtnis rufe: Ich habe sogar noch Schaffner in Bussen erlebt. Ich kenne also diese Menschen mit den Papiermühlen noch, auch die, die an den Busstationen herumstanden und aus diesem metallenen Zauberding vor dem Bauch heraus Fahrscheine drehten. Und in den Bussen hingen Aschenbecher, immer volle Aschenbecher, na, und immer so weiter. Die Erinnerungen im Museum für Kulturgeschichte. Manche sind so schräg, also aus heutiger Sicht, fast möchte man sich selbst nicht glauben.

Die Hörbücher höre ich auf Spotify, die Auswahl an Klassikern dort reicht für den ganzen Winter, alleine der Stechlin, den ich gerade angefangen habe, läuft vierzehn Stunden oder so. Der Stechlin natürlich wieder so schön, ich möchte mich geradezu suhlen im Text.

Nebenbei fiel mir ein Album auf, das möchte ich kurz und dringend empfehlen, ein fantastisches Ding, das ich lange gesucht habe. Westphal liest Benn über Jazzstücke hinweg und hinein. Da braucht man mal einen ruhigen Moment dafür, aber es lohnt sich dann. “Es gibt Melodien und Lieder, die bestimmte Rhythmen betreu’n, die schlagen dein Inneres nieder – und du bist am Boden bis neun.”


***

Musik! Es muss ja nicht immer alles harmonisch sein. Fiona Apple und Andrew Bird.

***

Und außerdem bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

***

Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank!