Ich gehe morgens Brötchen holen, es regnet, es sind 12 Grad, natürlich sind 12 Grad. Ich denke Heimat, ich denke Auswandern, ich denke ach lass mal. Viel zu kompliziert und wohin überhaupt. Andere Länder, andere Menschen, da fangen die Probleme ja schon an.

Irgendwo in meinem Schrank sind so farbige, leichte Sommersachen, die liegen immer noch ganz unten, gleich neben meiner Stimmung.

Das Home-School-Kind – wir haben jeden Tag ein Home-School-Kind und ein Präsenztagkind im Wechsel – bewirft währenddessen auf dem Balkon ein mit Mehl und Kakao bedecktes Backblech mit Steinen. Es sagt, das sei Physik und das müsse so, ein Versuch, ein Versuch. Ich sage fein, fein, mit Physik kenne ich mich leider nicht aus, mach mal, aber lass mich nach Möglichkeit in Ruhe damit. Gleich habe ich wieder den Physiklehrer von damals vor Augen, der immer so herzzerreißend verzweifelt geguckt hat, wenn wieder ein Versuch nicht geklappt hat, der hat uns tatsächlich oft leidgetan. Alles war so gut gemeint, und dann war es doch wieder nichts und dann dieser verzagte Blick auf all das Zeug, das nicht funktioniert hat. So gucke ich heute nach misslungenen Erziehungsversuchen.

Ich mache meine Firmenmails auf, ich lese und verstehe nichts, oh, eine berufliche Sinnkrise. Oh, sie ist schon wieder vorbei, denke ich eine Minute später, eine kurze Aufmerksamkeitsspanne hat eben auch ganz entschieden ihre Vorteile.

Ich arbeite, ich gehe zwischendurch schnell in den Drogeriemarkt um die Ecke. Die Kassiererin fragt mich: „Wie geht es Ihnen und Ihrer Familie?“ Heimat, denke ich schon wieder, Heimat ist, wo die Drogeriemarktkassiererin weiß, wer deine Familie ist. „Es geht uns gut“, sage ich, „alles gedeiht bestens bei 12 Grad und Regen.“

Das Home-School-Kind macht währenddessen Grammatik, Futur II, wir werden Home-School gehabt haben. Das Plusquamperfekt dann später für die Enkel, wir hatten Home-School gehabt. Und im Partizip, so doziere ich weiter, wird es dann beschreibend, das home-schoolende Kind. Er, sie, es wurde homebeschoolt. Na, was man so macht.

Das Präteritum übrigens lief in meiner Schulzeit noch unter Imperfekt. Ich bin so alt, sogar die Grammatikbücher aus meiner Schulzeit wirken mittlerweile steinzeitlich, vielleicht waren sie auch noch in Fraktur gedruckt, das kann sein. Ich lese das nach, das mit dem Präteritum, und siehe da, die Bezeichnung Imperfekt war im Grunde nie ganz richtig, da sie aus der romanischen Grammatik kommt und für germanische Sprachen einfach nicht passt. Daher jetzt Präteritum, Präteritum ist besser und logischer.

Nur Unsinn fürs Leben gelernt! Das aber gründlich.

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