Karo Vier

Einmal einkaufen, alles drin. Nur anders, als man es erwartet. Das Kassensystem lädt nicht recht, die Kassiererin sagt: „Es geht nur Barzahlung, bitte keinen Karten, das klappt gerade nicht.“ Die Kundin sagt: „Das wollen wir doch mal sehen!“ Und stopft ihre Karte ins Lesegerät rein. Das ist so eine allgemeine Haltung gerade, nicht wahr? Das wollen wir doch mal sehen. Wenn Sie das und das machen, dann steigt das Infektionsrisiko … Das wollen wir doch mal sehen. Wenn dies, dann das … Das wollen wir doch mal sehen. Einfache Logik hilft nicht mehr weiter. Schade eigentlich, einfache Logik war oft gut.

Ein anderer Laden, die Kassiererin spricht mit einem abgehetzten Mann, sie fragt ihn, ob es denn beruflich wenigstens ruhig bei ihm sei, so kurz vor Ostern. Der Mann lacht laut auf und sagt, dass er im Krankenhaus arbeite, und ruhig, haha, da könne er aber lachen, könne er da, und er lacht immer weiter, ruhig, nee, nee, was eine Vorstellung!

Auf der Straße vor dem Laden gackerndes Jungvolk mit Bubble-Tea-Bechern in der Hand und Pokémon-Go auf dem Handy, vielleicht entwickelt sich jetzt alles zurück. Der Verstand, die Trends, die Moden, der Geschmack, einfach alles. In einem Kinderzimmer hier laufen dauernd Hits aus den Achtzigern, es passt alles zusammen.

Wenn du Bubble-Tea trinkst, dann ist das aber nicht gut für die Zähne. Das wollen wir doch mal sehen!

Unter einem Busch am Straßenrand liegt eine Spielkarte. Ich hebe sie im Vorbeigehen auf, es ist eine Karo Vier. Ich weiß rein gar nichts über Kartendeutung, ich lese das also erst einmal auf dem Handy nach, und guck an, Karo Vier ist super. Eine Sekunde später kommt schon eine sehr freundliche Mail, danke übrigens, die Dame liest mit. Dann noch eine Mail, auch die ist gut. Jetzt bei jedem Spaziergang nach Spielkarten gucken, warum auch nicht. Ich will nichts verpassen und suche eh dauernd irgendwas, Licht, Zeichen, Auswege, Szenen, Motive, Abwechslung.

Oder gleich Spielkarten selber verteilen, nicht immer so passiv denken! Porträt des Autors als selbstwirksamer Spielkartenverteiler. Ich habe den Joker übrigens immer sehr gemocht, also die Karte als Kind, noch bevor ich den aus dem Comic überhaupt kannte. Der ist eigentlich ein Narr, der auf der Karte, richtig? Das passt schon. Wissen Sie noch, wie Handke diesen Schwachsinn von sich gegeben hat, er käme von Tolstoi und Homer her? Ich komme eher von den Narren her. Ich komme von Engelbert dem Blöden her, falls Sie den noch kennen, der auf einen Haarkamm biss, Rattenfängerlieder blies.

Wie zum Teufel bin ich jetzt darauf wieder gekommen?  Ich habe nicht die leiseste Ahnung.

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Sie können hier Geld in den allerdings nur virtuell vorhandenen Hut werfen, ganz herzlichen Dank! Sollten Sie den konventionellen Weg bevorzugen und lieber ganz klassisch etwas überweisen wollen, das geht auch, die Daten dazu finden Sie hier. Wer mehr für Dinge ist, es gibt auch einen Wunschzettel. Merci!

 

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