Nach dem Tag in dem Freizeitbad in Herford, ich berichtete, wollten wir das nördliche Westfalen noch etwas weiter als Touristen erkunden, besonders die Herzdame wollte das. Denn sie kommt ja aus der Gegend und kennt also gar nicht alles, das ist meistens so. Ich z.B. komme aus Travemünde und war nie auf der Passat, auf die jeder reisende Mensch, den es dorthin verschlägt, doch pflichtgemäß zuerst geht, bei dem Schiff ist nämlich immer so ein Hinweissternchen im Reiseführer oder ein gelb markierter „Tipp“-Pfeil, etwas in der Art, aber wenn man da wohnt, dann liest man eben keine Reiseführer und denkt jahrelang, dass man da auch demnächst noch hingehen könnte, und das denkt man, bis man endlich wegzieht. Weswegen es beim Stichwort „Urlaub in Deutschland“ in aller Regel Ziele – welcher Qualität auch immer – vermutlich direkt vor der Haustür gibt, und zwar in jeder Region. Aber das nur am Rande.

Ich machte also, was man als Tourist so macht, ich googelte „Westfalen mit Kindern“, was sofort den Hinweis ergab, den Vogelpark in Heiligenkirchen zu besuchen, das liegt in der Nähe von Detmold. In der Nähe von Detmold liegt überhaupt so einiges, stellte sich dabei heraus. Niemand in der Familie der Herzdame hatte je etwas von diesem Vogelpark gehört, was ich interessant fand, denn in der Familie sind immerhin etliche Kinder und Enkel großgezogen worden und viele, viele Male wurde da also die sonntägliche Frage nach Ausflügen gestellt, aber nie kam jemand auf diesen Vogelpark, er blieb gänzlich unbekannt. Was wohl auch heißt, dass er in der lokalen Zeitung niemals vorkam. Da gibt es dann also Grenzlinien der Informiertheit, die man keiner Landkarte entnehmen kann, aber die umgeben sicher auch unsere Wohnorte und dahinter wartet dann schon das Neue, das Andere, es ist vielleicht nur eine Auto- oder Zugstunde entfernt. Bezüglich Vogelparks gab es im norddeutschen Raum in den letzten Jahrzehnten übrigens einen solch gewaltigen und penetranten Werbedruck, dass jeder Mensch in einem riesigen Umkreis reflexmäßig Walsrode als Bindewort ergänzt, das gehört so, das kann gar nicht anders sein, es kann keinen Vogelpark geben neben dem, du sollst keinen zweiten Vogelpark haben.

Wir fuhren dennoch zu diesem Vogelpark, der nicht in Walsrode lag. Nicht ohne die Söhne eindringlich zu warnen, Achtung, unbekanntes Ziel, keiner weiß, was uns da erwartet, am Ende taugt das gar nichts, das ist hier quasi ein Abenteuer, ein allerdings sehr gut gepolstertes. Den Söhnen aber war eh alles recht, man muss die, so haben wir dabei gelernt, nur mal coronabedingt ein paar Monate krass ereignisarm halten, dann freuen die sich auch wieder über ganz altmodische Familienausflüge. That was easy!

Der Park war bestens ausgeschildert, leicht zu finden und mäßig gut besucht, keine Spur von Überfüllung, wie wir sie etwa bei Hagenbeck sicher zu erwarten gehabt hätten.

Man geht zunächst an einer ganzen Reihe von bestenfalls mittelgroßen Volieren vorbei, in denen erwartungsgemäß exotische Vögel sitzen oder herumflattern. Es sind solche Volieren, deren Größe irgendwie nicht reichen kann und man sieht das auch, sie können also leicht traurig stimmen. Allerdings war die Vogelauswahl so, dass wir tatsächlich überrascht davor standen: Nie gesehen, solche Gestalten. Es waren welche dabei, die man anstaunen konnte und das habe ich schon lange nicht mehr gemacht, Tiere angestaunt, das ist aber schön. Wie bunt kann man sein, wie elegant, wie schillernd, was hatte die Schöpfung oder die Evolution denn bloß für abgefahrene Launen, wie isses nun bloß möglich. Solche Vögel waren das. Ich bin bei zoologischen Gärten aller Art reichlich skeptisch und bleibe das auch, aber ich fand es dann doch gut, so etwas einmal wieder gesehen zu haben.

