Wir haben das nie gesagt

Ich habe erneut zu danken, denn wir haben Pflanzensamen aus Portugal zugeschickt bekommen, viele sogar! Außerdem ganz außer der Reihe ein Dank an die Trinkgeldgeberin gestern mit den herzwärmenden Komplimenten, die haben mir nämlich heute den Tag gerettet, das aber auch gründlich. Merci bien!

***

Ohne jeden erinnerbaren Anlass fiel mir neulich auf, dass niemand mehr Apfelsinen und Pampelmusen sagt, und weil ich ja alles gleich nachschlage, weiß ich jetzt, dass das -sine in der Fruchtbezeichnung von China kommt. Wieder was gelernt! Chinaäppel sind das quasi. Im Grunde klingt es ja interessanter als Orangen, aber irgendwie auch uncool, zugegeben. Und Pampelmusen, das habe ich nicht gewusst, sind gar keine Grapefruits, sondern Grapefruits sind eine Kreuzung aus Pampelmuse und Apfelsine. Wie isses nun bloß möglich! Man kauft ja ganz falsch ein!

Wenn ich mich richtig erinnere, was natürlich zweifelhaft ist, denn man erinnert wie man will, wie man einmal gewollt hat und wie es einen gerade umtreibt, dann war zu der Zeit, als in der Fernsehwerbung für Saft noch der leibhaftige Onkel Dittmeyer aus dem Grün der Plantage sprang, um kleine Kinder belehrend anzureden, noch von Apfelsinensaft die Rede. Aber das ist lange her.

Apfelsine. Wenn man länger über das Wort nachdenkt, wird es immer seltsamer, und wenn ich es oft genug wiederhole, gucken die Söhne schon wieder mit diesem besonderen Blick zu mir rüber. Apfelsine. Am Ende haben wir das alle nie gesagt. Und Pampelmuse, also wirklich. Das kann eh nie ernst gemeint gewesen sein.

***

Der Weihnachtsmann, ich möchte niemandem unnötig Hoffnung machen, zog gestern am frühen Abend mit erheblicher Schlagseite durch die allgemein als etwas anstrengend empfundenen Straßenzüge unseres kleinen Bahnhofsviertels. Er grummelte unverständlich vor sich hin, rauchte und hielt eine Flasche Bier in der Hand, die er überraschend sorgsam vor einer Kneipe für Menschen mit überdurchschnittlicher Tankkapazität abstellte, bevor er schwankend die drei Stufen zum Schankraum hinunterstieg und dort die Tür öffnete. Ob das noch etwas wird bis zum 24.?

***

Musik! Jasper Steverlinck.

***

Und außerdem bin ich der Meinung, dass der Innenminister zurücktreten sollte.

***

Sie können hier Geld in den nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank!

16 Kommentare

  1. Ich könnte mir vorstellen, das es bei der Benennung von Apfelsinen/Orangen durchaus regionale Unterschiede gibt. Bei uns (östlich von Berlin bzw. jetzt Berlin) wurden und werden die Früchte immer so genannt.

  2. Ich finde, „Apfelsine“ klingt irgendwie oll, nach ausgequetschten, schon leicht angegammelten Überresten. Da kriege ich gleich so eine Ahnung von einem unangenehmen Geruch in der Nase.

    „Orangenhaut“ klingt auch viel wärmer und freundlicher als „Apfelsinenhaut“ …

  3. Also ich bin mir recht sicher, dass ich eher Apfelsine als Orange benutze, wenn es um die Früchte geht. (Ruhrgebiet übrigens) Im verarbeiteten Zustand sind es dann eher Orangen (Saft, Plätzchen etc.)

  4. La Gröner hat gestern anlässlich ihrer Orangen Schoko-Plätzchen über Apfelsinen sinniert. Vielleicht war das der nicht erinnerbare Anlass. Oder Zufall.

