Den Montag mit Rückenschmerzen der fortgeschrittenen Art auf dem Sofa verbracht, nachdem mir ein freundlicher Orthopäde am Morgen rückwärtig eine rettende Spritze reingejagt hat. Manchmal freut man sich auch über so etwas. Apropos erfreulich: Erstmals am sehr frühen Morgen über eine App (Doctolib, das ist ein Wikipedialink, keine Werbung) einen Termin gesucht, gleich gefunden und auch buchen können. Das ist bedeutend angenehmer als um acht Uhr zehn Praxen anrufen zu müssen, die dann alle bis neun Uhr dauerbesetzt und ab neun Uhr natürlich komplett ausgebucht sind, schon gar für Menschen ohne Privatversicherung. Aber datenschutzmäßig ist so eine App wieder ein weiterer Abgrund, schon klar. Wie man es macht, macht man es verkehrt.

Die Gespenster von Demmin von Verena Kessler auf dem Sofa gelesen, dabei habe ich etwas über den Massenselbstmord dortselbst 1945 gelernt. Nie davon gehört, denn das war ja im Osten UND im Krieg, das gab es also nicht. Und, das klingt jetzt unpassend, aber es ist ein unterhaltsames Buch und Sie wissen, ich benutze dieses Wort nicht abwertend. Gerne und schnell durchgelesen. Es hat keinen guten Titel, finde ich, aber das ist oft nicht Schuld der Autorin. Das eigentlich zentrale Wort des Buches ist “Wareneingangsbuch”, so seltsam es klingen mag. Falls Sie jetzt neugierig sind – im Wikipedia-Eintrag zur Stadt Demmin findet man die Auflösung. Der Titel wäre besser gewesen, finde ich. Das Wareneingangsbuch – ein Roman. Apropos Titel, neulich gab es drüben einen Blogartikel mit dem besonders schönen Titel: “Die Weiher im Sommer” – und hören Sie das auch? Das muss – muss! – eigentlich auch ein deutscher Kurzgeschichtentitel sein. Die Weiher im Sommer. 

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Angelesen habe ich ferner den Neuzugang von Robert Macfarlane: Karte der Wildnis, es fängt ganz hervorragend an. Deutsch von Andreas Jandl, Frank Sievers. Ich habe es abends im Bett noch gelesen, dann habe ich das Licht ausgemacht und über die Wildnis nachgedacht, die der Herr da in dem Buch so gründlich sucht. Über seine Überlegungen zur Landschaft, dass wir nämlich in Wohnsituationen wie etwa meiner eine solche nicht mehr erkennen oder auch nur ahnen können, dass da draußen um uns herum also nichts als Menschenwerk ist und wir unsere Gegend nur als Straßennetz im Kopf haben, nicht aber als natürliche Gegebenheit. Und in dem Moment ließ der Verkehr vor dem Haus eine Minute nach, die Stadt hielt die Luft an und übers Haus zogen laut schreiend ein paar Gänse durch die Nacht und am vollen Mond über der Kirche vorbei. Manchmal rettet der allerletzte Momente den Tag. 

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