Der Kinderarzt fragte, ob die Söhne Sport machen. Da gibt man dann komische Antworten, denn ja, sie machen Sport, und wie, aber der findet nicht statt. Seit Monaten nicht. Sie machen also theoretisch Sport. Ab und zu erinnere ich sie daran, dass sie in Sportvereinen sind, dann nicken sie flüchtig. Das war damals. Im März wird Corona ein Jahr alt, ein großes Stück Kindheit. Ihre Bilanz wird durchwachsen ausfallen, glaube ich. Es gab auch Vorteile aus ihrer Sicht, große sogar. Dann denke ich an die, die etwas älter als meine Söhne sind, an die fortgeschrittenen Teenies, die gerade ihre erste Liebe erleben, mit Abstand und Maske und dennoch. Darüber kann man später Romane lesen. Viele.

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Im Badezimmer steht ein Fleckenentfernungsmittel, auf der Packung steht “Denk mit“. Das regt mich auf, wieso fordert mich diese Packung zum Mitdenken auf, die ist nicht einmal belebt, maßt sich aber an, mir Appelle zu senden, was soll das. Ich sage „Denk doch selber!“ Man muss sich wehren, überall muss man sich wehren und standhaft aufrecht bleiben. Resilienz! So wichtig. Sich von so etwas nicht beeindrucken lassen und nicht angegriffen fühlen. Nicht einmal ignorieren! Ich stehe im Badezimmer und rede mit Pappschachteln, fällt mir auf, von wegen Resilienz. Ich gucke schnell in den Spiegel und gucke kritisch. Das hilft. Kurz.

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Wobei ich eigentlich mittlerweile glaube, dass unser Denken, auf das wir so stolz sind, nur eine reine ABM-Maßnahme unseres allzu leistungsfähigen Hirns ist. Das ist ja nur so irre leistungsfähig, weil wir damit überlebensfähig wurden, vor zig Jahrtausenden, aber heute ist Überleben dermaßen einfach und billig, wir denken nur noch tagesfüllend in der Gegend und im Kreis herum und bilden uns etwas darauf ein, dabei ist das alles nicht mehr als fortwährender Übungsbetrieb, damit die Neuronen nicht rotten.

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Ich habe für einen kleinen Text eine Deadline im November, und wenn ich mich ganz still hinsetze und ruhig atme, dann kann ich sie fühlen. Hypersensibel! Immer geahnt. Aber das also auch noch.

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Ich setze mich auf das absurdgrüne Sofa, auf dem ich jetzt wohne. Ich habe da jetzt so oft gesessen, niemand traut sich mehr auf diesen Platz, alles meins, meins, meins. Ich mache Möwengeräusche und sitze gründlich. Ich mache ansonsten überhaupt nichts, das ist sowieso das Revolutionärste, was man machen kann. Ich folge keiner Werbung, keinem Programm, keiner Ideologie, keiner Verlockung und keinem Befehl. Ich sitze und denke verwegen. Ich lasse mir das rote Barthaar stehen, könnte ich den ollen Degenhardt zitieren, aber mein Bart ist gar nicht rot, obwohl ich doch Vater bin, aber das war ja Schnurre. Es ist kompliziert.

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Ich koche Essen für die Familie. Dabei habe ich eine seltsame Anwandlung, ich fühle, ich ahne – ich werde auf einmal superpatent. Ich beschließe umgehend, gleich zwei Mahlzeiten zu kochen, eine auf Vorrat. Gestandener Hausmann! Ich rühre grinsend im Topf, das ist ein guter Tag. Ich parke den einen Suppentopf hinterher erst einmal auf dem Balkon, denn es ist kalt genug, da kann etwas anderes in den Kühlschrank. Der Platz ist hier knapp mit all den Personen, die dauernd essen und trinken. Nach vier Tagen fällt mir die Suppe wieder ein. Sie hat sich ein Mützchen aufgesetzt und riecht nicht mehr so gut. Doch wieder leichte Zweifel an der Zuschreibung „superpatent“. Schlimm.

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