  5. Apfelsinen kann man immerhin eindeutig aussprechen, während das mit Orangschen oder Orooschen schon kompliziert wird. Oder Greppfrutt.

  6. Ich meine, die regionalen Unterschiede kommen daher, ob die ersten Bezugsquellen eher über die Niederlande kamen (Apfelsinen) oder über Italien (Orangen). Warum auch immer der Begriff Orangen sich dann durchgesetzt hat… in meiner Südost-Ecke ist Apfelsine aber noch gebräuchlich.

    Und um die Kreuzungsgeschichten noch weiter zu verkomplizieren: Pomelos sind Züchtungen aus Grapefruit und Pampelmusen (gefühlt ist das ja alles das gleiche)

  7. Die Herkunft von ‚Pampelmuse‘ stammt laut Wikipedia aus dem Niederländischen. Das ist auch ganz interessant, wobei es (im Artikel jedenfalls) uneindeutig bleibt, wie genau „pompelmoes oder pampelmoes“ nun wirklich entstanden ist. Man müsste einen Niederlandisten fragen …aber wozu eigentlich 😉

  8. Mir ist sofort dieses Lied in den Sinn gekommen:
    https://youtu.be/sllWxhcNFbk
    Und ich kann mich noch daran erinnern, wie ich als Kind Apfelsinen holen sollte und bitterlich weinen musste, weil es beim Obst nur Orangen gab (der Verkäufer schwor Stein und Bein, dass sie nur Orangen hätten).

  9. Mir gehts wie Sophia (aber der Niederrhein ist ja auch recht ruhrgebietsnah). Wenns um die ganze Frucht geht, sage ich Apfelsinen. Mit der Verarbeitung wird aus der Apfelsine dann die Orange. Orangensaft, Orangenmarmelade, Orangencreme, Orangenwasaufimmer. (Und jetzt habe ich so oft Orangen geschrieben, dass mir das Wort sehr seltsam erscheint.)

  10. Mal ganz anderes: ich glaube, ich habe Sie gestern auf dem Gelände der Grundschule gesehen, auf der meine Tochter jetzt in die erste Klasse geht. Ich hatte kurz und heftig den Impuls, Ihnen hinterher zu rennen und nach einem Autogramm zu fragen. Zum Glück habe ich eine gute Impulskontrolle und immer Angst, dass ich mich irre und einen unbescholtene Bürger belästige. Aber ich habe mich hinterher gefragt, ob Sie manchmal wegen Ihrer internetaktivität von Fremden angesprochen werden? Sie sind ja quasi prominent, zumindest aber auf jeden Fall populär!

  11. @Jongleurin: Das tut mir leid, dann haben Sie mich in einem Moment finsterster Laune erwischt. Also ja, das war dann schon ich. Und tatsächlich bin ich dergestalt D-, E-, F- oder G-prominent, dass ich schon auf der Straße angesprochen wurde, aber nur etwa einmal im Jahr oder so. Und gerne in sehr unvorteilhaften Momenten, wenn ich etwa gerade Pizza von Papptellern esse und das Gesicht voller Käsefäden habe – so in der Art 🙂

  12. Als ich Kind war (und das ist schon ziemlich lange her) und noch in Süddeutschland lebte (gezwungenermaßen), besuchte uns einmal im Jahr unser Großvater aus Hamburg. Er hatte für jede der fünf Schwestern eine Pampelmuse dabei, in der ein 5-Mark-Stück steckte. Die Pampelmuse war ordentlich sauer, aber sie war auch so herrlich exotisch, dass wir das gerne in Kauf nahmen. Immerhin durften wir dann ausnahmsweise mal mehr Zucker nehmen also sonst.
    Noch besser an dem Geschenk war, dass keine von uns teilen musste. Und das Geld natürlich.

    Was da eben so für Erinnerungen kommen, wenn von Apfelsinen und Pampelmusen die Rede ist … Ich nenne sie übrigens immer noch so. Aber ich bin ja auch schon alt. 😉

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.