Ich packe für den Urlaub auf Eiderstedt. Sieben Tage, da brauche ich nur ein paar Minuten, um die Kleidung aus dem Schrank zu nehmen. Die meiste Zeit kostet dabei die Suche nach der Badehose, die ich ohnehin nicht brauchen werde. Egal. Ein Stapel Wäsche, bitte sehr, bitte gleich, fertig. Nie verstanden, warum Menschen mit dieser Aufgabe lange zubringen können, was soll daran schwer sein, man zählt sieben T-Shirts und sieben Paar Strümpfe etc. ab. Aus.

Dann wird es deutlich schwieriger, denn ich brauche auch Lektüre, und zwar brauche ich auf alle Fälle genug Lektüre. Es gehört schon seit der Kindheit zu den Grundängsten in meinem Leben, nicht genug zu lesen dabei zu haben, ich betreibe da also akribisch Vorsorge. Es ist mir egal, wenn ich dann im Urlaub gar nicht zum Lesen komme oder einfach keine Lust dazu habe, ich will nur, dass Bücher da sind. Unbedingt will ich das. Ausreichend viele Bücher. Ich habe es bisher nur einmal erlebt, dass ich tatsächlich nicht genug Bücher dabeihatte, das war allerdings eine dermaßen schreckliche und tief prägende Erfahrung – einmal hat gereicht.

Ich checke in diversen Apps Lesezeichen aus den letzten Monaten, irgendwelche Vermerke, die ich mal gespeichert habe, weil mich hier und da eine Rezension oder ein Hinweis flüchtig interessiert haben. Ich lese das alles noch einmal gründlich nach, ich spüre meinem Interesse nach, das sich selbstverständlich längst wieder geändert hat. Teils unbegreiflich, was ich da aufbewahrt habe, wie war ich denn da bitte drauf? Man ändert sich, in solchen Momenten fällt es wieder auf. Ich gewichte die gefundenen Titel neu und sortiere sie durch. Ich schreibe auf einen Zettel, was davon übrigbleibt, ich gehe zur Bücherei. Dort prüfe ich, was alles da ist und nehme das mit. Den Gang wiederhole ich nach ein paar Tagen noch einmal, denn es war ja nicht alles beim ersten Mal da. Dann grase ich zuhause akribisch die Regale ab, dabei finde ich sicher etwas, das ich noch nicht gelesen habe, nur halb gelesen habe, nur angelesen habe, längst vergessen habe. Da nochmal reinsehen! Ich lege schließlich die Bücher aus meinen Regalen zu den Büchereibüchern, ich sehe alles noch einmal durch. Ich gebe mir redlich Mühe, mich dabei nirgendwo festzulesen. Das ist nicht immer einfach, aber es ist doch an zwei, drei zurückgezogenen Abenden mit höchster Konzentration zu schaffen, eine vernünftige Auswahl aus der unüberschaubaren Menge zu treffen, vernünftig also im Sinne von überreichlich.

Ich nehme nicht viele Bücher mit in den Urlaub, ich nehme lächerlich viele Bücher mit in den Urlaub, und ich finde es richtig so. Denn nur dann kann ich mich dort aufs Sofa oder in den Strandkorb werfen, ein Buch anfangen und nach zehn Seiten in aller Gelassenheit sagen: „Ach nee, passt gerade nicht.“ Und einfach ein anderes Buch vom Stapel nehmen. Ich möchte das eventuell fünfmal oder öfter wiederholen können, das ist literarische Freiheit und Sorglosigkeit, das ist wichtig. Nie verstanden, wie Menschen mal eben so Lektüre für den Urlaub raussuchen können.

Dann muss ich noch die Auswahl der Notizbücher überdenken, denn ich möchte auf jeden Fall verschiedene Formate dabeihaben. Ich weiß doch vorher nicht, wie da an der Nordsee die Sitzgelegenheiten und die Lichtverhältnisse sind und was da also am besten passen wird. Große Notizbücher und kleine, solche mit flexiblem Einband und solche in festerer Struktur. Je nachdem, welchem Schreibgerät ich gerade zuneige, ist es auch gut, solche mit Linien und Karos und Pünktchen und blanko zu haben. Ich kann das aber vorher nicht wissen, was ich nächste Woche am besten finden werde. Bin ich Hellseher oder was, das variiert doch und wer weiß, ich wollte außerdem schon seit Jahren wieder anfangen, das Zeichnen zu üben. Wenn das eintreten sollte, und warum sollte es nicht irgendwann oder eben nächste Woche eintreten, dann brache ich dafür natürlich ganz andere Materialien als zum Schreiben. Was ich alles bedenken muss! Ich schichte Zeug und murmele „generalstabsmäßig.“ Ich mag das Wort.

Dann noch die Stifte und die Füller und die Patronen, man macht sich keinen Begriff, was da alles zu bedenken ist. Ich betreibe einen irren Aufwand, ich bin vermutlich auch völlig irre, und ich habe sogar irren Spaß dabei. Aber wissen Sie was, die grauen Patronen von Kaweco (keine bezahlte Werbung, nein) sind nicht rechtzeitig eingetroffen und ich glaube, ich werde sie schmerzlich vermissen.

Irgendwas ist wirklich immer.

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