Gegenüber ein Helmkasuar. Ein Laufvogel von beträchtlicher Größe und mit ausgesprochen grimmer Visage, wenn der Ihnen auf einem Waldweg entgegenkommt, dann weichen Sie aus, und zwar verlässlich und schnell und weit. Der ist tatsächlich gefährlich und er sieht auch so aus, auch diesen Vogel hatte ich noch nie vorher gesehen. Da stand ein einzelner Helmkasuar im Gehege, was einen zunächst spontan dauert, das arme Tier! Bis man nachliest, dass diese Kasuare rabiate Einzelgänger sind, die sich ausschließlich zur Paarung treffen. Ich bin auch gerne und oft alleine, aber ich sehe die Herzdame doch etwas öfter und das ist auch gut so, glaube ich. Vor der Paarung baut der Kasuarhahn ein Nest, nach der Paarung und der Eiablage kümmert er sich alleine um Eier und Aufzucht der Küken, der weibliche Vogel dagegen zieht weiter und sucht sich bald den nächsten Partner. Auch ein Modell.

Ich habe dort ferner endlich einmal einen Tukan gesehen, das wollte ich schon lange einmal, Tukane sind großartig. Zwei unerwartete Bemerknisse ergaben sich dabei, denn zum einen hüpft dieser Vogel ausgesprochen leichtfüßig, als würde er gar nichts wiegen, zum anderen, und da wird es wirklich seltsam, klingt dieser gewaltige Schnabel, wenn er ihn gegen einen Ast schlägt, als sei er hohl und aus Plastik, ja, er klingt deutlich wie so ein Billigspielzeug, das etwa einer Kinderzeitschrift beiliegt, er klingt wie eine Kopie dessen, was man sich als Original immer gedacht hat. Nanu! Aber die Optik natürlich – grandios.

Den größten Erfolg bei den Söhnen hatte dann aber eine Art, die eigentlich hinlänglich bekannt ist, für die man überhaupt nicht hätte verreisen müssen, die kommt in genug Privatwohnungen vor: Wellensittiche. Die gibt es da schwarmweise in einer großen Anlage, in der sie frei herumfliegen und sich den Besucherinnen auf die Hände setzen, jedenfalls wenn diese Hände Hirse halten, die man da aus einem Automaten kaufen und kaufen und kaufen kann. Und dann hat man eben kleine bunte Vögel auf der Hand, die picken und knabbern und mit schräg gelegtem Kopf neugierig gucken und erstaunlich fest und schmerzhaft in Kinderfinger zwicken, und ich glaube, die Söhne und die Herzdame waren da mehr als anderthalb Stunden drin, weil es eben manchmal wirklich sehr einfach ist.

Im Gehege daneben haben sie dann noch gesehen, dass die Küken der einen Art skrupellos an die andere Art verfüttert werden, das haben sie dem Marabu etwas übelgenommen und ich habe mir dann pädagogisch wertvolle Vorträge über Chicken Nuggets mühsam verkniffen. Das war aber schon auf dem Weg zum Ausgang, da sahen die Söhne schon wieder eine Kioskmöglichkeit und hörten eh nicht mehr zu.

Es gab noch einen netten und kaum besuchten Spielplatz für eher kleinere Kinder, der ist zu normalen oder postpandemischen Zeiten sicher voll. Man kann natürlich Eis und Pommes und das Übliche kaufen, der Eintritt ist nicht teuer – klare Empfehlung. Als Tagesausflug bestens geeignet, man ist, je nach Kind, versteht sich, in drei bis vier Stunden locker durch, und das reicht ja auch, dann schafft man noch eine weitere Attraktion in der Gegend, dazu in Kürze mehr.

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