Die Leere. Auf Twitter kommentierte Christine Finke mit dem Zitat eines Therapeuten, dass es sehr müde mache, nicht im eigenen Tempo leben zu können, und vielleicht ist das tatsächlich ein Teil der Erklärung. Aber dann wieder: Wer bitte kann denn das? Es haben doch alle Umstände, Verwandte, Jobs und was weiß ich was alles, wer ist denn in seinem Tempo.

Exkurs, weil es mir gerade einfällt. Ich habe einen seltsamen Biorhythmus, ich weiß. Ich bin verhaltensauffällig, schon wenn es nur um banale Uhrzeiten und mein Tempo geht. Wenn es nach mir ginge, also wenn es nur nach mir ginge, was so leicht selbstverständlich nicht abzusehen ist, denn ich habe ja – genau wie Sie! – Familie und Jobs und was weiß ich noch alles, aber wenn es nach mir ginge, dann würde mein typischer und auch toller Tag so aussehen: Aufstehen um 05:00 oder etwas früher, ziemlich zuverlässig jedenfalls vor allen anderen. Dabei Erster sein, wenn schon sonst nicht im Leben. An den Schreibtisch gehen und exzessiv schreiben. Blogeinträge, Kolumnen, Geschichten, Tagebuch, irgendwas, alles runterschreiben, neu entwerfen, korrigieren, ältere Sachen in Schleifen korrigieren und weiterschreiben, tipppeditipp, gar nicht hochsehen. Welt, Wetter, alles egal. Kaffee wegkübeln und immer weiter Text produzieren, für Kunden, für Sie, nur für mich, für die Söhne in dreißig Jahren, wie auch immer – perfekt. Schreiben um diese Uhrzeit, das ist die reine Lust. Nebenbei noch Twitter mit ein paar Scherzen betanken, meinetwegen sogar FB, obwohl ich damit schon lange nicht mehr klarkomme. Kurz aufstehen, ein Foto machen, auch noch Instagram füllen. Schreiben, schreiben, schreiben. Ein richtiggehender Laberflash ist das, denn ich da morgens habe, aber eben getippt und gesendet, nicht geredet, denn wer redet denn um diese Uhrzeit, also wirklich, ich muss doch sehr bitten. Aber dieses leise Tippen und dazu von draußen allmählich die allerersten Stadtgeräusche – zu und zu schön, immer wieder. Das ist die Zeit des Tages, da kann ich ich sagen und es stimmt sogar. 

Etwa um zehn oder spätestens gegen Elf Uhr dann Feierabend, der Computer kann aus. Den Rest des Tages danach bitte nur noch mit Lesen und Nachdenken verbringen. Ab und zu handschriftliche Notizen machen, um sie am nächsten Morgen im nächsten Rausch zu verarbeiten. Herumgehen und Herumgucken und was sonst eben anfällt, ein wenig Herumleben eben. Hier und da einen geschätzten Menschen treffen, gerne auch gefälligen und gutgelaunten Nachwuchs oder angetraute Personen. Um neun Uhr mit Buch ins Bett, gegen zehn wegdämmern.

Ja, das wäre es, so hätte ich es gerne. Man soll sich immer klar machen, was man wirklich will, das habe ich mehrfach in den letzten Jahren gelesen, auch von Menschen, die ich für klug halte. Okay. Was kam dann? Ich muss das alles noch einmal nachlesen. 

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Einiges über Delta. Dann weiß man das auch. Wobei ich das unbestimmte Gefühl habe, dass es vollkommen schnurz ist, ob ich das weiß oder nicht. Es passiert eh alles genau so, wie wir es jetzt schon absehen können, wie es die Expertinnen vorhersagen und exakt so, dass gewisse Politiker bald sagen werden, ich könnte schwören, dass sie es sagen werden: “Es hat uns alle überrascht”. Oder überrumpelt, das Wort fiel, ganz im Ernst, heute schon in einer Zeitung, ich sah es aus dem Augenwinkel auf Twitter. Das Einzige, was mich noch überrumpelt, immer wieder, ist die unsagbare Bräsigkeit der Zuständigen. Und dann wird man wieder aggressiv werden müssen, wenn man das mit der Überraschung hört und es wird natürlich nichts nützen und meine Güte, wie gut wir das alles schon kennen, okay, es ist die vierte Staffel, es reicht dann auch bald mal. Aber ja, ich lese das alles. Ich lese es quasi pflichtgemäß, aber es lässt doch, siehe ganz oben, so etwas wie Leere zurück, es gibt da irgendeinen Zusammenhang, über den ich wegen anderer Verpflichtungen allerdings jetzt gerade nicht länger nachdenken kann. 

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